Medienspiegel

Reichskristallnacht: Systematisch organisiert, minutiös geplant, kein Hauch von Spontanität

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„Für die einen ist der 9. November der Tag, an dem sich Philipp Scheidemann beeilt hat, den Kommunisten zuvor zu kommen und die Republik auszurufen. Für die anderen ist es der Tag, an dem Egon Krenz den folgenschwersten Fehler eines Zentralkomitees einer Kommunistischen Partei begangen hat, der je begangen wurde und die Grenze zu Berlin geöffnet hat. Für wieder andere ist es ein politischer Großkampftag, an dem sie den Opfern der Reichskristallnacht gedenken wollen, aber an dem sie vor allem mahnen wollen, vor rechter Gefahr und Antisemitismus und zuweilen dem Mythos huldigen wollen, dass sich 1939 am 9. November der latente Judenhass der Bevölkerung Bahn gebrochen oder ein rechter Bevölkerungsmob sich spontan an Juden vergangen habe:

Wie die meisten (nicht lokal begrenzten) Pogrome, so war auch die Reichskristallnacht in keiner Weise spontan. Sie war keine plötzliche Eruption von Gewalt und keine Graswurzelbewegung. Wie fast alle Pogrome war auch die Reichskristallnacht systematisch geplant, minutiös organisiert und vor allem: von denen in Auftrag gegeben, die allein in der Lage sind über eine große Fläche hinweg, wie man heute wohl sagen würde: Nazi- oder Anti-Jüdische-Aktivisten zu mobilisieren: von staatlichen und von Parteiorganisationen.“ (…)

Reichskristallnacht: Systematisch organisiert, minutiös geplant, kein Hauch von Spontanität