Medienspiegel

Gelbwesten: Wer sie beleidigt, beleidigt meinen Vater

Was aus den Gelbwesten werden wird, ist zur Stunde unklar. An den Vorurteilen gegen sie zeigen sich die soziale Gewalt und die Verächtlichkeit von Frankreichs Bürgertum.
Kaum jemand hat die Frage sozialer Klassen in den vergangenen Jahren so vehement auf die Agenda zurückgebracht wie der französische Schriftsteller Édouard Louis. ZEIT ONLINE veröffentlicht seine Stellungnahme zu den Gelbwesten, die zuerst auf der französischen Website „Les Inrockuptibles“ erschienen ist.

https://www.zeit.de/kultur/2018-12/gelbwesten-frankreich-gesellschaft-sozialitaet-klassen-gewalt-edouard-louis

und

https://www.theeuropean.de/edgar-ludwig-gaertner/15122-macron-verspielt-seine-macht-unruhen-in-frankreich

Kommentar GB:

(…) „Für die Herrschenden stellen die unteren Schichten, wie Pierre Bourdieu sagt, die perfekte „classe-objet“ dar. Eine objektivierte Klasse, über die man von oben sprechen, die man durch die eigene Rede formen kann: Mal spricht man von ihr, als bestünde sie aus authentischen, guten Armen. Mal, als sei sie eine Ansammlung von Rassisten und Schwulenhassern. Die Intention ist in beiden Fällen gleich: Diese Klasse soll sich nicht selbst ausdrücken, soll nicht aus sich selbst heraus von sich selbst sprechen. Man verstrickt sich gerne selbst in Widersprüche, solange die untere Klasse die Klappe hält.“ (…)

Das ist genau die dumme Arroganz der Macht, die uns auch hierzulande täglich begegnet, und zwar ausgehend von fast allen Parlamentsparteien. Die globalistische Perspektive, die bisher noch in Paris und Berlin dominiert, trägt dazu bei, daß die Interessen aller Nicht-Globalisten zu kurz kommen. Aber deren Interessen finden zunehmend organisatorische Formen. Es wird  immer schwieriger, wie gewohnt hohnlächelnd und mit Verachtung über sie hinweg zu gehen.