Geflohene Saudi: „Wir werden wie Sklaven behandelt“

Sie habe Selbstmord begehen wollen, berichtet die 18-Jährige Rahaf Mohammed al-Qunun, die im Ausland vor ihrer Familie geflohen war, in einem Interview.

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Kommentar Hartmut Krauss :

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Geflohene 18-Jährige aus Saudi-Arabien: „Wir werden wie Sklaven behandelt“

Die aus Saudi-Arabien geflohene 18-Jährige Rahaf Mohammed, die nun in Kanada aufgenommen wurde, berichtete in einem ersten Interview, dass sie zu Hause massive Repressionen erlitten habe und von ihrer Mutter und ihrem Bruder misshandelt worden sei. „Ich wurde schon sechs Monate lang eingesperrt, weil ich meine Haare geschnitten hatte. Wir, die saudi-arabischen Frauen, werden wie Sklaven behandelt.“ Um ihrer Familie zu entkommen, habe sie auch über Suizid nachgedacht.

Saudi-Arabien, vom Westen hofierter Rüstungsimporteur und einflussreicher Kapitalanleger, „ist zum einen das ökonomisch, politisch und ideologisch tonangebende Kernland des sunnitischen Islam. Zum anderen repräsentiert es in Form einer absoluten Erbmonarchie eine extrem reaktionäre und repressive Diktatur mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen auf allen Ebenen. Im Rahmen dieses Herrschaftssystems wirkt der Islam in seiner landesspezifisch zugespitzten wahabitischen Form nicht nur als kulturell dominantes bzw. absolutistisches Konzept religiös normierter Lebensführung, sondern fungiert ganz wesentlich auch als Legitimationsideologie bzw. als geistig-moralische Rechtfertigungsgrundlage der bestehenden Herrschaftsstrukturen. So heißt es in Artikel 6 des saudi-arabischen „Grundgesetzes der Herrschaft“: „Die Bürger bekunden dem König auf der Grundlage des Buches Allahs, des Erhabenen, und der Sunna seines Propheten sowie dem Prinzip ‚Ich höre und gehorche, im Guten wie im Bösen, in Armut wie im Wohlstand‘ die Treue“ (Brandes 1999, S. 270). Die Artikel 23, 45, 46 und 48 verordnen die Unterwerfung des Staates, der Rechtsetzung, der Richterschaft und der Gerichte im Saudi-Arabischen Königreich unter die Scharia.

Unter Berufung auf die Scharia wird in Saudi-Arabien die Todesstrafe für folgende Delikte verhängt: Mord, Vergewaltigung, bewaffneter Raubüberfall, Hochverrat, Drogenhandel, Ehebruch, Entführung, Gotteslästerung und Hexerei. „Die übliche Hinrichtungsart ist die Enthauptung durch das Schwert auf einem öffentlichen Platz. (…) Das Ritual ist kurz: Der Delinquent wird mit einem Wagen vorgefahren und muß sich an einer bestimmten Stelle, einem Graben, gefesselt niederknien. Die Augen werden ihm verbunden. Der Scharfrichter gibt ihm einen Stoß in den Rücken, so daß er sich aufbäumt, und schlägt im nächsten Moment mit dem Schwert zu. Bei einem geübten sicheren Schlag fällt der Kopf sofort zu Boden, das Blut fließt in den Graben. Doch gibt es auch Berichte von Scharfrichtern, die nicht so sicher zuschlagen, und deren vorgenommene Hinrichtung zu einer schrecklichen Schlachterei wird. Was mit dem Körper des Hingerichteten geschieht, und ob die Angehörigen die Leiche für eine Beerdigung erhalten dürfen, ist nicht bekannt.“[1] Unabhängig von China, über das keine Berichte und Zahlen vorliegen, wurden 2016 87 Prozent der erfassten Hinrichtungen in nur vier islamischen Ländern vollstreckt: im Iran 567, in Saudi-Arabien 154, im Irak 88 und in Pakistan 87. Mindestens zwei der Hingerichteten im Iran waren laut Amnesty zur Tatzeit minderjährig. Auch in Saudi-Arabien wurden bereits Minderjährige hingerichtet.

Als Herrscher eines Landes mit einer absoluten Erbmonarchie islamischer Prägung als Staatsform, ist der König zugleich weltliches (Staatschef), geistliches (Imam) und Stammesoberhaupt („Scheich der Scheichs“). Als absolutistischer Herrscher verfügt er über den Ministerrat als beratendes, ausführendes und ihm allein verantwortliches Staatsorgan. Das System der Rechtsprechung basiert wie zuvor beschrieben auf der Scharia und wird von Kadi-Gerichten ausgeübt. Die absolutistischen Herrschaftsträger mit dem König an der Spitze sehen sich als rechtmäßige Hüter der beiden heiligen Stätten des Islam und stellen die öffentliche und private Ausübung anderer Religionen unter Strafe. Wie Sjukijajnen/Weidnitzer in einem Aufsatz von 1988 (S. 853) berichteten, wird das Bekenntnis zum Marxismus-Leninismus mit dem Tode bestraft. Fordern saudi-arabische Bürger Freiheitsrechte und betrachten Muslime, Juden, Christen und Atheisten als gleichberechtigt, werden sie wie im Falle von Raif Badawi zu 10 Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt.

Die politischen Prozesse werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne die Zulassung von Strafverteidigern durchgeführt. Die drakonischen Strafen reichen von der Auspeitschung bis zur Amputation von Gliedmaßen und zur öffentlichen Enthauptung. Auch die gesamte Erziehungs- und Bildungskultur des Landes ist ausschließlich ‚monoislamisch‘ geprägt. „Ziel der Bildung ist es, den islamischen Glauben in die Seele der jungen Generation zu pflanzen (…)“ (Artikel 13 des Grundgesetzes der Herrschaft; Brandes 1999, S. 270). Eine omnipräsente und wenig zimperliche Religionspolizei (Mutawin) überwacht und kontrolliert die strenge Einhaltung der islamischen Regeln im Sinne der „Reinhaltung des Islam“. Nichtmuslime, die bei irgendeiner Form nichtislamischer Religionspraxis ertappt werden, werden festgenommen sowie physisch und psychisch drangsaliert.“ (Quelle siehe Link unten.)

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http://www.hintergrund-verlag.de/texte-islam-hartmut-krauss-saudi-arabien-konturen-einer-islamischen-oelrentendiktatur.html

 

 

 

 

 

 

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