Medienspiegel

Iran. Woher kommen die Stimmen für Mahmud Ahmadinejad?

von Dr. Gudrun Eussner

Ein Artikel vom 18./19. Juli 2009, Links aktualisiert, am 13. Januar 2019

Zur Zeit der letzten Volkszählung, vom 25. Oktober 2006, hat der Iran 70 495 782 Einwohner, inzwischen sind es mehr als 71 Millionen, davon Zweidrittel jünger als 30 Jahre, knapp 48 Millionen. Die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen von 15 bis 29 Jahren beträgt ein Jahr vor dem Ende der Präsidentschaft von Mohammed Khatami (August 2, 1997 to August 3, 2005) 31 Prozent, für die nächsten zwei Jahre prognostiziert der Bericht einer von der Management and Planing Organization der Regierung eingesetzten Kommission, daß bei anhaltender Arbeitslosenquote von 13,2 Prozent in den nächsten zwei Jahren die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen von 15 bis 29 Jahren auf 52 Prozent ansteigen werde.

Iran’s unemployment rate to hit 50% for 15-29 age group in two years.
Iran’s Unemployment Falls to 10.3 percent. Payvand’s Iran News, April 1, 2008
Auf dem Memri Economic Blog liest man unter dem 13. Mai 2008 eine Nachricht aus Irans Statistics Center, dessen Leiter Dr. Mohammad Madad erklärt, daß die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen von 14 bis 29 Jahren 25,6 Prozent betrage, davon in den Städten bis zu 29,6 Prozent und 19,4 Prozent auf dem Lande. Gleichzeitig ist die Inflationsrate auf 24,2 Prozent angestiegen, was die ärmsten der Armen im Iran besonders hart trifft. Die tatsächliche Arbeitslosenquote im Iran beträgt zu der Zeit 16 Prozent.
One in four young Iranians jobless, Business Recorder, May 13, 2008

Irans Arbeitsminister Mohammad Jahromi berichtet im Oktober 2008, daß die Arbeitslosenquote im Iran mehr als 10 Prozent betrage, 15,6 Prozent davon seien Hochschulabsolventen, das sind bei ca. 71 Millionen Einwohnern etwa 360 000. Von ihnen werden die meisten nicht Mahmud Ahmadinejad wählen. Diese Arbeitslosen wohnen, wenn sie nicht, soweit vom Lande stammend, dorthin zurückgekehrt sind, in den größeren Städten.

Iran’s unemployment rate set to rise. PressTV, November 28, 2008 [nicht mehr online]

Wahlberechtigt sind im Jahr 2009 etwas mehr als 46 Millionen Iraner, wie man in den internationalen Medien lesen kann. Wo wohnen die Iraner?

City Population gibt Aufstellungen über die iranischen Provinzen und alle Städte Irans mit mehr als 50.000 Einwohnern. Die 13 größten Städte haben eine Einwohnerzahl von insgesamt  20 801 144: Die iranischen Provinzen und alle Städte Irans mit mehr als 50.000 Einwohnern.

Am Tag der Volkszählung, vom 25. Oktober 2006, hat Teheran mehr als 7 Millionen Einwohner, Mashhad mehr als 2 Millionen, haben Isfahan, Tabriz, Karaj und Schiraz mehr als 1 Million, Ahvaz und Qom fast 1 Million, hat Kermanshah fast 800 000, haben Urmia, Zahedan, Rasht und Kerman mehr als 500 000 Einwohner, 4 Städte haben mehr als 400 000, 6 mehr als 300 000, 14 mehr als 200 000, 42 Städte mehr als 100 000 Einwohner. Insgesamt sind das etwa die Hälfte aller Iraner. Rechnet man die 71 Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern durchschnittlich à 75 000, kommen noch gut 5 Millionen hinzu. Ungefähr 35 Millionen leben in kleineren Städten und in Dörfern auf dem Lande.

Die Stimmen für den Mahdi-gläubigen Mahmud Ahmadinejad kommen von den in ihr Schicksal ergebenen Schiiten aus den Armenvierteln der Städte und von der religiösen Landbevölkerung. Man kann rechnen, wie man will, es wird für diesmal immer die Mehrheit sein. Ali Khamenei und sein Wächterrat können sich getrost den 646 Wahlbeschwerden widmen, und sie können sogar Neuwahlen anberaumen. Der Sieg wird Mahmud Ahmadinejad sicher sein; er würde wahrscheinlich noch mehr Stimmen erhalten. Den Rest erledigen die getreuen Revolutionsgarden.

18. Juni 2009

Ergänzung

Eine ähnliche Einschätzung der Stimmenverteilung liest man auch in der Analyse von Ephraim Kam, vom israelischen Institute for National Security Studies (INSS); für ihn ist das Wahlergebnis keine Überraschung, er hält es zwar für wahrscheinlich, daß Wahlfälschungen weit verbreitet sind, und daß sie die Höhe des Wahlsieges betreffen, aber es sei unsicher, ob diese Fälschungen das Ergebnis, nämlich für Mahmud Ahmadinejad, bestimmt hätten.

The Outcome of Iran’s Presidential Elections. By Ephraim Kam
INSS Insight No. 115, June 18, 2009 [nicht mehr online]

19. Juli 2009