Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt

7. Februar 2019

Buchbesprechung   –   von Dr. Gudrun Eussner

Der Titel macht neugierig, und schon beginnen die Fragen. Das geht mit der Einleitung los, in der Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“ zitiert wird, der Zustand der untergehenden Zivilisation. Der Autor meint, daß Oswald Spenglers Analyse in vielerlei Hinsicht auch auf den Zustand der heutigen islamischen Welt zutrifft. Alle Muslime weltweit können sich beruhigt zurücklehnen. Oswald Spenglers Buch stammt aus dem Jahr 1918, und das Abendland ist immer noch nicht untergegangen, da können Nationalsozialismus (pbuh), Kommunismus (pbuh) und Islam sich noch so mühen. Oswald Spengler habe seine Vorstellungen vermutlich vom arabischen Geschichtsphilosophen Ibn Khaldun aus dem 14. Jahrhundert übernommen. (Seite 14) Es soll sich um eine Übernahme handeln, auch wenn nichts darauf hindeutet. Selbst islamische Sites, die in Ibn Khaldun den Vater der Geschichtsschreibung und der Soziologie feiern und auch Oswald Spengler nennen, behaupten nirgends, der habe von jenem die Ideen übernommen. Die Erfahrung lehrt aber, daß sie das ganz groß herausgestellt hätten. (1)

Wie alle Muslime sieht auch Hamed Abdel-Samad das Gedankengut des Westens aus dem Islam stammend, man erinnert sich? Europa verdankt seine Entwicklung den Muslimen des Mittelalters. Wegbereitung von Renaissance und Aufklärung durch den Islam, Algebra, Kompaß, Medizin, Druck – alles Muslime, alles Islam. Diese Geschichtsklitterung löst sich so: Algebra: Perser bzw. Uzbeke; Kompaß: Italiener oder Chinese; Medizin: spanische und persische Juden; Druck: Chinesen; Null: Inder. Kunst und Wissenschaft der islamischen Welt werden von Zwangskonvertierten sowie von Juden und Christen vorwärts gebracht. (2)

Sylvain Gouguenheim hat in seinem Buch Aristote au Mont Saint Michel das Nötige zum Thema notiert. (3)

Wer Ibn Khaldun (1332 – 1406) ist, erklärt Hamed Abdel-Samad nicht. Der Islam habe die Verpflichtung, Macht über andere Nationen zu gewinnen, lehrt der Philosoph. Über das Christentum und seine Heilige Schrift sagt er in seinem Werk Muqaddimah: It is for them (the Christians) to choose between conversion to Islam, payment of the poll tax, or death. (4)

Kein Wunder, daß bei solchem Vorgehen Zivilisationen untergehen.

Gott – Allah – Gottallahlah

Es empfiehlt sich, bei der Lektüre von Büchern über den Islam zur Einschätzung von deren Relevanz einige Indikatoren anzuwenden. Ein Indikator ist der Gebrauch der Begriffe „Gott“ und/oder „Allah“. Hans-Peter Raddatz hat im Mai 2001, vier Monate vor dem 11. September, ein Buch herausgebracht, Von Gott zu Allah? Darin behandelt er auf 528 Seiten den Unterschied zwischen Christentum und Islam, zwischen Gott und Allah. Ein Blick in den Klappentext reicht: Aus einem analytischen Systemvergleich der religiös-politischen Machtverteilung im Islam und christlichen Abendland entwickelt der Autor die zentralen Denk- und Verhaltensstrukturen, die beide Kulturen zu historischen Antagonisten prägten. (5)

Hamed Abdel-Samad zitiert Sure 13:17, ergänzt einmal „er“ mit (Gott) und zweimal übersetzt er Allah mit Gott. (Seite 22). (6)

Er weist dem Islam ein Gottesbild zu, das aus dem Koran abgeleitete Gottes- und Menschenbild. (Seite 29) Der Islam kennt ein solches Bild nicht, es herrscht Bilderverbot, der Islam kennt Allah. Entsprechend leitet der Islam kein Menschenbild her. Daraus ergibt sich, daß der einzelne und die Menschen in der islamischen Gemeinschaft, in der Ummah, unbedeutend sind. Das zeigt sich beispielsweise im Stimmrecht von Moscheevereinen, es bemißt sich in Frankreich nicht nach der Anzahl der Mitglieder, sondern nach der Größe der Moschee-Areale. (7)

Manche Islamkritiker begehen den Fehler, das Kernproblem der islamischen Welt als einen Kampf zwischen Individualität und Gemeinschaft zu beschreiben. Allein, das Individuum als Gegensatz der Gemeinschaft zu betrachten ist ein fataler Irrtum, schreibt der Autor, und damit hat er recht, aber anders, als ihm lieb sein kann. Es gibt kein Individuum und kein Subjekt im Islam, die Ummah besteht aus Unterworfenen unter Allah, entsprechend kann es keinen Prozeß, keinen Kampf zwischen Individuum und Gemeinschaft geben, der ist beendet, Islam ist Frieden. Dem Unterworfenen bieten der Islam und seine Ummah Nestwärme, Orientierung und Anerkennung, die das Funktionieren einer Gemeinschaft ermöglichen. (Seite 50)

Dem Autor scheint an der Erhaltung dieses Zustandes sehr gelegen; denn er bietet einen französischen Philosophen als Zeugen auf, Jean-Luc Nancy, der ihn bestätigt: Eine Gemeinschaft kann es nicht ohne Individuen geben, die ihre Werte mittragen und somit ihr Funktionieren erst ermöglichen. Ich gebe zu, daß ich von diesem Philosophen vorher noch nie gelesen habe, er betrachtet das Individuum lediglich als den Überrest einer in sich zerfallenen Gemeinschaft. (Seite 51) Die Überreste Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad, zwei Individuen, sind gerade auf Deutschland-Safari – oder würden sie es sich verbitten, als Individuen in einer in sich zerfallenen Gemeinschaft bezeichnet zu werden?

Wikipedia erklärt das Denken des Philosophen als von Martin Heidegger beeinflußt. Man hätte selbst darauf kommen können: Im weiteren thematisierte Nancy, beeinflusst vom Denken Heideggers, die Gemeinschaftlichkeit menschlichen Seins. Darüber hinaus sind die religiösen Bewegungen der Neuzeit und die Auswirkungen der Globalisierung für Nancy ein Arbeitsfeld. Ein Philosoph des Zeitgeistes: Das wahre Außen ist im Innen. (8)

Über Aggressionen und Eroberungskriege des Islams schreibt Hamed Abdel-Samad: Die Kriege, die man selbst anzettelte (sic!), nennt man fath, also Öffnung mit einem göttlichen Auftrag. Die Kriege der anderen nennt man ghazw, also Invasion. (Seite 38) Der Auftrag ist nicht von Gott, sondern von Allah hergeleitet. Die Kriege werden nicht angezettelt, sondern sie werden zur Machterweiterung des Islams und seiner Herrscher gegen die Ungläubigen vorbereitet und durchgeführt. „Anzetteln“ paßt hier nicht, darin liegt immer Willkür, freie Entscheidung. Eroberungskriege gegen andere islamisch regierte Staaten sind ebenfalls nicht angezettelt, sondern sie werden damit gerechtfertigt, daß diese vom Islam abgefallen seien, ihre Herrscher und deren Untertanen ein unislamisches Leben führten. Der Islamische Revolution genannte Umsturz im Iran ist ein Beispiel dafür.

Über die meisten Herrscher in der islamischen Welt, die treuen Verbündeten des Westens, von diesem mit Waffen und Entwicklungshilfe gestützt, damit sie die westlichen Interessen in ihrer Region verteidigen und dort für Stabilität sorgen, gibt sich der Autor ratlos: weiß Gott, was damit gemeint ist. (Seite 40) Man kann davon ausgehen, daß Hamed Abdel-Samad weiß, was mit Stabilität gemeint ist, nämlich der reibungslose Ablauf der Geschäfte, der Versorgung des Westens mit Erdöl, der Verkäufe von Rüstungsgütern und sonstiger Waren der westlichen Industrieländer zur Repatriierung der gezahlten Petrodollars. Hätte er sich seines Wissens bedient und das so geschildert, wäre es eng geworden für ihn; denn Gott weiß nicht, was damit gemeint ist, wohl aber die Herrscher der islamischen Staaten, die Stellvertreter Allahs auf Erden. Sie mögen keine Hinweise auf ihr bestes Einvernehmen mit der westlichen Welt.

Über die Schulbücher Saudi-Arabiens urteilt der Autor vernichtend, er belegt sein Urteil durch Zitate. Nicht nur, daß er die Suren nicht nennt, auf denen die Schulbuchtexte teils im Wortlaut beruhen, sondern hier zitiert er aus gutem Grund Allah: „Wer die Lehre des Propheten befolgt und die Einheit Allahs bezeugt, darf keine Freundschaft mit Menschen pflegen, die gegen Allah und seinen Propheten sind …“ (Seite 43)

Die Einheit Allahs und das Bekenntnis zu ihr machen den Muslim aus, die Einheit des Namens und der Eigenschaften, at-tawhid al-asmâ wa as-sifât, die Einheit Gottes wäre fehl am Platze, da sie in Judentum und Christentum etwas anderes beinhaltet. Man kann auch nicht gegen Gott und seinen Propheten sein. In diesem Zitat des Buches entlarvt sich am deutlichsten, daß Gott ungleich Allah ist. (9)

Im Abschnitt Das muslimische Gottesbild und die Herrschaftstreue (Seiten 116 – 134) läuft die Fehlbesetzung Allahs als Gott zur vollen Form auf: … Glauben, Bewunderung der Schöpfung und der Einheit Gottes. … (Seite 119) Ein erhabener, unberechenbarer und wütender, zugleich aber auch gütiger und barmherziger Gott, ein Gott, der immer diktiert und nie verhandelt …, Gott, der keine Götter neben sich duldet und für seine Macht über Leichen geht. (Seite 124f.) Er vergleicht dieses Gottesbild am Beispiel Hiobs, arabisch Aiyub oder Ayub, mit der Hiobsgeschichte der Juden, eine der zahlreichen von Mohammed übernommenen, oft bis ins Gegenteil verdrehten und zweckentfremdeten Geschichten. Am Beispiel Hiobs wie auch Jakobs, der mit dem Engel ringt, dem Gesandten Gottes, zeigt sich die Unvereinbarkeit der Begriffe Gott und Allah. Die Prügel für die Ehefrau sind ’ne islamkonforme Dreingabe: (10)

42. (43.) Und wir gaben ihm seine Familie (wieder) und ebenso viele obendrein als eine Barmherzigkeit von uns und eine Ermahnung für die Verständigen. 43. (44.) Und (wir sprachen:) »Nimm in deine Hand ein Bündel (Ruten) und schlage damit (deine Frau) und versündige dich nicht (mit Worten).« Siehe, wir erfanden ihn standhaft; 44. ein trefflicher Diener; siehe, er war bußfertig.

hakimiyyatu’llah ist nicht „Herrschaft Gottes“, sondern Herrschaft Allahs, der Kalifatsstaat. Allah ist der Einzige, der Monarch wäre der Schatten Allahs auf Erden, es geht nicht um den Herrscher von Gottes Gnaden, diesen Begriff der absolutistischen christlichen Kaiser und Könige, sondern um den Herrscher im Auftrag Allahs zur Verbreitung des Islam. Von Gnade kann keine Rede sein. (Seite 127) Eine Revolte gegen den Machthaber ist auch eine Revolte gegen Allah – und nicht gegen Gott; denn gegen den kämpfen und mit ihm hadern nach Abraham, dem letzten, der nicht hadert, Jakob, Hiob, Jesus sowie bis in die Gegenwart zahlreiche Juden und Christen, davon einige so nachhaltig, daß sie vom Glauben abfallen und zu Atheisten werden oder zu Anhängern des Dalai Lama.

Muslime als dem Islam unterworfene Gläubige sind als Eroberer unterwegs; sie bemächtigen sich des jüdisch-christlichen Gottesbegriffs wie die deutschen Muslimvereine unseres Nationalfeiertages, die den Tag der Deutschen Einheit zu al-youm at-tawhid umgestalten und ihn zum Tag der offenen Moschee erklären. Oder sie bemächtigen sich des Gottesbegriffes so wie die 138 sunnitischen und schiitischen Würdenträger in einer ganzseitigen Anzeige zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel 2007/2008, geschaltet in mehreren Tageszeitungen. Ihre Anzeige dient trotz Dankesüberschrift, trotz der Verwandlung von Allah in Gott und der lateinischen Tünche allein der Lobpreisung des Islams: Gott möge Mohammed und seine Familie segnen, wie er auch Abraham und seine Familie gesegnet hat.

As-Salaamu Aleikum; der Friede sei mit Euch; Pax Vobiscum. Es geht immer darum, den Islam dem Judentum und dem Christentum als herrschende Religion überzuordnen. Der Islam herrscht, er wird nicht beherrscht – und er existiert nicht neben anderen Religionen. (11)

Eine Einschätzung des Pax Vobiscum kann man im Artikel Dank und Wünsche der Muslime zu Weihnachten und zum Neuen Jahr lesen, wie diese angeblich gutwilligen Muslime korankonform alles umdrehen und verfälschen, sie machen vor keiner für Christen wichtigen Persönlichkeit halt, nicht vor Maria, nicht vor Jesus. Nun warten alle gespannt auf die frohe Botschaft der Muslime zu den christlichen Festtagen 2010. (12)

Auch Hamed Abdel Samad reiht sich ein: Die Christen besaßen die „Kultfigur“ Jesus, der als Sohn Gottes und Wunderheiler galt. (S. 60) Christen glauben an Jesus Christus. Zur Zeit seiner Wunderheilungen gibt es keine Christen, es ist nicht so wie im Islam, der im nachhinein alle vorislamischen jüdischen und christlichen Personen und Legenden zu islamischen macht, der Abraham zum ersten Muslim kürt und in Sure 19 Mirjam/Maryam, die Schwester Moses‘ und Aharons, zu Maria, der Mutter Jesu, verfälscht und damit gleich zwei Religionen auf einen Streich enteignet. (13)

Umwidmung und Zerstörung von religiösen Stätten und Symbolen der „Ungläubigen“ sind immer Eroberung. Alle Eroberer haben das so gehalten, auch die Christen. Aus Synagogen, Moscheen und Tempeln der Juden, Muslime und Heiden haben sie ihre Kirchen gebaut. Neben der berühmten Pariser Kitsch-Kathedrale Sacré Coeur steht die 1147 geweihte Basilika Saint Pierre de Montmartre. Voller Stolz zeigt einem der Führer eine in den Innenraum der Kirche eingebaute heidnische Säule. (14)

Der Islam zerstört das jüdisch-christliche Gottesbild, der Gott wird abgeschafft zugunsten des Konstruktes Allah. Nur diese Zerstörung kann die Eroberungen durch Glaubenskrieg als religiös legitimieren. Jüdische und christliche Lehre geben das nicht her. Wenn Christen Eroberungen religiös legitimieren, müssen sie immer theologisch-philosophische Verrenkungen machen, Rechtfertigungen erfinden. Der Islam jedoch ist (!) die Rechtfertigung für Eroberungen.

Juden – Israel

Weitere Indikatoren sind die Behandlung der Themen Juden und Israel. Der Autor ist mit Henryk M. Broder befreundet, beide gehen unter dem Titel Entweder Broder gemeinsam auf Deutschland-Safari, sogar die putzige Terrierhündin Wilma mit dem einen Stehohr darf mit, auch wenn Hamed Abdel-Samad mit wilden Gesten deutlich macht, daß er das Vieh nicht ausstehen kann. Man sieht also, daß der Autor nichts gegen Juden hat, nicht einmal gegen Hunde, und damit eine ganze Reihe von Suren des Koran für sich außer Kraft setzt. (15)

In der Einleitung Morgenland ist abgebrannt geht es um das Verhältnis der Muslime zum Westen, um Wahrnehmungen, die viel mit dem eigenen Selbstbild zu tun haben, sowie um Paranoia auf beiden Seiten. (Seite 17) Kein Gottesbild, kein Selbstbild, kein Selbstbild, kein Gottesbild könnte man sagen und das Buch zuklappen. Die Tatsache des nichtvorhandenen Selbstbildes wird aber vom Autor in allen Abschnitten seines Buches so spannend vorgeführt, daß es sich wie ein Krimi liest.

Im Abschnitt Nimm mir meinen Sündenbock nicht weg (Seite 31 – 45) zitiert Hamed Abdel-Samad arabische Schulbücher, in denen behauptet werde, der Kolonialismus hätte die islamische Welt ihrer Ressourcen beraubt und sie in der kulturellen Entwicklung um Jahrhunderte zurückgeworfen. So kann es Staaten gehen, die ihrerseits über Jahrhunderte vom kulturellen und wirtschaftlichen Schaffen eroberter Staaten gelebt haben und nun mit leeren Händen dastehen. Was den Kolonialismus europäischer Staaten angeht, so habe ich, am 24. November 2010, für Algerien eine Dokumentation aus dem Jahr 1970 übersetzt; sie sagt das Gegenteil aus. Mit dem Ende des Kolonialismus beginnt der Ruin des Landes durch seine islamischen Herrscher. (16)

Der aus Ägypten stammende Hamed Abdel-Samad weiß, was Kolonialismus für den Nahen Osten bedeutet: … vierhundert Jahre osmanischer Herrschaft in der arabischen Welt, und diese werden nicht als Epoche des Kolonialismus betrachtet, obwohl die Osmanen mehr zur Rückständigkeit der arabischen Welt beigetragen haben als die europäischen Kolonialmächte. (Seite 39) Über die Ausmaße der Verödung Palästinas durch die osmanische Herrschaft kann man bei Jakob Philipp Fallmerayer und Mark Twain erfahren; sie sind Mitte des 19. Jahrhunderts Augenzeugen des Verfalls. Ulrich Sahm berichtet darüber in seinem Buch Alltag im Gelobten Land. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kommen deutsche Protestanten ins Heilige Land, württembergische Templer. Sie finden ein unter den Osmanen verkommenes Land vor; es gehört zur Provinz Südsyrien. Die Deutschen schaffen moderne Infrastruktur, bringen landwirtschaftliche Technologie, und dann kommen, in ihrem Gefolge, die ersten Juden aus Europa und beginnen, von Großgrundbesitzern mit Sitz in Beirut oder Damaskus Land aufzukaufen. (17)

Soweit zum Thema, der Kolonialismus hätte die islamische Welt ihrer Ressourcen beraubt und sie in der kulturellen Entwicklung um Jahrhunderte zurückgeworfen.

Die Rolle der Juden in den Kolonien der islamischen Welt erwähnten arabische Schulbücher nicht, und auch nicht Antisemitismus und Holocaust. Der Autor kritisiert, daß alles weggelassen werde, was Sympathie für oder Mitgefühl mit Juden entstehen lassen könnte, was die Homogenität des Feindbilds von Israel trüben könnte. Wie die islamische Geschichte ohne „die anderen“ aussähe, ohne die Feinde, quasi die innere Geschichte der islamischen Welt? (Seiten 37, 44)

Es ist einfach zu beantworten: 1400 Jahre Islam und die von ihm beherrschten Gesellschaften zeigen, daß der Islam keine innere Geschichte kennt. Islam ist Außenorientierung, Eroberung. Islam ist bis heute Aneignung und Ausbeutung anderer Kulturen und derer Errungenschaften. Selbst ihre Armeen rekrutieren islamische Staaten aus dem Menschen- und Waffenreservoir anderer, vornehmlich aus den als ungläubig verachteten, ob es sich wie einst um Janitscharen oder wie heute um Kampfbomber handelt.

Islam ist auch die Ausbeutung der Juden und Christen auf islamischem Boden, der Dhimmis. Jüdische und christliche Männer zwischen 14 und 62 Jahren haben beispielsweise in Ägypten, um einen Schutz vor dem gegen Ungläubige, die Kuffar ständig wütenden Glaubenskrieg zu erhalten, eine jährliche Kopfsteuer zu zahlen, Jizya, von jazâ = Belohnung; Zahlung. (18)

Kuffar heißt zu deutsch „die Lebensunwürdigen“. Im Koran gibt es 206 Stellen, die zu Gewalttaten gegen die Kuffar und zur gewaltsamen Verbreitung des Islam auffordern. Für den Autor gibt es keine Jizya, obgleich er sie sicherlich kennt. Er schreibt: Nicht-Muslime hatten höhere Steuern zu entrichten als Muslime. Koversionen zum Islam habe es auch gegeben, als Versuch, die hohen Steuern zu meiden. (Seiten 60f.)

Da hätte gut eine Seite hineingepaßt, auf der über die Herrscher berichtet worden wäre, die Nicht-Muslime an der Konversion hindern, wenn die Erhebung von Kopfsteuer einträglicher ist, oder deren Meinung sich bei Bedarf ändert, trotz entrichteter Kopfsteuer die nicht-muslimische Familie vertrieben oder ermordet wird und ihr Vermögen dem Herrscher zufällt. Verträge zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen müssen jene nicht einhalten. Die berühmte hudna, fälschlich als Waffenstillstand bezeichnet, ist immer eine Waffenruhe im Sinne der muslimischen Kämpfer. Fühlen diese sich vorzeitig stark genug, setzen sie den Kampf nach ihrem Gutdünken fort.

Wenn Außenorientierung und Eroberung nicht mehr funktionieren, ist der Islam am Ende. Sehr schön sagt das Faruq al-Qaddumi alias Abu Lotf in Bezug auf die palästinensischen Araber, die nur eine Identität hätten im Kampf gegen Israel. Am 11. November 2004 definiert er in einem Interview mit dem Fernsehen der Hezbollah Al Manar TV die nationale Einheit der auf dem Gebiet Palästinas lebenden Araber aus dem Auftrag zur Eroberung Israels: Die Palästinenser stimmen überein, daß der Widerstand die natürliche Grundlage für die nationale Einheit und den nationalen palästinensischen Dialog ist. Nicht nur gegen die Besatzung des Westjordanlandes und von Gaza ist der Widerstand zu richten, sondern auch und vor allem gegen Israel. (19)

Da ist ihnen inzwischen der Deutsche Bundestag ähnlich, der durch Widerstand gegen Israel die Einheit aller Deutschen wenn nicht schafft, so doch festigt und demonstriert. (20)

In den arabischen Staaten habe es auch andere Stimmen gegeben, so den sudanesischen Theologen Mahmoud Mohamed Taha, der 1985 hingerichtet wird, weil er sich für die Versöhnung mit Israel aussprach, damit die Araber die Energie und die Ressourcen, die sie für Rüstung vergeudeten, in den Aufbau ihrer Länder stecken könnten. (Seite 88) Da hätte man vom Autor eine Bemerkung gewünscht, welche Auswirkung eine Versöhnung auf die westlichen Rüstungskonzerne gehabt hätte. Präsident Gaafar Nimeiry kann denen keinen größeren Gefallen tun, als den Theologen wegen Apostasie hinrichten zu lassen.

An zwei Stellen seines Buches erwähnt Hamed Abdel-Samad das Attentat auf Djerba. Er reiht es ein, es sind die Anschläge von Luxor, Bali und Djerba (Seite 74) und hier: Aber die terroristischen Anschläge von Luxor, Bali, Istanbul, Dar El-Salam, Kairo, Djirba, Karachi, Bagdad und Kabul zeigen, dass diese Wut auch die islamischen Gesellschaften von innen zerreißt. (Seite 208) Er geht nicht ein auf den Juden- und Israelhaß, aus denen allein der Anschlag auf die Synagoge Ghriba ausgeführt wird: (21)

Am 11. April 2002 verübt ein junges Mitglied der Terrororganisation al-Kaida ein Attentat auf die fast 2000 Jahre alte Synagoge Ghriba, auf Djerba. Der Attentäter Nizar Nawar wartet, bis sich eine möglichst große Anzahl von Touristen in der Synagoge sammelt, und läßt dann einen Lastwagen mit einem Gastank explodieren. Bruder und Onkel des Attentäters sind an dem Attentat beteiligt. Bei dem Anschlag werden 19 Menschen getötet, darunter 14 Deutsche, drei Tunesier, ein Franzose sowie ein Franko-Tunesier.

Die tunesische Regierung stellt die Explosion zunächst als einen Unfall dar. Im Juni 2002 bekennt sich die al-Kaida durch ihren Sprecher Suleiman Abu Ghaith in einer Fernsehansprache des katarischen Senders El Dschasira zu dem Attentat. „Der Attentäter habe ´nicht zusehen´ können, ´wie seine Brüder in Palästina sich töten lassen müssen, während die Juden spazieren gehen, sich amüsieren und ihre Rituale (in Tunesien) öffentlich praktizieren können´,“ berichtet der Sender Phoenix.

Es mag islamische Gesellschaften von innen zerreißen, die Juden jedenfalls zerreißt’s von außen.

Der Autor geht auch nicht ein auf Zusammenhänge des Attentats mit dem Wirken des Zentralrats der Muslime in Deutschland und seines damaligen Vorsitzenden „Dr.“ Nadeem Elyas, dessen Schützling Christian Ganczarski unmittelbar vor der Tat von Nizar Nawar per Mobilphone aufgefordert wird, für ihn zu beten. Da ist selbst die WELT weiter, ein ansonsten nicht für stringente Islamkritik bekanntes MSM. (22)

Auch bei der Aufzählung von Terroranschlägen in Ägypten finden Juden keine Erwähnung, sondern es kamen viele deutsche Touristen in Ägypten durch mehrere Terroranschläge ums Leben …, ohne dass die Deutschen danach Ägypten als ein rassistisches Land bezeichneten oder zum Boykott aufgerufen hätten. (Seite 99)

Ja, und auch die Juden und die Israelis bezeichnen Ägypten nicht als ein solches, obgleich die ägyptische Regierung es zuläßt, daß ein ägyptisches Flugzeug die vier palästinensischen Terroristen, Entführer der Achille Lauro und Mörder des behinderten 69-jährigen amerikanischen Juden Leon Klinghoffer, im Rollstuhl, der Gerechtigkeit entzieht und nur durch ein F-14 Jagdflugzeug der USA daran gehindert wird: But when an Egyptian jet tried to fly the hijackers away from justice, U.S. Navy F-14 fighters intercepted the jet and forced it to land in Sicily. Es jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal, aber es ist Hamed Abdel-Samad nicht der Erinnerung wert, obgleich er zu der Zeit des Anschlags in Ägypten lebt. (23)

Insgesamt jedoch zeichnet die Berichterstattung über Juden aus, daß Hamed Abdel-Samad diesen grosso modo freundlich gesonnen ist. Das ist heuer schon bemerkenswert, und korankonform ist es erst recht nicht, eher waghalsig und Fatwa-verdächtig. Holocaustneid des Tariq Ramadan, Stilisierung des rassistisch motivierten Mordes an Marwa Al-Sherbini durch einen Rußlanddeutschen als Beweis für die der Judenverfolgung im Dritten Reich ähnlichen Verhältnisse im heutigen Deutschland kommentiert der Autor: Eine Muslimin ist in Deutschland umgebracht worden, jetzt fehlen uns nur noch 5 999 999 Opfer, um mit den Juden gleichgesetzt zu werden. Spaß verstehen Muslime nun gar nicht. (Seite 101)

In der Tat fühlt sich der Enkel des Hassan al-Banna „verunglimpft wie ein muslimischer Jude“. Der Spiegel, immerhin noch kein Blatt der islamischen Ummah, gibt ihm ein Forum, sich entsprechend zu artikulieren. (24)

Hamed Abdel-Samad berichtet über die frühe Zeit des Islam, als Mohammed in Mekka wohnt und nur einige Anhänger hat: Zu dieser Zeit, in Mekka, nannte er Juden und Christen Gläubige. Wie’s weitergeht, liest man auf den folgenden Seiten, von Halakhah (sogar in hebräischen Schriftzeichen – warum?) und Scharia (nicht in arabischen Schriftzeichen – warum nicht?), vom Reinheitswahn und davon, daß jüdische Stämme vertrieben oder ermordet werden: Medina, ehemals Yathrib, war frei von Juden. (Seiten 120f.) Judenfrei, würde man als Deutscher sagen. Dieser Ort ist judenfrei! (25)

So formuliert, könnte es im Leser Assoziationen auslösen, die dem Autor Stellungnahmen zu Parallelen des Islam mit der Nazi-Ideologie nahelegten. Vielleicht hätte er sich auch verpflichtet gefühlt, andere judenfreie Orte der islamischen Welt aufzuzählen. Mit dem Sturz der Khalifen und dem Aufkommen der Macht der Taifa, der Teilreiche, ab 1031, beginnen in Nordafrika 500 Jahre islamische Judenverfolgung. Granada ist schon im 11. Jahrhundert judenfrei: Granada, por ejemplo, queda casi vacía de judíos. (26)

Die anschließende Mohammed-Apologie läse sich wie purer Zynismus: Mit seinen Anhängern ging Mohammed aber nie wie ein Diktator um. Mohammed der Ratgeber in allen Lebenslagen: sie fragten ihn zu allen Belangen des Lebens. Mekka-Mohammed, Vaterfigur, ein Versuch, den Islam zu retten, einschließlich Vorschlag, Halakhah und Scharia zu verbinden, es heiße beides „der Weg“. (Seiten 120f.)

Was die Halacha angeht, so kommt der Begriff von lalêchet = gehen, Halacha ist tägliche Praxis, gelebtes Recht, der Weg, den man vorwärts geht, der Wandel, der Lebenswandel. (27)

Wikipedia gibt als Definition für Scharia: Die Schari’a, eingedeutscht Scharia (… im Sinne von ‚Weg zur Tränke‘, ‚deutlicher, gebahnter Weg‘; auch: ‚religiöses Gesetz‘, ‚Ritus‘; abgeleitet aus dem Verb schara’a … „den Weg weisen, vorschreiben (auch Gesetz)“) ist das religiös legitimierte, unabänderliche Gesetz des Islam. (28)

(13.) Er hat euch den Glauben verordnet, den er Noah vorschrieb, und was wir dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus vorschrieben: „Haltet den Glauben und trennet euch nicht in ihm.“ (29)

(48.) Und wir sandten hinab zu dir das Buch mit der Wahrheit, bestätigend, was ihm an Schriften vorausging, und Amen darüber sprechend. Drum richte zwischen ihnen nach dem, was Allah hinabsandte, und folge nicht ihren Gelüsten, (abweichend) von der Wahrheit, die zu dir gekommen. Jedem von euch gaben wir eine Norm und eine Heerstraße. (30)

Mit Halakhah und Scharia ist es wie mit Gott und Allah, sie haben nichts gemein.

Was die jüdischen Gesetze angeht, so ist die Voraussetzung des Décret Crémieux, vom 24. Oktober 1870, zur Integration der Juden Algeriens, etwa 37 000 Personen, als Bürger in die französische Nation eine Vertragsannahme, mit der die Juden ihr Einverständnis erklären, die rabbinischen Gesetze aufzugeben, die bis dahin ihr Familienleben regeln. (31)

Auch das ist das glatte Gegenteil von dem, was Muslime fordern und heute teilweise schon erhalten haben, nämlich die Aufweichung der Gesetze der Demokratie zugunsten der Einführung von Bestimmungen der Scharia.

Über den Nahostkonflikt verliert der Autor nicht viel Worte, er macht unter Muslimen und Juden Europas und der USA jeweils kompromißlose Haltungen aus: Während die Menschen vor Ort miteinander ringen und verhandeln, um praktische Lösungen zu finden, glauben in der Diaspora die wenigsten an den Dialog und die Möglichkeit vernünftiger Kompromisse. Sieht man einmal ab von den Menschen vor Ort und betrachtet die jüdischen und muslimischen Minderheiten in Europa und den USA, so möchte ich den Autor bitten, mir einen Bruchteil der Anzahl von Muslimen zu nennen, die wie Juden in Europa und den USA den Dialog und die Möglichkeit vernünftiger Kompromisse predigen, beschreien, behaupten, herbeiphantasieren, erzwingen wollen. Die MSM sind voll davon. Selbstverständlich definieren sie wie der Autor nicht, was unter „vernünftig“ zu verstehen ist, sondern vernünftig ist’s, wenn sie’s für vernünftig halten. Ausgerechnet Avi Primor fragt er, einen der Jews on demand, beliebt bei deutschen MSM, vom 12. November bis 2. Dezember 2010: Deutschlandradio (2x), Kulturkurier, NDR, Frankfurter Rundschau (2x), Hamburger Abendblatt (2x), Deutschlandfunk, Domradio, Nordbayern.de. (Seite 194f.) (32)

Soweit Anmerkungen zu Gott – Allah, Juden – Israel.

Weitere Indikatoren zur Einschätzung des Buches sind der Gebrauch der Begriffe „Islam“ und „Islamismus“. Bei Hamed Abdel-Samad gibt es beispielsweise radikale Islamisten, (Seite 74) die Machthaber haben die Kontrolle über die Ressourcen, die Islamisten über die Köpfe der Menschen, (Seite 133) in Not geratene Männlichkeit ist nicht nur der Ursprung der Unterdrückung der Frauen, sondern auch eines der Hauptmotive hinter dem militanten Islamismus. (Seite 160) Islam ist Islam, mögen die Muslime in aller Welt lehren, immer wieder gibt es Menschen, die es besser zu wissen meinen. Im dritten Beispiel verwechselt der Autor noch dazu Ursache und Wirkung: Militanter Islam bedarf zur Führung der Glaubenskriege auf allen Ebenen in Not geratener Männlichkeit und unterdrückter Frauen. Es müßte also heißen: Hauptmotiv hinter der in Not versetzten Männlichkeit und Ursprung der Unterdrückung der Frauen ist der militante Islam. Die Sittengesetze werden so gestaltet, daß die Männer jederzeit abrufbar und einsatzfähig sind für den Glaubenskrieg, für Morden, Brennen, Vergewaltigen. In Harmonie mit gleichberechtigter Partnerin und Kindern zu leben, oder gar mit einem Partner, reduziert die Schlagkraft der Glaubenskrieger. Man kann es an den Janitscharenheeren sehen. Männerbünde, benebelt von Scharlatanen wie dem Hadji Bektasch Veli sind die geeigneten Kampftruppen für Eroberungen. Über die Bektaschis kann man in meinem Artikel Aleviten im Internet nachlesen. (33)

Auf den Einwand muslimischer Eiferer, daß in den westlichen Ländern nur Scharia light, also ohne Steinigung und Händeabhacken, im Westen implementiert werden soll, um die familiären Konflikte untereinander islamisch zu regeln, erwidert der Autor: Die Geisteshaltung, die die westlichen Zivilgesetze in dieser Hinsicht als mangelhaft betrachtet, ist weitaus gefährlicher als die bloße Einführung der Scharia-Gesetze. Deshalb ist nicht Scharia light, sondern Islam light, ohne Scharia und Djihad in meinen Augen die einzige Lösung. (Seite 187f.)

„Islam light„, was sollte das sein? Islam ohne Scharia und ohne Machterweiterung durch Glaubenskrieg führt zum Ende des Islam. Interessant auch, daß der Autor hier ein englisches Wort benutzt, er flüchtet aus der deutschen Sprache. Ich habe die Folgen für den Begriff Holocaust dargelegt. (34)

Der Leser wähle: Islam leicht, Islam schwach, Islam geringfügig, Islam nicht wichtig, Islam unbeschwert, Islam hell, Islam luftig, Islam licht, Islam blond, Islam light [als Aufschrift auf der Verpackung], Islam gelinde, Islam leicht [als Schriftart]. (35)

Islam blond, das wäre was für Tariq Ramadan und seine Konvertitenfibel To be a European Muslim, Islam schwach, da freut sich der Islamkritiker. (36)

Von diesen wird das Buch wahrscheinlich zunächst positiv aufgenommen, weil es schon im Titel das Ende des Islams voraussagt, wobei das Datum selbstverständlich offen bleiben muß. Die Nachricht an den Vater des Autors: „Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert“, (Seite 5) muß diesen aber nicht schockieren, incha’lah, denn liest er das Buch seines Sohnes genau, so findet er dort ausgeführt, daß eine solche Konversion vom Islam zum Wissen nicht möglich ist, nicht einmal eine Vereinigung des Glaubens mit mit Philosophie und Naturwissenschaften, wie sie der von Muslimen verfolgte Arzt und Philosoph Rabbi Moshe ben Maimon, der Rambam oder auch Maimonides aus Córdoba (1138-1204) in seinem Leben und Werk vollzieht. (37)

Man sollte sich nicht täuschen lassen, Hamed Abdel-Samad zeigt auf 234 Seiten, zwei Seiten Angaben zu Weiterführender Literatur inbegriffen, daß er sich als moderner Imam verdingen könnte. Das merkt man nicht gleich, denn geboten werden spannende Anekdoten über die Zustände in der islamischen Gemeinschaft, mit einer Fülle von Material, das einen zunächst auf die falsche Fährte lockt.

Ich lese aus dem Buch nicht heraus, daß er den Islam abschaffen will, sondern daß er befürchtet, daß sich die islamischen Gesellschaften selbst abschaffen. Sein Buch sehe ich als Beitrag zur Rettung des Islam. Kein Mensch traut sich zu fragen, wozu wir den Koran heute brauchen. Der Koran ist sein Buch, das er als Junge auswendig lernen muß. Er erwartet Fragen – und die Antwort, daß der Koran heute nötiger ist denn je, und daß der Islam als Religion bestehen kann: Alle Fragen der Reform beginnen beim Koran und zerbrechen am Ende an diesem erratischen Block der islamischen Kultur. (Seite 21) Er scheint sich nach dem Wiederaufleben der Mutazila zu sehnen. (Seite 87) Die aber haben die islamischen Herrscher und ihre Imame nicht umsonst vernichtet. Islam und Vernunft sind anders als Judentum und Vernunft sowie Christentum und Vernunft nicht kompatibel, der Islam würde zerfallen, und zwar nicht nur als politischer Machtfaktor, sondern insgesamt. Islam im stillen Kämmerlein gibt’s nicht. Wenn der Islam nicht mehr außengerichtet und eroberungsdefiniert ist, dann ist er am Ende. (38)

Hamed Abdel-Samad ist sehr mutig, die Drohungen von radikalen Muslimen sind bereits zu seinem ersten Buch eingetroffen. Unter Polizeischutz hat er auch schon gestanden. Ich attestiere dem Autor Gutwilligkeit bei allem, was er von sich gibt, aber es zeigt sich mir hier eines der Beispiele, was der Islam aus noch so intelligenten Menschen macht, wenn sie sich nicht vollständig von ihm lösen (können).

Ich bin sehr froh über den Einblick, den Hamed Abdel-Samad gewährt, er belegt, daß es keinen moderaten Islam, keinen moderaten Muslim geben kann, man ist entweder Muslim oder nicht. Wenn man ein Bild wählen sollte: Ein Muslim ist von Geburt an Muslim in allen persönlichen und gesellschaftlichen Bereichen. Er kann in Einzelfragen, für eine begrenzte Zeit und gegen die islamische Lehre selektiv sein Muslimsein außer Kraft setzen. Was die Juden angeht, beispielsweise, ist er kein Muslim, wenn es sich um bestimmte Juden handelt, z.B. Henryk M. Broder, oder um Judenverfolgungen und Holocaust zur Nazi-Zeit. Ansonsten werden die Juden ausgeblendet, z.B. Djerba und Achille Lauro, vom Nahostkonflikt nicht zu reden.

Die islamischen Staaten werden zerfallen, der Islam wird als politische und gesellschaftliche Idee, er wird als Kultur untergehen, prognostiziert der Autor. Was diese Prognose angeht, so meint Rezensent Walter Laqueur: Damit beweist der Sohn eines Imams zwar Mut. Aber gegen seine Voraussage sprechen viele Beobachtungen aus der Gegenwart. Er zählt einige bedenkenswerte auf, und weist darauf hin, daß der Islam durchaus nicht zum Untergang verurteilt ist, er sich nicht von selbst erledigt. (39)

Das geschlossene totalitäre System Islam wird von vielen Faktoren am Leben erhalten, einen hat Walter Laqueur nicht erwähnt, und das sind Politik und MSM der europäischen Staaten und der USA. Hamed Abdel-Samad nennt einige Namen und Medien. (Seiten 49, 64, 93, 165, 191, 196, 203f.) (40)

Es gibt auf der Welt zwei Arten von Verteidigern des Islam, die Ahnungslosen und die Profiteure. Die Ahnungslosen bilden die Mehrheit in den islamischen Staaten, die Profiteure im Westen, vom kratzbuckelnden US-Präsidenten Barack Obama bis zu Wissenschaftlern und Journalisten mit goldgedruckten Einladungen ins Fünfsternehotel in Doha. Den Autor würde ich trotz seiner intellektuellen Fähigkeiten zu den Ahnungslosen rechnen. Er scheint nicht zu ahnen, wie durch&durch muslimisch er ist.

Seinem Buch gebe ich fünf Sterne: *****


Hamed Abdel-Samad. Der Untergang der islamischen Welt.

Droemer/Knaur, September 2010

http://tinyurl.com/23puobm

 

6. Dezember 2010

Hamed Abdel-Samad: Integration. Ein Protokoll des Scheiterns. Droemer/Knaur, 10. April 2018

https://www.droemer-knaur.de/buch/9558029/integration

Quellen

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FATIH SULTAN MEHMET VAKIF UNIVERSITY. ALLIANCE OF CIVILIZATION INSTITUTE

M.A Course History Of Comparative Thought. Presentation Paper

„A comparison of the historical worldviews of Oswald Spengler and Ibn Khaldun“

By Hossein Turner. M.A., 1st semester 2015

http://www.academia.edu/23027967/_A_comparison_of_the_historical_worldviews_of_Oswald_Spengler_and_Ibn_Khaldun_

(2) Vor Gutenberg (1400 – 1468). Johannes Gutenberg Mainz

http://gutenberg.de/erfindung/vor_gutenberg.php


Kharazm Koja (died 840), a Persian / Uzbek from Kharazm

WHERE ALGEBRA GOT ITS NAME FROM
http://www.1001inventions.com/algebra

Streit um den Kompass Italiener oder doch Chinesen als Erfinder? scinexx
http://www.scinexx.de/dossier-detail-411-7.html

Europe´s debt to Islam given a skeptical look. By John Vinocur,
The New York Times, April 28, 2008
http://tinyurl.com/r4hvy8

Robert Kaplan: Die Geschichte der Null, Campus Verlag 2000, Perlentaucher

http://www.perlentaucher.de/buch/1369.html

Geschichte der Mathematik: Zeittafeln Algebra, Geometrie, Analysis. mathematik.ch

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https://www.polemia.com/aristote-au-mont-saint-michel-les-racines-grecques-de-leurope-chretienne-de-sylvain-gouguenheim/

Sylvain Gouguenheim: Der Historiker zum Abschießen. 21. Juli 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-07-21_21-37-20.html

Sylvain Gouguenheim wird in der „Libération“ und der „Welt“ vorgeführt.
9. Mai 2008
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(4) Rekindling an Ancient Rage. By Andrew G. Bostom. FrontPageMagazine.com, September 22, 2006

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Islamic State Warns Christians: Convert, Pay Tax, Leave Or Die. By Kelly Phillips Erb, Forbes, July19, 2014

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(5) Hans-Peter Raddatz: Von Gott zu Allah? Christentum und Islam in der liberalen Fortschrittsgesellschaft. Herbig Verlag München, Mai 2001
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(11) In der Sure 3 Al-Imran wird das Leben von Maria und Jesus konrangemäß verfälscht, sie ist im Islam die Tochter ´Imrans, des biblischen Amram, die Schwester von Moses und Aaron. Der Familie des ´Imran widmet der Koran eine eigene Sure mit 200 Versen, und auf Maryam, die Tochter des ´Imran, kommen in Sure 19 immerhin 98 Verse, die den Christen die Konversion schmackhaft machen sollten.

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Un message musulman de remerciement et de vœux de Noël et de Bonne Année. Décembre 2007
Une pleine page dans Le Figaro pour les vœux des leaders de l’islamisme mondial…aux chrétiens

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„In seiner (des Tals = Ebene Jesreel) ganzen Ausdehnung gibt es kein einziges Dorf – dreißig Meilen in jeder beliebigen Richtung auch nicht. Es gibt nur zwei oder drei kleine Grüppchen Beduinenzelte, aber keine einzige beständige Siedlung. Man kann in dieser Gegend zehn Meilen weit reiten, ohne zehn menschlichen Wesen zu begegnen.“ (26 Josh McDowell die Bibel im Test“ Seite 462 : Mark Twain: ‚Die Arglosen im Ausland’)

Mark Twain: Chapter 56. Innocents Abroad. 1869
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https://www.talmud.de/tlmd/leben-und-werk-des-mosche-ben-maimon-maimonides/

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http://tinyurl.com/2c9mbjz

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28. Januar 2006
http://www.eussner.net/fundsachen_2006-01-28_13-30-27.html

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