Bildungs-, Wissenschafts- und Sittenverfall

Hartmut Krauss

https://www.facebook.com/profile.php?id=100017572484031

Bildungs-, Wissenschafts- und Sittenverfall.

Schlaglichter

Berichtet wurde, dass ein reaktionärer “Studierendenmob“  unter der modischen Hetzvokabel „antimuslimischer Rassismus“ gegen eine das reale Ausmaß islamischer Herrschaftskultur eher verharmlosende „Kopftuchkonferenz“ an der Frankfurter Universität zu Felde zog, ohne anscheinend für dieses demagogische Vorgehen unter Exmatrikulationsdruck gestellt zu werden.

Dabei handelt es sich hier offenkundig nur um eine besonders abstoßende Schaumkrone des allgemeinen Bildung-  und Wissenschaftsverfalls, wie er schon seit Jahren im Zuge der Ausbreitung des postmodernen Zeitgeistes  den globalkapitalistischen „Überbau“ vergiftet.

 

Dazu folgende Schlaglichter:

Studierfähigkeit. Da läuft etwas ganz schief

(…) Das Abitur befähigt inzwischen nicht mehr zum Beginn eines Grundstudiums. Mittlerweile fließen riesige Geldsummen aus dem Ministerium an die Universitäten, weil viele Abiturienten nicht mehr studierfähig sind. Was die Kultusminister an verkürzter Schulzeit einsparen, geben die Wissenschaftsminister für Brückenkurse wieder aus. Dieser Befund zeigt sich auch, wenn man Klausuren, Power Point-Präsentationen und Hausarbeiten, die Orthographie und die Interpunktion anschaut: Kommaregeln werden so gut wie gar nicht systematisch angewandt; Rechtschreibfehler betreffen inzwischen die unsicher gewordene Groß- und Kleinschreibung. Etwa 80 Prozent der Klausuren weisen ein unregelmäßiges, oft nur schwer lesbares Schriftbild auf. Ich habe Seminararbeiten zu korrigieren, die bei zehn Seiten Umfang bis zu 100 Fehler aufweisen. (…)

(…) Hingegen fällt die eigenständige Erschließung von Theorien aus einfachen wissenschaftlichen Texten (zum Beispiel Karl Popper) mehrheitlich schwer; die Erschließung von Thesen aus historischen oder syntaktisch komplexen Texten (Humboldt, Hegel, aber auch Comenius) bedarf erheblicher Unterstützung. (…)

(…) Die Studierenden sind mehrheitlich kognitiv kaum zu Abstraktionen fähig, und daher zum Transfer fast gar nicht. Aussagen antiker Autoren (Aristoteles) in zeitgemäßen Sprachgebrauch zu transferieren, scheitert weniger an lückenhaften historischen Kenntnissen als an der mangelnden Transferfähigkeit. Analysen sind so vage wie die folgende: „Comenius sagt, dass Schule gut für den Menschen sei.“ Synthesen können nur mechanistisch (das heißt additiv, keinesfalls gewichtet) erstellt werden. Urteile werden linear (keinesfalls multiperspektivisch) gefällt.

(…)wie überhaupt eine geringe Frustrationstoleranz zu beobachten ist: Kritik ja, aber behutsam und mit positiven Signalen. Zum ersten Mal in meiner 30jährigen Lehrerfahrung an der Universität wird von Studierenden berichtet, die nach einer (sachlichen) Kritik von einigen Inhalten eines (Gruppen-)Referates in Tränen ausbrachen. (…) (…)Es scheint, als wenn Lernen als „narzisstische Kränkung“ erfahren wird: In – stets freundlichen – Evaluationsgesprächen bekannten Studierende, sachbezogene Korrekturvorschläge für ihr anstehendes Referat durch studentische Hilfskräfte als „Demütigung“ empfunden zu haben, als eine „traumatische Erfahrung“. (…) (…)Auf Grund der kognitiven Entwicklung scheinen die Studierenden in den Anfangssemestern mehrheitlich nicht in der Lage, komplexe, antinomische und multikausale Prozesse, wie sie heute in allen Wissenschaften üblicherweise beschrieben werden, angemessen aufzunehmen und Vorgänge streng aspektgebunden oder multiperspektivisch zu betrachten. (…)

https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/da-laeuft-etwas-ganz-schief-894/

Darunter zeigt sich folgendes Bild:

Analphabetismus: Millionen Deutsche können nicht lesen und schreiben

(…)6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht richtig auf Deutsch lesen und schreiben. Für mehr als die Hälfte von ihnen ist Deutsch die Muttersprache. Das geht aus einer vom Bundesbildungsministerium geförderten Studie hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und am Dienstag vorgestellt wird. Insgesamt verfügten 2018 demnach 7,3 Prozent aller Erwachsenen mit Deutsch als erster Sprache nur über geringe Lese- und Schreibfähigkeiten.

Das Lesen deutscher Texte stelle vor allem für Migranten und Migrantinnen eine Schwierigkeit dar. 47,4 Prozent der Menschen, die nicht Deutsch lesen können, haben einen Migrationshintergrund und als erstes eine andere Sprache gelernt als Deutsch (…)

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-05/analphabetismus-deutschland-lesen-schreiben-studie

Und die Refugees, die demnächst diese Statistik aufrunden werden:  Mehr als die Hälfte (88.867), nämlich 51, 5 % der 172.471 Sprachkursteilnehmer verfehlten 2018 das erforderliche Kenntnisniveau B1.

+++

Kommentar T. D.:

Ich habe hautnah mit einer Studentin zu tun, die an der Beuth-Hochschule Berlin Biotechnologie studiert. sie hat den Bachelor erreicht und geht jetzt zum Master.

Ich kann nur sagen – nicht bezogen auf die Studentin, die wirklich gut unterwegs ist – das System an der Hochschule ist derartig verschult, dass Dinge wie wissenschaftliche Analyse, Textanalysen, philosophisches Denken nicht mehr gelehrt bzw. auch nicht gefragt sind.

Es geht nur um unreflektiertes Aneignen von mehr oder weniger oberflächlichem Faktenwissen, das bis zur nächsten Klausur behalten wird.

Es ist eine Katastrophe. Und dann gehen Abiturienten auf die Straße, weil die (Mathe)Aufgaben – die vor Jahren Gegenstand von Prüfungen zur Mittleren Reife waren – als zu schwer empfunden werden.

Diese Vorgänge sehe ich – jetzt werde ich mal polemisch – als eine verdeckte Islamisierung an. Die Migranten sollen ja alle Abitur haben. (Aussage des Berliner Senats: Jeder Türke soll Abitur haben). Da sie aber den althergebrachten Anforderungen nicht gewachsen sind, werden die Studienbedingungen drastisch abgesenkt. Wir sollen mit Gewalt auf das wissenschaftliche Niveau der mohammedanischen Länder gebracht werden. Ach ja: wir schaffen das.

DAS meinte die Merkel mit ihrem Satz.

Mir tun die Studenten leid, die noch einen wissenschaftlichen Anspruch an das Studium haben und bei diesem System hinten runterfallen. Armes Deutschland. Mir hat studieren noch Spaß gemacht……

Hierzu Kommentar von H. K. :

Schon laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft unter 1.435 Hochschullehrern aus dem Jahr 2001 war ein Drittel der Studienanfänger nach dem Dafürhalten der Dozenten nicht studierfähig. Den Neustudenten wurden insbesondere ein Mangel an Denkvermögen und eine schlechte Beherrschung der Muttersprache angelastet, während man ihnen ein besseres Zurechtkommen mit Computer und Internet bescheinigte. Die befragten Hochschullehrer beklagten, dass die Schule den Studienanfängern nicht das nötige Rüstzeug vermittelt hätte, insbesondere hinsichtlich analytischem Können, Abstraktionsvermögen, Kreativität und Sprachvermögen. Das Zeug zu einem guten Studenten wurde dem Bericht zufolge nur 24,5% der Neulinge zugeschrieben, mittelmäßige Fähigkeiten 41 Prozent[16].

Bei einem Grammatiktest unter Anfängern des Germanistikstudiums in Bayern (Lehramt für Realschule und Gymnasium), der an allen Landesuniversitäten Anfang des Wintersemesters 2006/2007 durchgeführt wurde, ergab sich, dass mehr als zwei Drittel der Getesteten nicht den Kenntnisstand von Fünft- und Sechstklässlern erreichten[17].

Angesichts eines eklatanten Widerspruchs zwischen guten Abiturnoten einerseits[18] und gravierenden Kompetenzmängeln von Studienanfängern in geisteswissenschaftlichen Fächern andererseits[19] wurde seitens des Vorsitzenden des Philosophischen Fakultätentages, Professor Gerhard Wolf (Altphilologe), eine Umfrage unter über hundert Dozenten aus den Bereichen Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften durchgeführt. Das Ergebnis dieser Studie war so niederschmetternd bis desaströs, dass die Details nicht komplett veröffentlicht wurden. Dennoch wurde in mehreren Interviews und in Auszügen Folgendes offenbart: Aufgrund gravierender Defizite in den Bereichen Sprach-, Lese- und Schreibkompetenz erscheinen in Geistes- und Kulturwissenschaften „Studierende, die kaum einen syntaktisch und grammatisch stabilen Satz produzieren können.“ Da der aktive Wortschatz auf wenige hundert Ausdrücke schrumpft, die penetrant wiederholt werden, ist „Verstehendes Lesen (…) eine Kunst, die kaum eine/r unserer Erstsemester beherrscht.“ „Das Wagnis, ein komplexeres Satzgefüge zu bilden, endet regelmäßig in peinlichen Niederlagen.“ „Eine wachsende Gruppe von Studierenden ist den Anforderungen des von Ihnen gewählten Studiengangs intellektuell nicht gewachsen.“ „Die mangelnde Studierfähigkeit zeigt sich vor allem in der stark unterentwickelten Fähigkeit, kompetent und souverän mit der (deutschen) Sprache umzugehen.“ [20] U.s.w.

Grundsätzlich bestätigen diese Befunde die kritischen Einschätzungen zu den Auswirkungen der digitalen Mediennutzung: „Die Studenten kommunizieren auf eine Art, die dem sorgfältigen Lesen und Schreiben im Wege steht. Damit meine ich vor allem Kurznachrichten per SMS und Twitter. Die können sich kaum noch längere Zeit auf eine Sache konzentrieren. Ihr Manko ist ihnen zwar bewusst, trotzdem scheint sie unser Anspruch an Sorgfalt zu nerven.“ (ebd.) Die Texte der studierenden Digital Natives, so auch der Philosophieprofessor Gernot Böhme von der TU-Darmstadt, „entbehrten oftmals jeglicher Argumentation und Interpretation, sondern seien nur noch ‚Flickenteppiche von Zitaten und aphoristischen Überlegungen‘. Abgespeicherte Daten würden zwar abgerufen, aber in keinen wirklichen Sinnzusammenhang mehr gebracht.“[21]

Aber auch in den naturwissenschaftlichen Fächern scheint es nicht besser auszusehen: „Ingenieurstudenten können nicht mehr ohne Taschenrechner rechnen, Architekten können nicht mehr zeichnen, Mediziner können keinen Arztbericht mehr formulieren.“

Um die Diskrepanz zwischen schulisch/gymnasial vermitteltem Lernniveau und universitärem Anforderungsniveau zu mildern bzw. Defizite auszugleichen, werden an manchen Hochschulorten Brückenkurse in den Fachbereichen Mathematik und Physik angeboten. Nach Einschätzung von Osnabrücker Dozenten dieser Brückenkurse besteht das Hauptproblem darin, dass immer mehr Studenten nicht auf das vorbereitet sind, was sie erwartet. „Erstsemester rechnen nicht damit, dass das Studium mit großem Lernaufwand verbunden ist.“ Auf Warnungen im Vorkurs reagierten die Abiturienten folgendermaßen: „Dann folgt häufig ein müdes Lächeln. Viele wollen das nicht glauben Der Schock kommt im ersten Semester.“ Aufgrund des ungewohnt höheren Lerntempos im Vergleich zur Schule kapitulieren dann viele: „Bis zum dritten Semester bleiben nur noch rund zwei Drittel der Physikstudenten übrig. Brenner sagt sogar, nach seiner Einführungsvorlesung mache nur etwa jeder zweite Mathematikstudent weiter[22].“

Der Bildungsbericht 2014 (S. 132) stellt fest, dass der Studienabbruch in Bachelorstudiengängen insgesamt relativ hoch bei 28% liegt. In den universitären Ingenieurstudiengängen sowie in der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften liegt die Abbruchquote bei 36%.

https://hintergrund-verlag.de/spaetkapitalistische-systementwicklung/bildungsverfall-als-ausdruck-soziokultureller-krisenentwicklung/

+++

Dazu eine kurze Anekdorte meinerseits (von T. P.):

Letztes Jahr zog ich wieder zurück ins Münsterland. Studienbedingt wechselte ich von der Uni Essen an die Uni Münster.

Ich hatte mich bei der Fachschaft persönlich vorgestellt, noch bevor das Semester begann.

Texte auf den Websites und Printausgaben der Fachschaften werden in ihrer Art und Gestaltung alleine von den Fachschaften bestimmt.

Eine eher postmodern-links besetzte Mathe-Fachschaft, wie die der Uni MS gendert entsprechend was das Zeug hält. Gender-Sternchen überall, wo das Auge hinblickt. Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass einige der Studenten der Fachschaft, die das wohl so ähnlich wie ich, nur als einen schlechten Witz ansehen, eine der Rundmails mit zusätzlichen Sternchen verschönert haben, um das Ganze wohl zu verballhornen. Ein Textausschnitt aus dieser Rundmail sah dann in etwa so aus: „*Am Tag X unternehmen die Faschschaftler*innen eine *Exkursion* nach Ort X**.“ So in etwa sah der Text aus, danach kam nie wieder eine derartige Email, vermutlich wurden die Studenten, die das verbrochen haben danach gendergerecht diszipliniert.

Nun jedenfalls, wie ich oben andeutete, stellte ich mich dort vor. Ich sprach die Fachschaftler an, was das denn solle mit den Sternchen? Kurz um, ich habe mich quasi absichtlich unwissend und wollte, testen, was dann für eine Antwort käme.

Die erste Antwort war schon sehr patzig, so als ob ich etwas verbrochen hätte, nur weil ich nachhakte. Die Antwort kam in Form einer Gegenfrage zurück: „Welche Sternchen?!!“ Ich erklärte, was ich meinte. Daraufhin, noch patziger und richtiggehend unfreundlich: „Das nennt man Gendern, weißt du etwa nicht, was das ist!? Das soll Frauen und Männer gleichermaßen abbilden.“ Daraufhin wandt ich ein, dass das sprachliche Abbilden von Männnern und Frauen bereits durch das binnen-I versucht wurde zu lösen – insofern noch immer die Frage offen sei, was explizit das Sternchen bedeute. Mit einer Mischung aus Scham und Wut kam dann: „Das soll die Abbilden, die sich als was anderes fühlen.“ Daraufhin meinte ich nur noch „Acha. Naja, also ich halte das persönlich für unleserlich und unsinnig.“ Daraufhin meinte der andere sehr fordernd: „Daran gewöhnt man sich.“ Ich wusste natürlich in dem Moment, dass eine weitere Diskussion zu nichts führen wird und verließ anschließend die Runde.

Bis heute werde ich von den 3-4 Personen, die in der Fachschaft waren an dem Tag, mit geradezu hasserfüllten Blicken, wenn ich diese irgendwo in den Gängen sehe, „getötet“, dabei habe ich lediglich ein paar Fragen gestellt, und noch nicht mal das übliche deutlich heftigere Gender-Bashing betrieben.

So viel zum Thema Aushalten von Kritik und Toleranz und der Vielfalt an den Unis, nur nicht der Vielfalt des Denkens und der Meinungen. 

+++