Der Name des Außenseiters des politischen Machtkartells

Ein Podcast über „Populismus“

Die zarten Seelen freier Bürger

https://blogs.faz.net/essay/2019/05/20/die-zarten-seelen-freier-buerger-3725/

Kommentar Michael Mansion

Da war sie wieder, die alte FAZ von früher, mit ihren schönen Redewendungen, Zitaten, Anmerkungen und weisen Verbindlichkeiten. Das ist der alte/neue Charme der Bourgeoisie im aufgebügelten Gewande und der geleitet uns von Platon über Heidegger zu Carl Schmitt bis in die „irrationale Unterscheidung von Männlich und Weiblich“ und wir verharren
in Habachtstellung und holen tief Luft.

Der Populismus ist also ein neues Phänomen, weshalb schon verwundert, weshalb er in der Antike gelobt wurde, was daran gelegen haben mag, dass man die Klugheit der Populisten in der Antike nicht an jeder Straßenecke verortete. Jetzt haben wir sie en masse, was die alten Griechen nie für möglich gehalten hätten. Und weil wir nun mal keine alten Griechen sind, sollen
wir sie nach Kräften bekämpfen, weil der zwar auch alte, jedoch nicht griechische Jürgen Habermas in ihnen und der AfD die Wegbereiter des Faschismus wittert.

Wir sind – was wir noch nicht gemerkt haben – von universeller Vernunft umgeben, welche uns verbieten muss, einen (populistischen) Gegensatz von  Volk und Eliten zu konstruieren, ist das doch der Nährboden für den „antipluralistischen Populismus“, der die moralischen Schaltstellen
besetzt und eigentlich für nichts eine (wirkliche) Erklärung hat und sich somit der „universellen Vernunft“ widersetzt.

Als intellektuelle Erklärung à la FAZ reicht das natürlich nicht, weshalb der Autor zwar nicht wagt, Carl Schmitt zum Nazi zu machen, denn das wäre viel zu platt, aber doch wenigstens zum Latent-Nazi, denn wir erfahren, dass auch Schmitt schon ein Populist und damit (Habermas) ein
Wegbereiter des Faschismus war.

Kelsen vs. Schmitt und wir lernen, dass man Kompromisse bewahren muss, obwohl doch jede Philosophie angeblich endlich ist, was wiederum zur Folge hat, dass man zwar das Kompromisshafte zu bewahren hätte, nicht jedoch den temporär angelegten Kompromiss selbst.

Wessen Populismus denn zur Tyrannei führt, wenn Einigkeit darüber bestehen sollte, dass es unterschiedliche Formen davon gibt, wird eher nur dahingehend beantwortet, dass es nur einen Populismus geben kann, der in seiner unverantwortlichen Vereinfachung rationale Entscheidungen (damit sind wohl die alternativlosen gemeint) kritisiert und dadurch an
seinem eigenen Untergang arbeitet. Das haben wir schon befürchtet, weil man durch das Aufzeigen von durchaus vernünftigen Alternativen schon mal seinen Arbeitsplatz
verliert oder erst garnicht bekommt.

Es bleibt auch ein wenig im Dunkeln, welcher politische Typus nicht mehr erwünscht ist, denn warum sollte die herrschende politische Klasse ihre Kritiker für wünschenswert halten. Dies würde von großer Weisheit zeugen und wäre damit extrem verunsichernd.

Damit wären wir wieder bei der irrationalen Unterscheidung von Männlich und Weiblich und damit zugleich an einem Punkt, uns selbst kritisch zu hinterfragen, ob wir auch dieses gesellschaftliche Phänomen stets als genetisch präformiert missverstanden und einfach hingenommen haben. Können wir sicher sein, nicht Wesentliches übersehen und daraus falsche
Schlüsse gezogen zu haben? Der Blick zwischen die eigenen Beine mag bequem (nicht immer!), aber nicht unbedingt zukunftsweisend sein, unterstellt doch das Ergebnis einen Populismus gestriger Zweigeschlechtlichkeit, die sich der multipolaren Gesellschaftlichkeit verweigert.

+++