Medienspiegel

Die französische Revolution, der postmoderne Aufklärungsverrat und die Kumpanei mit dem Islam als letale Alterskrankheit des westlichen Kapitalismus

Hartmut Krauss

Eine kurze Bemerkung zu einem Irrenhaus mit anscheinend unheilbar kranken Selbstzerstörern

„Frankreich war das Kernland des revolutionären Übergangs von der mittelalterlich-feudalen Vormoderne zur neuzeitlichen Moderne. Im Rahmen der französischen Revolution fand die nachhaltigste und paradigmatische Entmachtung des Adels sowie die Durchbrechung der absoluten Deutungs-und Normierungsmacht der christlich-religiösen Herrschaftsinstanzen statt. Voraussetzung für diesen herausragenden Umwälzungsprozess war nicht zuletzt das Ideengut der Aufklärung, das sich ebenfalls primär in Frankreich entfaltete und verbreitete.

Als wesentliche Faktoren dieses Umbruchprozesses und zugleich als zentrale Konstitutionsmomente der kulturellen Moderne sind folgende Aspekte anzuführen:

1) Attackiert wird das dem christlichen Theozentrismus innewohnende Dogma vom „erbsündigen“, zur eigenen Befreiung unfähigen, auf Gedeih und Verderb der göttlichen Erlösung ausgelieferten Menschen. Demgegenüber wird die Schöpferkraft, Selbstverantwortung und Würde des Menschen (als Gattung und Individuum), also seine vernunftvermittelte Subjektivität, hervorgekehrt. Im Kern wird damit die Wiederaneignung der auf Gott projizierten menschlichen Wesenskräfte postuliert; folgerichtig rückt der Homo faber in den Mittelpunkt des Weltgeschehens.

2) Im Zuge der geistigen Auseinandersetzungen zwischen feudaler Reaktion und antifeudaler Befreiungsbewegung kommt es sukzessive zur Entkoppelung von Glauben und Wissen nicht nur als Basis für die Entstehung der modernen Wissenschaften, sondern zugleich als Voraussetzung für Säkularisierung (Verweltlichung von gesellschafts- und selbstbezogenen Denk- und Handlungsformen) und institutioneller Trennung von Religion und Politik.

3) Wesentlicher Bestandteil der antifeudalen Befreiungsbewegung ist die Idee und spätere revolutionäre Proklamation der Menschenrechte sowie das Konzept der bürgerlichen Freiheiten als natürliche Individualrechte. Hervorzuheben ist hier auch das Prinzip der Rechtsbindung der Regierung und der staatlichen Apparate eingedenk der gemachten Erfahrungen mit feudaler Despotie und Willkürherrschaft. Die realhistorische Aufbietung von kämpferischer, „praktisch-kritischer“ Energie für die Durchsetzung dieser ‚demokratischen‘/emanzipatorischen Ideen wäre letztlich undenkbar gewesen ohne die vorgängige geistige ‚Aufsprengung‘ des theozentrischen Weltbildes bzw. der „Entgöttlichung“ des Mensch-Welt-Bezuges.

4) Ein zentraler Umwälzungsaspekt des Aufklärungsdenkens ist die Idee des freien Individuums. Nach dieser Auffassung verfügen die individuell-konkreten Menschen als ‚Gattungsindividuen‘ unabhängig von ihren jeweiligen sozialen und kulturellen Einbettungen über das artspezifische Vermögen, sich ihres „Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ (Kant). Im Lichte dieser ‚allgemeinmenschlichen‘ Fähigkeit zur Mündigkeit (d.h. Tradiertes kritisch zu reflektieren) werden die überlieferten Gemeinschaftsformen (Sippe, Stamm, Kaste, Stand, Religionszugehörigkeit etc.) nicht mehr als zwangsdeterministische Gebilde aufgefasst, die den Menschen eine unwandelbare und nichttranszendierbare Identität auferlegen. Dem individuellen Subjekt wird vielmehr die Kompetenz und das Recht zuerkannt, sich vom Tradierten (Althergebrachten, Gewohntem) zu distanzieren, die unmittelbar-zufälligen sozialen Bindungen, Standesgrenzen und Glaubenszugehörigkeiten zu überschreiten und seine Identität – im Rahmen des konkret-historisch limitierten Raumes alternativer Wahlmöglichkeiten – ‚frei‘ zu gestalten.

5) Die Idee des freien Individuums setzt wiederum die Vorstellung einer einzigen Menschheit voraus. Zwar unterscheiden sich demnach die konkret-empirischen Individuen in ihrer personalen Einzigartigkeit, ihren soziokulturellen Bezügen, reproduktiven Besonderheiten, spezifischen Lebensführungspraxen etc., aber sie sind zugleich vereint in gemeinsamen Dispositionen, Bedürfnissen, Fähigkeitsstrukturen und Interessen. Folglich gibt es nicht nur Besonderes, Einzelnes und Differentes im zwischenmenschlichen und interkulturellen Verkehr, sondern gleichzeitig immer auch Allgemeines, ‚Übergreifendes‘ und Gemeinsames als Basis reziproker Kooperation, Verständigung und Perspektivenverschränkung. Nur weil ein bedeutungshaftes ‚gemeinsames Drittes‘ in Gestalt von intersubjektiv geteilten Erkenntnissen, Werturteilen, Normen, Erfahrungen etc. existiert, kann zivilisiertes menschlich-interkulturelles Zusammenleben als tätige Begegnung von Gleichberechtigten gedeihen.“ (…)

http://www.gam-online.de/text-Islamismus%20und%20Kollaboration.html