„Die meiste Lügenpropaganda stammt aus dem Inland.

Mail an eine Fr. Neudert aufgrund eines Spiegel Interviews.

Sie ist beim Oxford Internet Institute damit beschäftigt,

die Verbreitung von Fake-News zu untersuchen.

 

Sehr geehrte Fr. Neudert,

ich konnte leider keinen direkten e-mail-Zugang zu Ihnen ausfindig machen und versuche es über diesen Umweg.
Im „Spiegel“ Nr. 21, vom 18.05.19 gab es ein Interview mit Ihnen mit dem Titel: „Die meiste Lügenpropaganda stammt aus dem Inland“.
Der Hintergrund hierfür muss wohl im Zusammenhang mit den Europa-Wahlen gesehen werden, weil sich ein nicht unbedeutender Teil der politischen Klasse vor allem auch in Deutschland einem Protestpotenzial konfrontiert sieht, welches sich der offiziellen Zielsetzung widersetzt.
Verständlicherweise wird deshalb alles versucht, dieses Potenzial zu neutralisieren, indem man ihm etwa eine Europafeindlichkeit unterstellt, was ja hinsichtlich des Sprachverständnisses bedeutet, dass diese Menschen eine sehr grundsätzlich negative und ablehnende Position gegenüber jeglichem europäisch-verbindenden politischen Konstrukt einnehmen, ganz gleichgültig, welche substanzielle ideologische Ausrichtung intendiert ist.

Jede andere, differenzierte, etwa eine ideologische Ausrichtung (Global Governance) kritisierende bzw. ablehende Haltung, kann streng genommen, nicht als europafeindlich definiert werden, da es nicht um eine grundsätzliche Ablehnung einer europäischen Gemeinschaftlichkeit geht.

Was und wen meinen Sie mit den „extremistischen politischen Gruppierungen aus dem Inland, die verwirren und polarisieren wollen“?

Ich selbst bin z.B. mehr als verwirrt, wenn ich aus den Medien erfahre, dass der Antisemitismus in Deutschland in den letzten 3 Jahren angeblich um 300% zugenommen haben soll. Welchen Anlass hierzu hat es gegeben? Wer hat das empirisch untersucht?
Es gibt ein Interview mit Prof. Michael Wolffsohn (Wem gehört das heilige Land u.a.) zu diesem Phänomen und Wolffsohn antwortet hierzu, dass weder er als Jude, noch seine Familie, noch seine jüdischen Freunde der Ansicht seien, dass sich so etwas in der autochtonen deutschen Bevölkerung entwickelt hat. Prof. Wolffsohn unterstellt hier ein Anwachsen ausschließlich als eine Folge des Importes des politischen Islam nach Deutschland.

Dies wird jedoch medial bestritten, hört sich aber absolut nicht verunsichernd, sondern sehr vernünftig an.

Es ist doch interessant, dass der aktuell offensichtlich vorherrschende linksliberale politische Mainstream hinsichtlich einer kritischen Replik weit hinter diejenigen zurückfällt, die als säkulare Träger einer muslimischen Kultur bei uns Schutz gesucht haben, um sich hier sagen lassen zu müssen, sie seien Wasserträger der AfD.
Kommt Ihnen das nicht auch ein wenig seltsam vor?

„Der Spiegel“ hatte erst kürzlich ein Titelbild, das sich auf die AfD bezog mit dem Untertitel: „Putins Puppen“.
Nun kann ich mir gut vorstellen, dass es zu den selbstverständlichen Interessen Russlands und anderer Mächte gehört, sich wenn möglich seiner potenziellen künftigen Partner zu versichern und einen gewissen Einfluss geltend zu machen, aber es ist ein wenig verdächtig, wenn etwa Russland für die Wahl von Donald Trump verantwortlich gemacht wird oder gar die AfD in Deutschland gewissermaßen fremdsteuert.
Russland in der Rolle des „klassischen“ Schuldigen ist ein sehr abgenutzter Habitus politischer Ratlosigkeit.

Ziemlich rat-und verständnislos hat mich Ihre folgende Anmerkung im „Spiegel“ gemacht, in der es – bezogen auf den vorübergehend gesperrten Twitter Account von Fr. Sawsan Chebli – heißt:
„Ihr Tweet habe über den Namen Mohammed gegen die Regeln der Plattform zur Veröffentlichung von irreführenden Informationen zu Wahlen verstoßen“.
Heißt das, dass etwa der Name Mohammed ansich schon (und vor allem vor Wahlen) irreführend sein kann?
Ich habe Fr. Chebli in einigen Statements und Interviews schon als sehr irreführend und vor allem als sehr israelfeindlich erlebt, aber die Verwendung des Namens Mohammed halte ich nun wirklich nicht für kritikwürdig, wenngleich ich dem gleichnamigen Propheten eher weniger Achtung entgegenbringen kann, was jedoch mit dessen ziemlich abschreckender Geschichte zu tun hat.

Sie sprechen zum Schluss des Spiegel-Interviews von der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit von Politik und den Internet-Plattformen für das sog. digitale Zeitalter.
Ich denke mal, dass das technische Konzept, also die Digitalisierung, primär für eine weitere gesellschaftliche Beschleunigung stehen wird. Ein „offenes“ Netz kann dabei nicht ohne gewisse Risiken betrieben werden, weil es ansonsten, also bei durchaus auch vernünftigen Einschränkungen, nicht mehr offen genannt werden kann, weshalb autoritäre Staaten davon (also von Einschränkungen) reichlich Gebrauch machen.
Die zu führende Diskussion wäre also eine Grundsatzdebatte, aber ich befürchte, dass sie so wenig stattfinden wird, wie alle zu den Problemen der EU anstehenden Debatten. Der Souverän ist für die politische Klasse längst zum Gegner geworden, dem man zunächst die staatliche, dann die finanzpolitische und anschließend seine kulturelle Souveränität nehmen muss, um ihn auf ein Leben in einem Europa der bunten Beliebigkeiten vorzubereiten.

Sie werden bei genauer Prüfung des Sachverhaltes sehr schnell merken, dass solche Befürchtungen kein Ausfluss von Lügenpropaganda sind, sondern ein Ausdruck großer Besorgnis vor dem Hintergrund einer Medienlandschaft, welche die offizielle Aganda in einer Weise bedient, dass selbst zurückhaltende Proteste als feindlich, rechtsradikal und rückwärtsgewandt denunziert werden. Eine Umdeutung bislang klarer Begrifflichkeiten und ihre nachgerade inflationäre Verwendung hat den Diskurs nicht nur vergiftet, sondern verunmöglicht.

Mit den besten Grüßen
Michael Mansion