Medienspiegel

Birgit Kelle: „Muttertier“

Buchbesprechung

(…) „Kelle ist Mutter und das mit Leidenschaft. Und um ein Leben als Mutter führen zu können, ist sie auf Männer angewiesen. Männer aber, die bereit sind, die traditionelle Rolle zu übernehmen, Malochen zu gehen und damit die Frau von der Maloche freizustellen, werden immer seltener im Zuge einer Entwicklung, in welcher Männer „verweichlichen.“ Das, was für Feministinnen toxische Männlichkeit ist, ist für Mütter notwendig; demzufolge ist Männlichkeit für Frau Kelle nicht nur nicht schädlich sondern geradezu notwendig: Mütter brauchen den Mann, der ihr Zelt hütet und die Brut beschützt, und dies tut er nicht um sie zu degradieren, sondern weil Mann und Frau einander brauchen und lieben. Dabei reduziert Kelle den Mann aber auf die Funktion als Ernährer, als liebender Vater ist er weit weniger vorgesehen. So kennt Kelle den Begriff der „Vaterlosen Gesellschaft“. Ich stolpere über diesen Ausdruck und lese erwartungsvoll weiter und warte, warte und lese weiter. Aber Kelle macht nicht das Naheliegende und verurteilt die alltägliche Praxis der Väterentsorgung sondern reproduziert das Märchen vom Mann, der seine Frau sitzenlässt, unbenommen dessen, dass es meist die Frau ist, die die Scheidung einreicht, aus naheliegenden Gründen: Schließlich ist sie es, die reiche Beute macht mit Unterhalt und Kindern. Mit anderen Worten: Ja, für Birgit Kelle besteht eine Familie aus Vater, Mutter, Kind. Der Vater gehört aber nicht genauso bedingungslos dazu wie die Mutter. Aber, liebe Frau Kelle: Stellen Sie sich vor, sie werden von ihren Kindern getrennt. Nicht für Tage sondern für Jahre, deren gesamte Kindheit und Jugend hindurch. Ihre Kinde wachsen auf ohne Sie, ohne dass Sie eine Rolle in ihrem Lieben spielen, vielleicht werden sie auch noch zum Hass gegen Sie erzogen. Das wäre ein Alptraum, oder? Nun, genauso ein Alptraum ist das auch für Trennungsväter, sie leiden bis zum Suizid darunter.“ (…)

„Feministische Politik – und Feministen sind an der Macht – bedeutet, Mütter zu zwingen, ihre Kinder abzugeben und arbeiten zu gehen. Das wird dann beklagt von Frauen (sofern sie sich trauen), die sich nichts sehnlicher wünschen als Mutter zu sein, aber nicht eine solche, die ihre Kinder in die buntangemalten Kinderdeponien abschieben. Und damit sind wir bei der nächsten großen Lüge: Dass Frauen lieber arbeiten als zu Hause zu sein. Birgit Kelle nimmt sich hierzu eine ministerielle Studie vor und zerpflückt diese auf das nachhaltigste: Von den zwei Drittel der Mütter, die sich angeblich Fremdbetreuung wünschen, damit sie möglichst früh ins Arbeitsleben zurückkehren können, bleiben bei gründlicher Prüfung gerade mal welche im einstelligen Prozentbereich – denken Sie daran, wenn das nächste mal wieder eine in einem Qualitätsmedium klagt, sie könne keinen Kita-Platz finden: Das bildet nicht die Wünsche der Mütter ab, das ist Propaganda.“ (…)

„Feministen halten schon die Bezeichnung „Mutter“ für diskriminierend. Feministinnen greifen auf das niederträchstige das an, was Kelle interessanterweise als das ausmacht, was ihr zufolge Weiblichkeit definiert: Die Fähigkeit Mutter zu werden. Das ist es, was die Frau von dem Mann unterscheidet. Genau das also, was auf Seiten der Feministen so großen Hass und Abwertung provoziert. Man fühlt sich an Nietzsche erinnert, der anmerkte, Feminismus sei weniger Kampf gegen den Mann als vielmehr der Kampf der missratenen Frau gegen die wohlgeratene. Kranke Frauen, die ein männliches Leben in der außerhäuslichen Arbeit als die Erfüllung, als das Sinnstiftende, als das alleinig Respektable ausmachen: Das war es, was Esther Vilar meinte, als sie sagte, Lesbofeministinnen wie Schwarzer hingen einem „männlichen Feminismus“ an, der von Männern erfunden wurde und Simone de Beauvoir hätte nur ein Männerbuch geschrieben und dieses mit einem Frauennamen unterzeichnet – und um ein männliches Leben führen zu können, dürfen Kinder, die einen zur Mutter machen, nicht stören. Das Gefährliche: Solche Frauen machen Politik, ein guter Beweis dafür, dass Frauen nicht unbedingt Frauen vertreten und Indikator, dass die Schruppsche Dystopie verwirklicht wird, in welcher keine Frauen- sondern Feministinnenquoten durchgesetzt werden – weshalb sich gesunde Frauen auch nicht aus der Politik raushalten dürfen.“ (…)

Birgit Kelle: „Muttertier“