Christophe Guilluy: NO SOCIETY. Schlußfolgerung – Teil I

24. Juni 2019
„Helfen wir ihnen, sich wieder in die nationale Gemeinschaft einzufügen!

Sie [die herrschenden und höheren Klassen] leben mehr und mehr unter ihresgleichen. Sie weigern sich, sich zu integrieren. Sie führen eine Rede des Ausschlusses und oftmals des Hasses gegen die Klassen, die nicht ihr Modell und ihre Werte teilen. Sie leugnen die Existenz einer gemeinsamen Kultur und Geschichte des Abendlandes. Sie lehnen alle Modelle der Integration ab und sprechen nicht einmal mehr die Sprache aller. In einigen Jahrzehnten haben diese Leute, diese Asozialen, diese Reichen, diese herrschenden und höheren Klassen die westlichen Gesellschaften in das Chaos der relativen Gesellschaft gestürzt, in dem sie das Gemeinwohl aufgaben. Es ist Zeit, sie wieder in die nationale Gemeinschaft zu integrieren, in die reale Bewegung der Gesellschaft, die des einfachen Volkes. Konfrontiert mit dem Verlust ihrer politischen und kulturellen Vorherrschaft, aber auch mit dem Abflauen ihres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modells, muß die Oberschicht auf den Weg der Geschichte zurückkehren. Helfen wir ihnen!

Die vergeblichen Versuche, die Oberhand wiederzugewinnen, die Verhärtung, die  Versuchung, auf Sicherheit zu setzen, die Schaffung eines Wahrheitsministeriums [George Orwells ‚Minitrue‘ oder ‚Ministry of Truth‘] (im Juli 2018 hat Frankreich ein umstrittenes Gesetz bezüglich Fake News verabschiedet) oder die Einbunkerung der intellektuellen Debatte ändern nichts an den Fakten. Die Oberschicht, die schon ihre kulturelle Hegemonie verloren hat, wird jetzt auch politisch schwächer. Sie hat keine Wahl mehr. Entweder sie integriert sich wieder in die nationale Gemeinschaft, in dem sie die Erwartungen des Volkes berücksichtigt, oder sie verschwindet.

Diese Rückkehr zu den Ursprüngen [ein von Jack London gesprägter Begriff], hin zu dieser von den ‚Soziologen des Staates‘ so verlachten ‚common decency‚ [Begriff von George Orwell] der unteren Klassen, ist keine Hypothese, sondern eine Notwendigkeit, wenn man Druck und Gewalttätigkeiten vermeiden will, diesen berühmten Bürgerkrieg, von dem man vorgibt, ihn zu fürchten, in dem man seine Ankunft begünstigt.

Diese Rückkehr zum Volk, zur Demokratie, ist nicht nur der einzige Weg des Ausstiegs aus einem Modell, das keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt schafft, sondern auch die Bedingung zur Ausarbeitung eines nachhaltigen ökologischen, gesellschaftlichen und politischen Modells. Kein Projekt, keine Lösung können ausgearbeitet werden ohne diese Voraussetzung. Das Problem ist nicht nur ein moralisches und demokratisches, sondern es bedingt das Überleben der westlichen Gesellschaften.

Übersetzung: Dr. Gudrun Eussner, S. 229 – 231.

Fortsetzung folgt! ?

Conclusion. Aidons-les à réintégrer la communauté nationale ! p. 229 – 237
NO SOCIETY. Das Ende der westlichen Mittelklasse
Christophe Guiluy: NO SOCIETY. La fin de la classe moyenne occidentale