Nordischer Maternalismus breitet sich aus

19.06.2019

Von Monika Frommel

In der SPD wird die Forderung nach einem „Sexkauf-Verbot“ wie in Schweden laut. Dabei ist die Rechtslage in Deutschland durch das Prostituiertenschutzgesetz bereits zu illiberal.

https://www.novo-argumente.com/artikel/nordischer_maternalismus_breitet_sich_aus

Kommentar GB:

Ein sehr lesenswerter Artikel von einer im besten Sinne liberalen Autorin und Juristin (Strafrecht):

(…) „Was motiviert deutsche Politikerinnen, dieses nordische Modell zu empfehlen? Das ProstSchG ist ein Kompromiss, der niemandem (außer den Finanzämtern) gefallen kann. So gesehen darf man sich nicht wundern, dass puritanische Eiferer ihre Aufrufe fortsetzen und nach weiteren Verboten rufen. Schon seit den 1990er Jahren vertreten Gruppen, die sich für radikale Feministinnen halten, eine Verbotspolitik und festigen die schlichte Gleichung: Prostitution = Zwangsprostitution = Menschenhandel = moderne Sklaverei. Da in ihren Augen nur Frauen die Opfer und Männer die Täter sind, ist das Thema geradezu ideal, ihren „Opfer-Feminismus“ ideologisch zu festigen und gegen Sexkauf zu polemisieren, da es letztlich „Menschenhandel“ sei, gegen den anständige Menschen kämpfen müssen. Offenbar macht es Spaß, sich an einem Feindbild abzuarbeiten.

Seit über hundert Jahren praktizieren Polizisten eine mehr oder weniger konsequente Duldungspolitik. Es gibt Schlecht- und Schönwetterperioden. Prostitution ist reguliert, aber es gehörte und wird auch zum Geschäft gehören, diese Verbote zu übertreten. Verlagert sich die Kontaktaufnahme aber von der Straße in die digitalisierten Welten, entstehen höchstpersönliche Daten, die – wie auch immer – genutzt werden können für Erpressungen jeder Art. Das ist nicht neu. Aber wenn der Gang zu Prostituierten als Menschenhandel gehandelt wird und die Feindbilder immer schriller werden, entstehen neue Formen, etwa ein #hetoo. Höchste Zeit also, um sich gegen diese Kampagnen zu wehren und sich wieder auf die liberalen Grundlagen der westlichen Gesellschaften zu besinnen.“