Willy Wimmer zu Gabriels Atlantikbrücken-Posten

„Interessante Persönlichkeit vom Markt genommen“

28.06.2019
Ilona Pfeffer

„Durch die Wahl zum Vorsitzenden der Atlantikbrücke wird mit Sigmar Gabriel ein Politiker, der die Interessen der Deutschen kannte und vertrat und in seiner Position als Außenminister gute Arbeit geleistet hatte, vom Markt der politischen Auseinandersetzung genommen. Diese Ansicht vertritt Willy Wimmer, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär.

Zur neuen Spitzenposition in der Atlantikbrücke hat Sputnik Willy Wimmer um eine Einschätzung gebeten.

Herr Wimmer, nach 10 Jahren gibt Friedrich Merz den Vorsitz der Atlantikbrücke auf, ihm folgt der ehemalige SPD-Chef und frühere Außenminister Sigmar Gabriel. Bevor wir auf Gabriel zu sprechen kommen, würde ich gern einen Blick auf die Institution werfen, die er anführen soll. Die Atlantikbrücke besteht ja seit 1952 und will nach eigenem Selbstverständnis „die persönliche Begegnung zwischen deutschen und amerikanischen Führungskräften fördern und hochrangigen Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft von beiden Seiten des Atlantiks eine Plattform für Treffen und für die Vernetzung mit ihresgleichen bieten“. Welchen Einfluss hat sie in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich geübt, bei welchen möglicherweise weitreichenden Entscheidungen mitgewirkt?

„Das ist eine Einrichtung, die man getrost als Frontorganisation amerikanischer Belange in Deutschland bezeichnen kann. Wenn man sich die Zusammensetzung ansieht sowie die Aufgabenstellung, die damit verbunden ist, dann ist es mit Sicherheit die Durchsetzung amerikanischer Interessen. Dadurch, dass man Meinungsbildner in Deutschland in einer Organisation so zusammenführt, wie es in der Atlantikbrücke der Fall ist. Vor diesem Hintergrund sollte man sich vor jeder zentralen Überlegung, die in Deutschland angestellt wird, immer wieder fragen, welcher Einfluss von diesen Kreisen ausgeübt wird.  Er ist intensiv – das ergibt sich aus dem Charakter. Die Leute, die zur Atlantikbrücke zählen, sind handverlesener als die, die im Deutschen Bundestag sitzen. Das kann man getrost nebeneinander halten und dann weiß man, welche Bedeutung diese Einrichtung hat. Ich will sie nicht überschätzen, aber sie darf auch nicht unterschätzt werden. Sie ist Bestandteil einer amerikanischen Gesamtstrategie, die deutsche politische und ökonomische Wirklichkeit so zu durchdringen, dass in Deutschland jede Voraussetzung geschaffen ist, amerikanischen Belangen dienstbar zu sein. Insofern ist es eine prominente Organisation.“ (…)

https://de.sputniknews.com/politik/20190628325333796-gabriel-atlantik-bruecke-wimmer/?utm_source=de_newsletter_links&utm_medium=email

Kommentar GB:

Da ich kein SPD-Mandatsträger bin, gehöre ich wohl zum „Pack“.

Aus meiner Sicht anzumerken ist, daß die USA heute politisch gespalten sind: die Hegemonie der von den Democrats geführten multilateralen Global Governance ist durch die Präsidentschaft Donald Trumps zumindest unterbrochen, aber bisher nicht gebrochen worden. Und im wichtigen Senat des US-Kongresses sind die Democrats  in der Minderheit. Im Repräsentantenhaus ist es unter Nancy Pelosi umgekehrt. Die Democrats haben, um es diplomatisch auszudrücken, beste Beziehungen zur EU, inbesondere zu Berlin und Paris. Außerdem existiert in den USA ein Machtzentrum des militärisch-industriellen Komplexes (MIK), das Pentagon. Das ist das politische Feld, in dem Präsident Trump lavieren muß.