Wie Schwundintelligenz operiert

Wer etwas kritisiert, wird in die AfD-Ecke geschoben

von Werner Patzelt   7.07.2019

„Arten von politisch nützlichen Analysen Bei einer Faktenanalyse geht es um die – mitunter durchaus schwierige – Antwort auf eine einfache Frage: „Was ist der Fall?“

Bei einer taktischen Analyse geht es hingegen um die Frage: „Was soll unter den gegebenen Umständen zu welchem Zweck getan oder unterlassen werden?“ Die taktische Analyse mündet also in praktische Ratschläge. Diese können sich darauf richten, etwas zu bewirken, zu bewahren oder zu verhindern.

Beide Formen von Analyse hängen zwar zusammen, sind aber nicht dasselbe. Für eine taktische Analyse muss erst einmal ausfindig gemacht werden, was der Fall ist; anschließend sind die Interessen der taktisch zu berücksichtigenden Akteure ausfindig zu machen („Interessenanalyse“). Und an eine Faktenanalyse kann sich außerdem eine normative Analyse anschließen („Anhand welcher Maßstabe ist wie zu bewerten, was der Fall ist und was sich in diesem Fall an Handlungen als möglich erweist?“). Idealerweise, wenngleich allzu selten in der Praxis, entsteht eine taktische Analyse aus der Verbindung von Faktenanalyse, normativer Analyse und Interessenanalyse.

Für die Politikberatung nutzt es zwar wenig, wenn allein praktische Ratschläge gegeben werden, also Handlungsanweisungen ohne eine Klärung ihrer Grundlagen in den Fakten, in den zu berücksichtigenden Interessen sowie in plausiblen Bewertungen, ob ein Zustand oder Ziel in sich eher gut oder eher schlecht ist.

Doch manchmal wollen politische Akteure nur solche Ratschläge hören, die in ihr faktisches oder normatives Weltbild passen. Dann wünscht man sich als taktische Analyse letztlich nur eine Bekräftigung dessen, was man ohnehin tun will. (Hervorhebung GB)

Wer aber nur eine Unterstützung des ohnehin schon Geglaubten und Gewollten wünscht, kann sich eine ernstgemeinte Beratung auch sparen. Er wird ohnehin dazu neigen, eine rein an den Fakten interessierte Analyse politischer Sachverhalte mit einer politischen Positionsnahme zu verwechseln; und deshalb wird er lieber dem Analytiker Vorwürfe machen, wenn dessen Befund nicht gefällt, als sich zum Überdenken der eigenen Position zu bequemen.“ (…)

https://www.theeuropean.de/werner-patzelt/eine-faire-debatte-ware-in-deutschland-endlich-mal-notwendig/