Das Individuum und sein Glaube

„Wir Menschen sind in einer erkenntnistheoretischen Blase der Unwissenheit eingeschlossen, aus der es kein Entkommen gibt. Wir wissen nicht, wie die Welt jenseits unserer sinnlichen Wahrnehmung und unserer Begriffe von Zeit und Raum beschaffen ist.“ (…)

„Solange jeder seine religiösen Regeln auf sich selbst bezieht, gibt es kein Problem. Beides kann nebeneinander existieren.

Der Konflikt bricht dann aus, wenn es darum geht, verbindliche Regeln zu beschließen, die für alle gelten, ob sie den Glauben nun teilen oder nicht. Also, wenn es um die Sphäre der Politik geht. Wenn aus dem Glauben eine gesellschaftspolitische Agenda abgeleitet wird, die ohne weitere Begründung der Gesellschaft im Ganzen aufgezwungen werden soll, dann hört der Glaube auf, eine individuelle Suche nach den Urgründen der Welt zu sein und wird zu einer kollektivistischen, politischen Ideologie. Die Ableitung einer politischen Forderung aus einer absolut gesetzten Wahrheit, die nur subjektiv empfunden, aber nicht objektiv nachgeprüft werden kann, bedeutet letztlich, das persönliche Geschmacksurteil zum Maßstab aller Dinge zu machen. Da, wo Menschen vorgeben, ihren Glauben absolut zu setzen, setzen sie in Wahrheit sich selbst und ihre persönlichen Gefühle und Gedanken absolut.“

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