Größenwahn, dein Name sei Emmanuel Macron

Dr. Gudrun Eussner

14. Juli 2019

 

Alle Jahre wieder feiert Frankreich den Sturm auf die Bastille. So auch in diesem Jahr. Was feiern die Franzosen? Den Sieg des Fortschritts über die Reaktion? Nein, sie feiern sich selbst und ihre unübertroffene Kunst der Inszenierung. Der ist Emmanuel Macron schon mit 15 Jahren verfallen, angeleitet von seiner Lehrerin Brigitte Trogneux, seiner zukünftigen Ehefrau.

Auf der Suche nach Waffenlagern nehmen, am 14. Juli 1789, Revoluzzer eine als Gefängnis genutzte kleine Bastion ein, eine Bastille, in der neben dem auf Geheiß seiner Familie, nach siebenjähriger Haft in Vincennes, seit 1784 dort eingebuchteten Donatien Alphonse François, Comte de Sade, dem Marquis de Sade, noch weitere sechs Gefangene einsitzen, Urkundenfälscher, Geisteskranke und Kleinkriminelle. Tratschke berichtet darüber in seinem „Lexikon für Besserwisser“, in der ZEIT, als diese noch ein lesenswertes Blatt ist, in der Nr. 29, vom 16. Juli 1982: „Aber in Wahrheit ist alles ganz anders gewesen. In Wahrheit hat es einen Sturm auf die Bastille gar nicht gegeben.“

Was soll’s? Wie sagt schon Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778), 1754: Commençons donc par écarter tous les faits, car ils ne touchent point à la question … „Beginnen wir also damit, alle Fakten zur Seite zu schieben, weil sie das Thema nicht im geringsten betreffen …“

Und das ist das Motto des Staatspräsidenten Frankreichs. Die Fakten, die lauten: Staatsverschuldung in Billionen-Höhe, Korruption, Islamisierung des gesamten öffentlichen Lebens, Einwanderung immer weiterer Illegaler aus Afrika, islamischer Terror, Zerfall der Infrastruktur, Niedergang von Bildung und Wissenschaft, zunehmende Verarmung der Franzosen.

Die Themen des Emmanuel Macron sind die militärische Oberherrschaft Frankreichs über die EU, über „Europa“, die militärische Eigenständigkeit Frankreichs gegenüber den USA und die Gegnerschaft zu Rußland und China. Es geht um die Waffen der Zukunft, um Atom-U-Boote sowie den Aufbau einer Weltraum-Armee unter der Führung Frankreichs.

Emmanuel Macron verkündet die Schaffung eines militärischen Weltraumkommandos“
Emmanuel Macron annonce la création d’un commandement militaire de l’espace. Par Alain Barluet

Es interessiert den französischen Herrscher kein einziger der aufgezählten Fakten, sondern es geht um „Kampfflugzeuge der Zukunft im Rahmen des Systems des zukünftigen Luftkampfes (SCAF)“, französisch Système de combat aérien du futur (SCAF), englisch Future Combat Air System (FCAS), um die Entwicklung bis 2040 durch das Rüstungsunternehmen AIRBUS eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation zur Sicherung der „europäischen“ Souveränität. Es geht um die „Europäische Interventionsinitiative“ von zehn europäischen Staaten, der zehn EU-Staaten Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Portugal, Spanien. Diese European Intervention Initiative (EI2), soll eine Streitmacht außerhalb der NATO-Struktur werden. Die Absichtserklärung dazu ist vom 25. Juni 2018. Die Briten treten bei, weil sie auch nach dem Verlassen der EU mit dieser militärisch zusammenarbeiten wollen. Italien tritt, anders als anfangs geplant, der Initiative doch nicht bei.

„Defilee des 14. Juli: das Europa der Verteidigung im Zentrum der Festlichkeiten“

Die Regierungschefs dieser Initiativstaaten bzw. im Fall von Großbritannien des Vertreters der Theresa May David Lidington, findet man auf der Ehrentribüne zur Feier des 230. Jahrestages des Sturmes auf die Behausung von einigen Geisteskranken und Kleinkriminellen. Angela Merkel schlägt sich tapfer und zittert nicht. Emmanuel Macron genießt es, im Zentrum des Aufgebotes seinen Platz zu haben. Allerdings steht bzw. sitzt ihm sein „Minister für ökologischen und solidarischen Übergang“ [heißt wirklich so!], Ministre de la Transition écologique et solidaire François
de Rugy, eine Art Alexandre Benalla, als Fakt im Sinne des Jean-Jacques Rousseau im Nacken, in der zweiten Reihe. Ihm werden üppige Feste und luxuriöse Verschönerungen seiner Dienstwohnung auf Steuerzahlerkosten vorgeworfen: „Diese vier Affären bringen den Minister in Schwierigkeiten„.

Das hindert Emmanuel Macron nicht daran, sein Ergötzen an den kleinen Militärrobotern zu bekunden, die zu Beginn der Schau vorgeführt werden. Einer, namens STAMINA, ist zur Feier des Tages beflaggt mit der Trikolore und Schwarz-Rot-Gold. Wie niedlich!

Es defiliert die Deutsch-französische Brigade, die ihren 30. Geburtstag feiert, in einigen militärischen Formationen marschieren Deutsche mit, einige haben gar von der Regierung die Sondergenehmigung, einen Säbel mitzuführen, was in Deutschland verboten ist, da hört der Spaß nach den feststehenden Messern auf.

Im Defilee werden deutsch-französische „Panzer der Zukunft“ mitgeführt, eingeführt vom Kommentar des Figaro-Journalisten Alain Barluet, es gelte, sich den aktuellen Bedrohungen anzupassen sowie den „Krieg von morgen“ vorzubereiten, la „guerre de demain“. Es gehe um die Erreichung der operationellen Überlegenheit der Armeen und die strategische Eigenständigkeit Frankreichs. Welchen aktuellen Bedrohungen mit dem präsentierten Kriegsmaterial begegnet werden soll, und an welchen „Krieg von morgen“ gedacht ist, darüber bekommen die Bürger Frankreichs keine Auskunft. Im Defilee der Champs-Élysées sind höchstens zehn Prozent der defilierenden Personen und ebenso wenige Austellungsstücke dazu bestimmt, den Bürgern Frankreichs Sicherheit zu bieten und ihnen in ihrer Not beizustehen. Alle und alles andere dient dem militärischen Einsatz in den von Frankreich und anderen EU-Staaten zu Kampfzonen erklärten Gegenden der Welt, von Afghanistan bis Yemen.