Islamisches Familienrecht

Unauflösliches, wer löst es?

  • Von Joseph Croitoru
  • Aktualisiert am 31.07.201917:04
  • Gleichheit bei der Scheidung, Verbot der Polygamie: Reformer des islamischen Familienrechts haben eine eindeutige Agenda. Sie machen sich die Mehrdeutigkeit der traditionellen Rechtslehren zunutze.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/islamisches-familienrecht-unaufloesliches-wer-loest-es-16308715.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Kommentar

Dr. Gudrun Eussner

15. Mai 2010

Son of Hamas: Statt einer Rezension

Das Buch von Mosab Hassan Yousef und Ron Brackin ist spannend wie ein Krimi, viele Rezensenten haben darüber geschrieben.

Rezensenten wie Joseph Croitoru, der seinen Text nicht nur für die FAZ, sondern auch für die von der Bundesregierung finanzierten Qantara und Deutsche Welle mehrfach verwertet, bleibt es vorbehalten, den potentiellen Lesern das bewährte israelfeindliche Pamphlet zu liefern, angereichert mit unzutreffenden Behauptungen über den Vater des Mosab Hassan Yousef, der die Selbstmordattentate der Hamas nur auf ihren Druck hin bejaht haben soll. Nirgendwo in dem Buch steht das, sondern das Gegenteil, der Vater bejahe die Attentate. Das ist ein Schlüsselerlebnis des Autors, der erste grundsätzliche Zweifel am Vater und damit an der Hamas und am Islam. Seitenhiebe auf die Evangelikalen ergänzen die Häme. Manche können einfach nicht anders. (1)

Madrasa of Time, der_wache_Michel und Kommentatoren des Blogs open-speech rechnen mit dem Dhimmi ab. (2)

In der englischen Ausgabe des Buches heißt es im Kapitel Acht Fanning The Flames, auf den Seiten 57 und 59: The transition of Hamas into a full-blown terrorist organization was complete. Many of its members had climbed the ladder of Islam and reached the top. Moderate political leaders like my father would not tell the militants that what they were doing was wrong. They could not; on what basis could they declare it was wrong? The militants had the full force of the Qur’an to back them up.

So even though he had never personally killed anyone, my father went along with the attacks. …

But for a man who could not bring himself to harm an insect, he had obviously found a way to rationalize the idea that it was fine for somebody else to explode people into scraps of meat, as long as he didn’t personally bloody his hands.

 At that moment, my view of my father grew much more complicated.

Joseph Croitoru gelingt es mit der Erfindung des Druckes der Hamas auf den Vater, dessen Unterwerfung unter den Islam zu unterschlagen. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß eine für die Entwicklung des Mosab Hassan Yousef derartig wichtige Erkenntnis falsch verstanden wird. Ich unterstelle Joseph Croitoru Absicht. Es gibt weitere hanebüchene Fehlinterpretationen des Textes, so scheint der Rezensent nicht zu sehen, daß die Dramaturgie des Buches die Entwicklung des Mosab Hassan Yousef nachzeichnet. Der chronologische Bericht geht jeweils von dessen Wissensstand aus. So werden auch die ersten Kapitel spannend, sie beginnen mit dem Standpunkt eines steinewerfenden palästinensischen Jungen, es folgt der 18-jährige, der sich zur Ermordung von Juden Gewehre beschafft, die auch noch Schrott sind, durch die Dusseligkeit eines Komplizen, der mit ihm am Telefon mehrmals über die Angelegenheit quatscht, verhaftet wird und trotzdem zu sich selbst meint: What have I done? I am not a terrorist! I am just a kid. Why are you beating me like this?

Heute sagt er in Interviews dies: „Hamas kann keinen Frieden mit den Israelis machen, … das ist gegen das, was ihnen ihr Gott erzählt. Es ist unmöglich, mit Ungläubigen Frieden zu machen, nur einen Waffenstillstand, und niemand weiß das besser als ich. Die Hamasführung ist verantwortlich für die Tötung von Palästinensern, nicht Israel.“ Oder dies: „Das Problem ist nicht die Hamas, das Problem sind nicht die Leute. Die Wurzel des Problems ist der Islam selbst als Idee.“ Und dann ergänzt er, daß er keine Chance für Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde sieht, Frieden zu schließen. (3)

Was Islamkritiker wie Tilman Nagel und Hans-Peter Raddatz schreiben und es vielfach belegen, dafür ihren Status als Orientalisten abgesprochen bekommen und als Rechte, Rassisten, Haßprediger etc. verunglimpft werden, das sagt Mosab Hassan Yousef einfach und selbstverständlich genauso. Die Hudna, der berüchtigte Waffenstillstand, ist keiner in unserem Sinne, er dient nicht zur Vorbereitung von Friedensverhandlungen, sondern der Regenerierung der Kräfte der Glaubenskämpfer. Eine Hudna darf nicht länger als höchstens zehn Jahre währen, sie kann seitens der Muslime jederzeit gebrochen werden, wenn sie sich für stark genug halten, gegen die Ungläubigen militärisch vorzugehen. (4)

Man muß nicht FAZ.net lesen, man kann es sich sparen, auf deren Niveau und auf das von Qantara.de und der Deutschen Welle zu sinken. Im Internet gibt’s andere Links in englisch und deutsch zur Genüge, wobei die englischen Links fünfzig Mal so stark vertreten sind wie die deutschen. Man bediene sich, bitte! (5)

Es gibt einen Son of Hamas Blog und Son of Hamas auf Facebook, wo man auf den letzten Stand der Diskussion gebracht wird. (6)

Selbstverständlich hat Mosab Hassan Yousef einen eigenen Wikipedia-Eintrag, der laufend aktualisiert wird. (7)

Man erfährt, daß der Agent des Shin Bet, dort bezeichnet mit dem Decknamen der Grüne Prinz, bereits im August 2008 darüber berichtet, daß er zum Christentum konvertiert ist. Dafür erhält er, der Lehre des Koran entsprechend, von der Global Islamic Media Front (GIMF), einer al-Qaida angeschlossenen Terrorgruppe, umgehend Morddrohungen, das Todesurteil. Es ist immer wieder faszinierend anzuschauen, wie die selbsternannten Muslimführer mit Pawlowschem Reflex reagieren. Islamkritiker, die solches Verhalten voraussagen und auf die Gefährlichkeit der Polit-Ideologie Islam hinweisen, werden dafür als Rechtsextreme und Rassisten gescholten. (8)

Aus der Erklärung des Abu al-Harith al-Ansari, von der GIMF, geht einmal mehr hervor, was auch schon Lee Smith, Autor des Buches The Strong Horse herausgearbeitet hat: Die Gegnerschaft gegen Dritte ist zu allererst ein Mittel des Kampfes gegeneinander um die religiöse und politische Vormachtstellung in der Region. Al-Qaida versucht mit allen Mitteln, die Hamasführer bei den palästinensischen Arabern zu diskreditieren.

Ansatzpunkte sind Fälle wie die Konversion des Mosab Hassan Yousef. (9)

Al-Qaida ist wie die Hamas eine Zweigstelle der Muslimbruderschaft. Die Tatsache, daß die Konversion zum Christentum des Sohnes eines Hamas-Führers überhaupt möglich ist, beweist für al-Qaida die Schwäche sowohl des Konvertiten als auch der Hamas:

  • Während Yousefs Kritik an einzelnen sich nicht auf den Islam beziehen, ist seine Kritik an der Führerschaft der Hamas bedenkenswert. Hamas muß ihre Aktionen überprüfen und bei zukünftigen Entscheidungen die Führung durch den Islam suchen.
  • Seiner Apostasie wegen ist Yousef weak-minded, wankelmütig/willensschwach. „Was wissen [Hamas-Unterstützer] vom Islam außer der Bezeichnung? Wir sehen ihren Fanatismus für die Bewegung, als wenn es Fanatismus für die Religion wäre.“ Hamas muß über den Salafismus lernen und die passenden Bücher von Schriftstellern wie al-Tahawi, Ibn Taymiyya und der Najdi Lehrer lesen.

Die Einschätzung des Konvertiten Mosab Hassan Yousef als wankelmütig bzw. willensschwach zeigt die Beschränktheit der Lehre des Islam und seiner Gäubigen, die sich einbilden, allein im Islam liege Stärke. Man muß allerdings zugeben, daß der Klerus der christlichen Kirchen sowie die gesamte westliche Welt dem Islam heutzutage ein Bild bieten, daß zu einer solchen Einschätzung Anlaß geben kann. Eine Unterscheidung zwischen Individuen und der Gesellschaft, in der sie leben, der Ummah, kann der Islam ohnehin nicht vornehmen, da dem einzelnen kein freier Wille zugestanden wird: (10)

Weder für einen gläubigen Mann noch für eine gläubige Frau gibt es, wenn Allah und Sein Gesandter eine Angelegenheit entschieden haben, die Möglichkeit, in ihrer Angelegenheit zu wählen. Und wer sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt, der befindet sich ja in deutlichem Irrtum.

Allah hat entschieden, daß Mosab Hassan Yousef in eine strenggläubige Muslimfamilie geboren wird, er hat sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt und befindet sich ja in deutlichem Irrtum.

Die Hamas hat nun nicht nur die Konversion dieses Mitgliedes ihres Führungskreises zu beklagen, sondern auch noch dessen Agententätigkeit für den Erzfeind Israel zu verkraften. Das schwächt ihre Position gegenüber ihren Konkurrenten um die Macht mehr als die gegenüber Israel.

Die israelische Zeitung Haaretz, die den Knüller des Mosab Hassan Yousef als erste veröffentlicht, bringt laufend Neuigkeiten über die Niederlagen der Hamas, zuletzt am 13. Mai 2010 ein Interview mit dem Agentenführer des Shin Bet Captain Loai. Man schaue hin&wieder auf Facebook nach, es wird nicht langweilig. Zunächst heißt die Überschrift The Handler, der Betreuer, dann etwas aufgemotzter: Shin Bet Agent diskutiert seine ‚besondere Beziehung‘ zu einem Hamas-Spion. (11)

Die Folge dieser Großvermarktung ist, daß die wirklich sensationellen Neuigkeiten, die man aus dem Buch erfährt, einfach untergehen, beispielsweise das Gründungsdatum der Hamas. Ulrich Sahm zitiert ausführlich Brigadegeneral a.D. Schalom Hariri, der die Mär von Israels Gründungshilfe für die Hamas widerlegt, aber die Gründung der Hamas setzt er auf Dezember 1987 an. (S. 51) (12)

Jetzt liest man im Buch Son of Hamas, daß bereits 1986, in Hebron, die Gründungs-versammlung stattfindet. Das ist insofern wichtig, als man bis heute zahlreiche Artikel findet, in denen die Radikalisierung der angeblich zunächst nur als Sozialverein tätigen Hamas, die deshalb von Israel Gründungshilfe erhalten habe, im Zuge der Ersten Intifada erfolgt sei. Stattdessen wird die Hamas von Anbeginn als Kampftruppe der Muslimbrüder aufgestellt: The men who attended this meeting were finally ready to fight. They agreed to begin (sic!) with simple civil disobedience – throwing stones and burning tires. Their objective was to awaken, unify, and mobilize the Palestinian people and make them understand their need for independence under the banner of Allah and Islam. (S. 19f., S. 263)

Man liest über Werte des Islam, es ist nichts mit der Nächstenliebe unter Muslimen, es gibt dort Arroganz, Konkurrenz und viel Brutalität. Onkel Ibrahim möchte nicht in Verruf geraten dadurch, daß sein Neffe Baklava verkauft, um die Familie zu ernähren. (S. 36f.) Zahlreiche Hinweise auf die verfehlte Politik der USA und der EU sowie auf die Komplizenschaft der westlichen Medien und der sogenannten Menschenrechts-organisationen mit den Terroristen finden sich im Buch sowie auch einige Weisheiten:

  • Most suicide bombers began as moderates. (S. 52)
  • Peaceful coexistence would mean the end of Hamas. (S. 52)
  • Hamas was not an organization as most people understood organizations, with rules and a hierarchy. It was a ghost. An idea. You can’t destroy an idea; you can only stimulate it. (S. 58)
  • Allah had given us the responsibility of eradicating the Jews, and my father didn’t question that, though he personally had nothing against them. (S. 63)
  • These men had imprisoned and tortured my father and were about to torture me. Did they really believe this would make me accept their right to exist? (S. 72)
  • Hamas destroys itself more from the inside than anything Israel can do to it from the outside. (S. 119)
  • I asked myself what Palestinians would do if Israel disappeared – … if all the Jewish people abandoned the Holy Land … We would still fight. Over nothing. Over a girl without a head scarf. Over who was toughest and most important. Over who would make the rules and who would get the best seat. (S. 124)
  • The media always seemed focused on the sexy bargaining chips – land, independence, and reparations. But water really was a much bigger issue than land in the Middle East. (S. 152)
  • Why had the U.S. intelligence services not been able to prevent the disaster (of 9/11)? For one thing, they operated independently and competitively. For another, they relied mostly on technology and rarely collaborated with terrorists. (S. 174)
  • I didn’t believe that everybody in Israel and the occupied territories needed to become a Christian in order to end the bloodshed. (S. 207)
  1. Mai 2010

Quellen

(1) Der Grüne Prinz war ein Spion, Von Joseph Croitoru, FAZ.net, 27. März 2010

http://tinyurl.com/32l98qb

Vom Islamisten zum christlichen Missionar. Von Joseph Croitoru,

Qantara.de, 2010

http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-1331/i.html

Bekenntnisse des Grünen Prinzen. Von Joseph Croitoru, Deutsche Welle,

  1. April 2010

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5450284,00.html

(2) Anstatt sich zu freuen. Von Time. Madrasa of Time, 26. März 2010

Anstatt sich zu freuen

Der Grüne Prinz war ein Spion. open-speech, 23. – 29. März 2010

http://tinyurl.com/33x6mew

(3) Son of Hamas founder spied for Israel to stop bombers. By James Hider, TimesOnline, February 25, 2010

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article7039011.ece

Son of Hamas Leader was Top Spy for Israel. By Gil Ronen, ArutzSheva,

February 24, 2010

http://www.israelnationalnews.com/News/news.aspx/136182

(4) „Hudna“ – Was heißt das? Nahost Focus, 29. Juni 2003

http://www.nahostfocus.de/page.php?id=1534

(5) Mosab Hassan Yousef with Ron Brackin: Son of Hamas. A Gripping Account of Terror, Betrayal, Political Intrigue, And Unthinkable Choices, Salt River, Tindale House Publishers, March 2, 2010

http://tinyurl.com/36e4puu

„Mosab Hassan Yousef“ „Son of Hamas“ Google.de 254 000 Ergebnisse

http://tinyurl.com/373uj4e

Ron Brackin. Biography. Amazon.com

http://tinyurl.com/35cqs42

Mosab Hassan Yousef und Ron Brackin: Sohn der Hamas. Mein Leben als Terrorist, SCM Hänssler, März 2010

http://tinyurl.com/2v6hrsy

„Mosab Hassan Yousef“ „Sohn der Hamas“. Google.de 4 200 Ergebnisse

http://tinyurl.com/3xgy57g

(6) Son of Hamas Blog. Tyndale House Publishers

http://sonofhamas.wordpress.com/

Son of Hamas. By Mosab Hassan Yousef. Facebook

http://tinyurl.com/2do98ss

(7) Mosab Hassan Yousef. Wikipedia

http://en.wikipedia.org/wiki/Mosab_Hassan_Yousef

(8) Mosab Hassan Yousef Receives Death Sentence from the Global Islamic Media Front. By Will McCans, Jihadica, August 22, 2008

http://tinyurl.com/9mn48e

GIMF in meinem Archiv

http://tinyurl.com/32nxljc

(9) Why They Hate Us: Middle Eastern Politics and the Principle of the Strong Horse. By Michael J. Totten, January 27, 2010

http://tinyurl.com/yfo4juc

(10) Sure 33 al-Ahzab. Die Gruppierungen. ZMD, islam.de

http://www.islam.de/13827.php?sura=33

(11) Haaretz exclusive: Hamas founder’s son worked for Shin Bet for years.

By Avi Issacharoff, Haaretz, February 24, 2010

http://tinyurl.com/2es5ag5

Shin Bet agent discusses his ’special relationship‘ with a Hamas spy.

By Avi Issacharoff, Haaretz, May 13, 2010

http://www.haaretz.com/magazine/friday-supplement/the-handler-1.290215

(12) Ulrich W. Sahm: Alltag im Gelobten Land.

Mit einem Geleitwort von Henryk M. Broder und 90 Abbildungen.

240 Seiten. Leseprobe, S. 9-36

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010

http://www.v-r.de/de/titel/1001005101/

Das „Projekt“ der Muslimbruderschaft, vom 1. Dezember 1982

http://www.eussner.net/artikel_2008-03-21_19-25-15.html

Siehe auch:

Die Terrororganisation Hamas. Artikel, von 2001 bis 2009

http://www.eussner