Randall Collins über Abstraktionen, Reifikationen und sozialen Wandel

von Dr. habil. Heike Diefenbach

„Randall Collins, der am 29 Juli 78 Jahre alt wird, ist ein U.S.-amerikanischer Soziologe, der in Deutschland nur unter Sozialwissenschaftlern und Studenten einer Sozialwissenschaft einigermaßen bekannt sein dürfte, und zwar als ein Konflikttheoretiker oder als Verfasser von informativen Einführungs- oder Überblicksbüchern in oder über die Soziologie bzw. soziologische Theorien und Konzepte, ihre Geschichte oder bekannte Vertreter des Faches, insbesondere Max Weber und Émile Durkheim. In neuerer Zeit hat sich Collins der physischen Gewalt als Interaktionsritual gewidmet bzw. der Dynamik physischer Gewalt. Deshalb trägt die deutsche Übersetzung von Collins‘ Buch mit den Titel „Violence: A Micro-Sociological Theory“, das im Jahr 2009 erschienen ist, auch den Obertitel „Dynamik der Gewalt“ (s. Collins 2011).“ (…) (…)

„Also können zum Beispiel “Gender Studies” aufgrund politischer Ideologie und politischen Willens an Universitäten zwar installiert werden, aber sie können nicht Teil der Organisation in einem anderen als einem rein formalen – und daher weitgehend irrelevanten – Sinn werden, solange sie keine Anerkennung durch Wissenschaftler haben. Und Anerkennung durch Wissenschaflter können „Gender Studies“ nicht haben, so lange sie sich weigern, Wissenschaftlern eine anschlussfähige Kommunikation durch Benutzung geteilter Symbole (z.B. in Form der Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens und logischen Arugmentierens) zu ermöglichen. Die Universitätsleitung kann versuchen, Vertreter von „Gender Studies“ so zu behandeln als wären sie Wissenschaftler, aber sie läuft damit Gefahr, ihrerseits die Anerkennung durch Wissenschaftler zu verlieren, d.h. sich selbst zu diskreditieren und als bloße Handlanger der ideologisch agierenden Kultusministerien zu gelten.“

https://sciencefiles.org/2019/07/20/randall-collins-uber-abstraktionen-reifikationen-und-sozialen-wandel/