Medienspiegel

“Verschwommenheit in vielen Köpfen..“ : Vilfredo Pareto aktueller denn je

von Dr. habil. Heike Diefenbach

„Vilfredo Federico Damaso Pareto, der am 15. Juli 1848 in Paris geboren wurde und im August 1923 in Genf starb, ist heute vermutlich nur noch der Mathematik gegenüber aufgeschlossenen Ökonomen sowie einigen Soziologen bekannt. Ihnen allen ist Pareto vermutlich vor allem als Wohlfahrtsökonom ein Begriff, der das Konzept der „maximalen Ophelimität“ bzw. des maximalen Nutzens entwickelte, das heute gewöhnlich als „Pareto-Effizienz“, „Pareto-Gleichgewicht“ oder „Pareto-Prinzip“ bezeichnet und häufig in irreführender Weise paraphrasiert wird.“ (…)

https://sciencefiles.org/2019/07/12/verschwommenheit-in-vielen-kopfen-vilfredo-pareto-aktueller-denn-je/

Kommentar GB:

Sehr lesenswert! Ich zitiere eine Passage:

„Metaphysiker sind im Vergleich zu Ideologen meist relativ harmlos. Sie beschäftigen sich mit Hypothese, die die Erfahrung überschreiten, also mit Konstrukten und Vorstellungen, die nicht beobachtbar und (daher) überprpfbar sind – für Pareto bedeutet Erfahrbarkeit ja immer Beobachtbarkeit, auch durch andere, und nicht z.B. innere Erfahrung.

Dennoch kann sich Metaphysik schnell in Ideologie verwandeln, nämlich dann, wenn z.B. über die Allmacht eines Gottes und dessen Willen nicht mehr nur spekuliert wird, sondern sich Leute als Interpreten des göttlichen Willens und als Richter über seine Einhaltung aufspielen und ihre Doktrin anderen Menschen aufzwingen wollen. (Hervorhebung GB; dies trifft auf den Koran und den Islam zu.)

Dagegen führt kein Weg von der Metaphysik zur Wissenschaft, weil metaphysische Hypothesen eben nicht erfahrungsbasiert sind bzw. – nach dem Verständnis von Pareto von „erfahrungsbasiert“ – sich eben durch Nicht-Beobachtbarkeit bzw. Nicht-Prüfbarkeit auszeichnen, während sich wissenschaftliche Hypothesen gerade durch Erfahrungsbasiertheit, d.h. Beobachtbarkeit und Prüfbarkeit, auszeichnen.

Es trifft zu, dass auch wissenschaftliche Hypothesen letztlich auf Axiomen oder allgemeinen Prinzipien basiert, die ihrerseits nicht direkt oder nur schwerlich daraufhin überprüft werden können, ob sie zutreffen, z.B. wenn eine Hypothese über menschliches Handeln voraussetzt, dass Menschen prinzipiell danach streben, vernünftig zu sein. Aber solche Axiome oder allgemeinen Prinzipien haben in der Wissenschaft nicht den Status einer Doktrin. Vielmehr sind sich Wissenschaftler darüber bewußt, welche „letzten“ Annahmen sie machen; sie sind als Voraussetzungen für die Sinnhaftigkeit der wissenschaftlichen Hypothese prinzipiell mitteilbar, verhandelbar – und manchmal mit etwas Glück oder im Verlauf wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts anhand von Fakten zumindest probabilistisch prüfbar:“ (…) (Hervorhebung GB)