Warum gibt es eigentlich keine linke Geschlechterpolitik?

Über Autonomiefeminismus, Versorgungsfeminismus und die Frage, warum Linke heute so alt aussehen

Nicht alle Kritik an feministischen Positionen ist rechts, so wie auch nicht alle feministischen Positionen mit einer linken Politik vereinbar sind. 

„Antifeminismus als Demokratiegefährdung?! Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulismus“: Der Titel einer Broschüre  der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG), gefördert vom Bundesfamilienministerium, wird von der grünen Heinrich Böll Stiftung bestätigt: „Warum Rechtspopulismus und Antifeminismus so gut zusammenpassen“.  Dort erweckt Rolf Pohl im Interview den Eindruck, Kritik an feministischen Positionen basiere auf einer Idealisierung der bürgerlichen Kleinfamilie, und er vergleicht diesen „Sexismus“ umstandslos mit Antisemitismus.

Jeweils scheint es fraglos zu sein, dass Feminismus links und fortschrittlich ist, während eine Kritik daran – die vom „Antifeminismus“ in keinem Fall unterschieden wird – irgendwie von ganz weit rechts käme. Der selbstverständliche Gedanke, dass feministische Positionen politische Positionen sind und daher natürlich aus allen politischen Lagern kritisiert werden können, geht bei diesem Rechts-Links-Gleichschritt von Ministerium, Bundesarbeitsgemeinschaft, Parteistiftung und Soziologen mit seltsamer Selbstverständlichkeit verloren.

Tatsächlich wird Kritik an feministischen Positionen heute zu einem guten Teil von Linken und Liberalen formuliert. Doch während diese Kritik im Netz  und außerhalb davon längst Alltag ist, kommt sie in den Institutionen, die sich diffus als links verstehen, nicht an. Ein wesentlicher Grund dafür ist eine Uneinigkeit darüber, über welchen Feminismus eigentlich geredet wird.“ (…)

Alle Quellenangaben beziehen sich auf:

Arne Hoffmann (Hrsg.): Gleichberechtigung beginnt zu zweit. Können Feminismus und Maskulismus für eine ganzheitliche geschlechterpolitik zusammenwirken?, Baden Baden 2019

Warum gibt es eigentlich keine linke Geschlechterpolitik?