Medienspiegel

Der Mythos hoher muslimischer Geburtenraten

Veröffentlicht
26.01.2018

Die Furcht vor einer „Islamisierung Deutschlands“ und einer „Überfremdung“ – aufgrund behaupteter hoher Fertilitätsraten „der Muslime“ – hält sich immer noch in nicht wenigen Köpfen. Deshalb seien nachfolgend Daten und Fakten zusammengestellt, die erläutern, dass es mittlerweile ein Mythos ist und die Realität sich anders darstellt. Zum einen sinken die Fertilitätsraten „der Muslime“, zum anderen haben die Fertilitätsraten nur wenig bis gar nichts mit einer Religion zu tun.

Von Carsten Frerk

Der folgende Text gliedert sich in die Unterpunkte: Vorbemerkung / 1. Fertilitätsraten in „muslimischen Ländern“ weltweit / 2. Rahmenbedingungen für eine hohe Fertilität / 3. Die Situation in der Türkei / 4. Die Situation in Europa / 5. Die Situation in Deutschland und Österreich.

Vorbemerkung

„In dem Kontrast zwischen Meinung und Realität zeigt sich bei der Frage, wie viele Muslime im eigenen Land leben, eine deutliche Überschätzung des Anteils der Muslime. Im Schnitt werden doppelt so viele angenommen wie in der Realität, und in Deutschland ist das überdurchschnittlich. 2015 meinten die Befragten in einer Ipsos-Studie, dass die Muslime in Deutschland einen Anteil von 16 Prozent hätten (statt rund 5 Prozent) und im Jahr 2020 seien es dann 24 Prozent, also jeder Vierte in Deutschland.

Eines der immer wieder genannten Gründe dafür seien die hohen Geburtenraten muslimischer Frauen oder „der Muslime“.

1. Fertilitätsraten in „muslimischen Ländern“ weltweit

Die Weltbank hat für alle Länder der Welt auch die Fertilitätsraten erfasst, die hier für Indonesien, dem Iran und der Türkei dargestellt werden.“ (…)

https://fowid.de/meldung/mythos-hoher-muslimischer-geburtenraten

Kommentar GB:

Der Desinformation durch den obigen bagatellisierenden Artikel widerspricht hier:

Hartmut Krauss

Fertilitätsrate in Ländern mit hohem Anteil von Muslimen1

Niger 7, 0 (Kind/er pro Frau)

Die große Mehrheit der Nigrer bekennt sich zum Islam (95 % im Jahr 2007) – davon nahezu alle Sunniten aus der Rechtsschule Malikiten –, der Rest der Bevölkerung teilt sich in Christen und Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen.

Somalia 6,66

Die Bevölkerung Somalias gehört zu fast 100 % dem sunnitischen Zweig des Islam an. Davon sind etwa 80 % Schafiiten und 20 % Hanafiten. Die einzigen Nicht-Muslime in Somalia sind einige hundert Christen, die fast sämtlich ausländischer Herkunft sind. Die wenigen christlichen Somalier gehören der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche an.

Mali 6,35

Mali ist ein muslimisch geprägtes Land. Zwischen 85 %[84] und 90 %[85] der Bevölkerung bekennen sich zum sunnitischen Islam malikitischer Rechtsschule.

Tschad 6,31

Bei der Volkszählung 2009 waren 6.392.040 Personen oder 58,4 % der Gesamtbevölkerung Muslime, hauptsächlich die der sunnitischen Richtung malikitischer Schule. Nur noch 438.831 Menschen oder 4,0 % der Bevölkerung hängen traditionellen afrikanischen Lokalreligionen an. Die Mehrzahl der einheimischen Volksgruppen im Süden des Landes sind mittlerweile Christen. Nämlich 3.787.668 Menschen oder 34,6 % der Gesamtbevölkerung. Darunter waren 2.026.152 oder 18,5 % Katholiken und 1.761.516 oder 16,1 % Protestanten.

Nigeria 5,74

In Nigeria besteht eine kaum überschaubare Vielfalt an religiösen Gemeinschaften. Eine nigerianische Studie ermittelte 2003 Bevölkerungsanteile von 50,5 % für Muslime und 48,2 % für Christen. Auch zahlreichen anderen Schätzungen zufolge sind etwa 50 % der Nigerianer Muslime, zwischen 40 und 46 % sind Christen und der restliche Teil bekennt sich zu einer traditionellen afrikanischen Religion.

Burkina Faso 5,65

Mit 60,5 % sind heute über die Hälfte der Burkiner Muslime. Bis heute wird im Land eine undogmatisch-pragmatische Variante des Islam gelebt, der Elemente der traditionellen Religionen einbezieht, darunter ein Dodo genannter, ursprünglich ritueller Maskentanz im muslimischen Fastenmonat Ramadan, der heute von Jungen zur Unterhaltung und vor Zuschauern] aufgeführt wird.[27] Infolge intensiver Mission ist der Islam in stetigem Wachstum begriffen. Sammelverband der burkinischen Muslime ist die Communauté musulmane du Burkina Faso (CMBF), gegründet 1962.

Gambia 5,62

Gambias Bevölkerung ist zu 90 Prozent muslimisch, neun Prozent christlich und etwa ein Prozent gehört traditionellen indigenen afrikanischen Religionen an.

Afghanistan 5,26

Über 99,9 % der Bevölkerung sind Muslime, davon etwa vier Fünftel meist hanafitische Sunniten und ein Fünftel imamitische Schiiten. Daneben gibt es noch höchstens 15.000 Hindus, einige wenige hundert Sikhs und einen letzten bucharischen Juden: Zebulon Simentov. Über die Zahl der Christen ist wenig bekannt.

Tansania 5,24

Der Norden und das Küstengebiet sowie die ehemaligen Karawanenstraßen sind größtenteils bis stark islamisch geprägt. Zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung sind Muslime (auf Sansibar mindestens 98 Prozent). Als Dachorganisation der Muslime Tansanias fungiert BAKWATA (Baraza Kuu La Waislam Wa Tanzania), der 1968 gegründete „Oberste Rat für tansanische Muslime“ mit Sitz in Dar es Salaam. Im Binnenland hat sich das Christentum sehr verbreitet. Zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung sind christlich, die meisten davon katholisch.

Guinea 5,14

Die in Guinea vorherrschende Religion ist der sunnitische Islam. Muslime 85 %, ethnische Religionen 7 %, Christen 8 %.

Senegal 5,00

Senegal ist ein islamisch dominiertes Land: Zwischen 90 %[] und 94 % der Bewohner des Landes bekennen sich zum sunnitischen Islam; hier wiederum ist die Rechtsschule der Malikiten vorherrschend. Obwohl es gemäß seiner Verfassung ein laizistischer Staat ist und gegenüber anderen Religionen weitgehende Akzeptanz herrscht, spielen religiöse Würdenträger im politischen Tagesgeschäft eine große Rolle.

Guinea-Bissau 4,90

Nach Angaben der letzten Volkszählung 2009 sind 45,1 % Muslime, 22,1 % Christen (zumeist Katholiken) und 14,9 % bekennen sich zu afrikanischen Religionen. Allerdings machten 15,9 % der Einwohnerschaft keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit.

Mauretanien 4,88

Inzwischen sind annähernd 100 Prozent der Bevölkerung sunnitische Muslime, die der malikitischen Rechtsschule angehören. Die winzige Minderheit der mauretanischen Christen, vorwiegend Katholiken, spielt im öffentlichen Leben keine Rolle.

Sierra Leone 4,84

In Sierra Leone sind mehr als zwei Drittel aller Bewohner muslimischen Glaubens, etwa 20 Prozent folgen christlichen Glaubensrichtungen. Traditionelle Religionen spielen kaum eine Rolle.

Sudan 4,75

Im bis Juli 2011 auch den Südsudan umfassenden Sudan waren etwa 70 % der Bevölkerung sunnitische Muslime, 25 % Anhänger ethnischer Religionen und 5 % Christen.

Irak 4,55

Etwa 97 % der Bevölkerung sind muslimisch. Über 60 % sind Schiiten und zwischen 32 und 37 % Sunniten; die große Mehrheit der muslimischen Kurden ist sunnitisch. Christen, Jesiden und andere Religionen bilden mit ca. 3 % eine Minderheit[13][16] gegenüber etwa 25 % vor 100 Jahren.

Eritrea 4,40

Die Bevölkerung Eritreas teilt sich offiziell zu fast gleichen Teilen in Muslime (Sunniten) und Christen (Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche, Protestanten, Katholiken). Der vom US State Department herausgegebene International Religious Freedom Report ging für das Jahr 2007 von 50 Prozent Muslimen und 48 Prozent Anhängern des Christentums in Eritrea aus,[18] für das Jahr 2006 noch von 60 Prozent Muslimen und 37 Prozent Christen. Die Association of Religion Data Archives beziffert 50,15 Prozent Muslime und 47,91 Prozent Christen.

Jemen 4,40

Nahezu alle Einwohner des Jemen sind Muslime. Den größten Anteil stellen die Sunniten, mehrheitlich Anhänger der schafiitischen Rechtsschule. Eine große Minderheit (30–45 % der Bevölkerung) gehört den schiitischen Zaiditen an.[12] Im Nordjemen lebt eine kleine Minderheit Ismailiten sowie eine Diaspora weniger Juden (etwa 300). 4500 Religionsschulen wurden geschlossen, und ausländische Schüler der Einrichtungen wurden des Landes verwiesen. Die Anzahl der Christen wird auf wenige Hundert bis einige Tausend geschätzt.

Pakistan 3,72

Laut der Volkszählung von 1998 waren 96,3 Prozent der Einwohner Pakistans Muslime. Sie gehören verschiedenen Strömungen an, deren Stärken statistisch kaum bis gar nicht erfasst werden. Der überwiegende Teil der Pakistaner (bis zu 80 Prozent) praktiziert traditionell eine orthodoxe Form des Islam; besonders in Gebieten mit paschtunischer Mehrheit ist dies die Regel. Der Islam ist Staatsreligion. Religiöse Minderheiten, beispielsweise Hindus, werden (Stand 2016) stark unterdrückt und dürfen ihren Glauben in der Öffentlichkeit nicht zeigen.

Jordanien 3,60

93 Prozent der Jordanier bekennen sich zum sunnitischen Islam. Der Islam ist in Jordanien Staatsreligion. Mitglieder verschiedener christlicher Religionsgemeinschaften stellen zusammen gut fünf Prozent der Bevölkerung. Die jordanische Regierung verfolgt eine demonstrativ tolerante Politik gegenüber Christen und Juden im Land, gestattet den Bau von Kirchen und Synagogen und veranstaltet regelmäßig Religionsgespräche. Dennoch ist auch in Jordanien Islamismus ein wachsendes Problem.

Tadschikistan 3,50

Die Einwohner Tadschikistans sind zu über 90 % Anhänger des Islam, vorwiegend sunnitisch. Lediglich im Osten gibt es einige Anhänger des schiitischen Islam, vor allem Ismailiten. Daneben leben auch ungefähr 230.000 (3,1 %) Christen im Land (Russisch-Orthodoxe, Evangeliumschristen-Baptisten, Tadschikische Katholiken, Siebenten-Tags-Adventisten, Koreanische Protestanten, Tadschikische Lutheraner sowie Zeugen Jehovas).

Ägypten 3,38

Etwa 90 % der Einwohner Ägyptens bekennen sich zum sunnitischen Islam, Schiiten und Ahmadis haben zahlenmäßig nur eine sehr geringe Bedeutung. Viele ägyptische Muslime gehören einem sufischen Orden an. Besonders verbreitet sind die Schādhilīya, die Chalwatīya, die Badawīya und die Burhānīya.

Kirgisistan 3,12

Kirgisistan ist seit der Islamisierung im 10. bis 19. Jahrhundert bis heute vorwiegend muslimisch geprägt. 75 % der Einwohner sind heute sunnitische Muslime der hanafitischen Rechtsschule. Auch die im Land lebenden Minderheiten der Uiguren, Dunganen und Usbeken sind in der Regel Muslime. Besonders seit der staatlichen Unabhängigkeit erleben die Religionsgemeinschaften, insbesondere der Islam, wieder eine Art Renaissance. Kirgisistan sieht sich in letzter Zeit zunehmend auch mit dem Wirken von muslimischen Fundamentalisten konfrontiert. Die zweitstärkste religiöse Gruppe ist das Christentum, 20 % der Bevölkerung sind russisch-orthodox, während ein anderer Teil auf die Nestorianer zurückgeht. Die Angehörigen der deutschen Minderheit sind teils Katholiken, teils Lutheraner. Weitaus kleinere Minderheiten bilden bucharische Juden und Buddhisten.

Syrien 3,10

Etwa 74 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, deren Glaubensverständnis regional unterschiedlich ist. Noch in den 1980er Jahren trug nur eine Minderheit der Frauen in Damaskus das Kopftuch (Hidschab); 2006 hingegen trug es die Mehrheit. Alawiten (Nusairier) machen etwa 12 % der Gesamtbevölkerung aus. Schiiten sind mit 2 % in Syrien eine kleine, wenig einflussreiche Minderheit. Etwa 10 % der Bevölkerung sind Christen verschiedener Konfessionen;[1920 waren es noch 30 %.

Turkmenistan 3,00

Etwa 90 % der Bevölkerung sind Muslime (Sunniten der hanafitischen Rechtsschule und Schiiten mit etwa 120.000 Anhängern). 9 % gehören der Russisch-Orthodoxen Kirche an.[14] Als weitere bedeutende religiöse Minderheiten sind folgende Gemeinschaften vertreten: Jüdische Religion, Römisch-katholische Kirche, Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten, Neuapostolische Kirche und Bahai.

Algerien 2,96

Nach offizieller Statistik bekennen sich etwa 99 % der Bevölkerung zum Islam. Eine Minderheit, vor allem in Algerien lebende Ausländer und konvertierte Algerier, gehören dem Christentum in Algerien an, traditionellerweise der katholischen Kirche Algeriens.

Oman 2,90

Staatsreligion ist der Islam. Nach einer Schätzung von 2017 sind 85,9 % der Bewohner Omans Muslime, 6,5 % Christen, 5,5 % Hindus und 0,8 % Buddhisten. Unter den omanischen Staatsbürgern, die insgesamt nur 60 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind 95 % Muslime (45 % Ibaditen, 45 % Sunniten, 5 % Schiiten) und 5 % Angehörige anderer Religionen (Christen, Hindus, Buddhisten).

Saudi-Arabien 2,73

Die Haupt- und Staatsreligion ist der hanbalitische Islam in seiner wahhabitischen Prägung, dem 73 % der Bevölkerung, vor allem im Nadschd und im Norden, angehören. Andere Sunniten stellen 12 % der Bevölkerung, Schiiten etwa 10 bis 15 %. Die Schiiten leben vor allem im Osten des Landes, ismailitische Schiiten in der südlichen Provinz Nadschran. Seit Ibn Saud im Jahre 1913 die östliche Provinz al-Hasa eroberte, mussten die Schiiten darauf achten, durch ihre Art der religiösen Praxis die Sunniten nicht zu „belästigen“. Im Jahre 2012 bezeichneten sich bei einer Umfrage von Gallup 19 % der befragten Saudi-Araber als „nicht religiös“ und weitere 5 % als „überzeugte Atheisten“.

Kasachstan 2,70

70 % der Bevölkerung sind Muslime und 26 % Christen. Daneben gibt es in den Städten kleine Gemeinden der Juden.

Marokko 2,60

Staatsreligion ist der Islam. Rund 98,7 % der Bevölkerung sind Muslime, davon 90 % Sunniten malikitischer Richtung. Rund 0,1 % der Einwohner bekennen sich zum Christentum (meist Katholiken),[17] die meisten davon Europäer sowie afrikanische Migranten – siehe auch Christentum in Marokko – sowie noch geschätzte 2000 Menschen zum Judentum. In der Volksreligion ist der Glaube an Geister – als Erbe vorislamischer Berber sowie afrikanischer Einflüsse – tief verwurzelt.

Indonesien 2,45

87 % der Indonesier sind Muslime (etwa 225 Millionen). Dabei hängen die meisten der sunnitischen Richtung an. In Indonesien leben nur etwa 100.000 Schiiten. Viele Indonesier praktizieren eine synkretistische Form des Islam. Anhänger dieser Form wurden vom Ethnologen (Kultur- und Sozial-Anthropologen) Clifford Geertz als Abangan bezeichnet, im Gegensatz zu den Santri, die sich am dogmatischen Islam orientieren. 26 Millionen Indonesier, also 10 % der Bevölkerung, sind Christen (etwa 7 % evangelisch und 3 % Mitglieder der römisch-katholischen Kirche in Indonesien).

Libyen 2,40

97 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, vorwiegend malikitischer Richtung. Die traditionsbewussten Berberstämme gehören mehrheitlich der islamischen Sondergemeinschaft der Ibaditen an. Es gibt noch rund 74.000 Katholiken in Libyen, einige koptische und einige griechisch-orthodoxe Christen. Die meisten christlichen Kirchen wurden nach der Machtübernahme Gaddafis 1969 geschlossen. Die Nachfahren der nach den Pogromen von 1948 verbliebenen etwa 7000 jüdischen Libyer emigrierten nach dem Sechstagekrieg.

Usbekistan 2,38

Ca. 89 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, etwa 8 % russisch-orthodox (meist Angehörige der russischen Minderheit). Darüber hinaus gibt es schiitische Muslime (vor allem in Buchara und Samarkand) sowie Angehörige anderer christlicher Konfessionen in Usbekistan (Angehörige der Armenisch-Apostolischen Kirche, der Katholischen Kirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirche und diverser protestantischer Gemeinden) sowie Juden (ca. 93.000 Gläubige, siehe Usbekische Juden), Buddhisten, Anhänger des Bahaismus und Anhänger der Lehren Krishnas.

Tunesien 2,25

Der Islam ist in Tunesien Staatsreligion;[29] 98 % der Bevölkerung bekennen sich zu diesem Glauben. 85 % der tunesischen Muslime gehören dem malikitischen Madhhab der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam an. Der Rest sind Hanafiten[30] und Ibaditen. Christen und Juden sind kleine Minderheiten, aber das Land war gegenüber religiösen Minderheiten tolerant. Seit der Revolution 2011 erhalten radikale salafistische Strömungen starken Zulauf.

Malediven 2,22

Der Islam ist die alleinige Staatsreligion. Religionsfreiheit wird ausdrücklich ausgeschlossen: Die öffentliche Religionsausübung jeder anderen Religion ist verboten und unterliegt strafrechtlicher Verfolgung. Das muslimische Glaubensbekenntnis ist Bedingung für die maledivische Staatsbürgerschaft, seit der Verfassungsrat im Dezember 2007 eine Verfassungsänderung verabschiedete (Artikel 9 Absatz D der neuen Verfassung). Auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex des christlichen Hilfswerks Open Doors stehen die Malediven auf Platz 13 (Stand 2018).

Bangladesch 2,22

Die Mehrheit der Bevölkerung, rund 90 Prozent, bekennt sich zum Islam. Davon bildet ein Großteil die sunnitische Glaubensrichtung, Schiiten sind in einer Minderheit vorhanden. Der Islam ist in Bangladesch Staatsreligion. Ein bis dahin seit 28 Jahre anhängiges Verfahren zur Streichung dieses Passus aus der Verfassung, wurde vom Hohen Gericht des Landes 2016 abgelehnt. Der Hinduismus ist mit knapp neun Prozent und der Buddhismus mit weniger als einem Prozent vertreten. In der längeren historischen Übersicht hat der relative Anteil von Muslimen kontinuierlich zugenommen, während der Anteil von Hindus abgenommen hat. Nach der offiziellen Bevölkerungsstatistik 1941, d. h. im letzten Zensusjahr vor der Teilung Indiens, lebten im Gebiet des späteren Bangladesch 70,3 % Muslime und 28,0 % Hindus. Nach der Unabhängigkeit Bangladeschs waren es im Jahr 1974 85,4 Prozent Muslime und 13,5 Prozent Hindus, während diese Zahlen im Jahr 2011 bei 90,4 und 8,5 Prozent lagen.

Türkei 2,12

Nach offiziellen Statistiken sind etwa 99 % der türkischen Bevölkerung Muslime, davon sind ca. 82 % Sunniten, 16 % Aleviten und 1–2 % Alawiten. Außerdem leben in der Türkei 0,2 % Christen (125.000) und 0,04 % Juden (23.000). Auch eine kleine Anzahl von Jesiden und der Dönme lebt hier. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten jedoch noch etwa 20 % Christen (insbesondere Armenier und Griechen) auf dem Gebiet der heutigen Türkei und 1923 wurden über 120.000 Juden gezählt.

Bahrain 2,12

Der Islam, dem 70,2 % der Gesamtbevölkerung (einschließlich ausländischer Staatsangehöriger; Stand: Volkszählung 2011) angehören, ist Staatsreligion. Der größte Teil der bahrainischen Staatsangehörigen ist – anders als in den benachbarten arabischen Staaten, jedoch ebenso wie in der benachbarten saudischen Ostprovinz asch-Scharqiyyaschiitisch. Das Herrscherhaus selbst ist sunnitisch. Die Volkszählung 2001 ergab einen Anteil von 9 % Christen an der Gesamtbevölkerung und 9,8 % Anhänger sonstiger Glaubensrichtungen, vor allem des Hinduismus.[

Malaysia 2,11

Der Islam, zu dem sich 60 % der Bevölkerung bekennen, ist Staatsreligion. Bis weit in die 1970er Jahre galten viele muslimische Malaien als liberal (ähnlich den Abangan im heutigen Indonesien). Mit der Dakwah, einer islamischen Erweckungsbewegung, setzte jedoch eine Islamisierungswelle ein (ausgelöst durch verschiedene ethnische und soziale Konflikte, so dass Malaysia heute orthodox-islamisch ist. – Die Malaien, die 50,4 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind praktisch alle Muslime. Nach der Verfassung des Landes sind alle ethnischen Malaien von Geburt an automatisch Muslime. Sie können keine Andersgläubigen heiraten. – Die Chinesen sind meist Buddhisten (20 %) oder gehören anderen chinesischen Religionen wie dem Daoismus oder Konfuzianismus an (2,6 %). Christen (9 %) gibt es in allen ethnischen Gruppen. Die Inder bestehen aus Hindus und Sikhs (6,5 %).

Aserbaidschan 2,10

Vorherrschende Religion ist der schiitische Islam, der im 8. Jahrhundert von arabischen Eroberern verbreitet wurde. Aserbaidschan ist neben dem Iran, dem Irak und Bahrain eines der wenigen Länder mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit: 85 % der muslimischen Aserbaidschaner sind Schiiten, 15 % Sunniten.

Kuwait 2,05

Die Bevölkerung ist überwiegend muslimisch, davon sind 65 % Sunniten und 35 % Schiiten. Der Islam ist Staatsreligion. Der römisch-katholischen Kirche gehören 6 % der Bevölkerung an. Die restlichen 9 % umfassen vorwiegend andere christliche Konfessionen, Hindus und Parsen.

Katar 2,00

Katar hatte in den letzten Jahrzehnten eine der am schnellsten wachsenden Bevölkerungen der Welt. Aufgrund einer relativ hohen Geburtenrate und starker Einwanderung expandierte Katars Einwohnerzahl von ca. 50.000 im Jahr 1950 auf 2.700.000 im Jahr 2017. Bei rund 300.000 Katarern ist fast nur jeder neunte Einwohner Inländer. Jeder dritte ist indischer oder pakistanischer, jeder sechste nepalesischer Abstammung und etwa 7 % stammen aus anderen arabischen Ländern. Das Bevölkerungswachstum lag zwischen 1994 und 2004 bei 4,2 %. Der Anteil der unter 15-Jährigen betrug 2016 12,6 %. Im selben Jahr lebten 99,2 % der Einwohner in Städten. Weil fast alle Gastarbeiter männlich sind, hat Katar das unausgeglichenste Geschlechterverhältnis weltweit. Im Jahr 2016 kamen auf jede Frau in Katar 3,4 Männer. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion und die meisten Inländer sind strenggläubige Wahhabiten. Unter den Ausländern herrschen Schiiten vor; ferner gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus, 70.000[12] Christen und ungefähr 3000 Juden, wobei die Anzahl auf bis zu 15.000 geschätzt wird.

Brunei 1,90

Die Volkszählung von 2001 ergab, dass 75 Prozent der Einwohner Bruneis Muslime sind. Der sunnitische Islam schafiitischer Rechtsschule, zu dem sich die Malaien bekennen, ist Staatsreligion. Etwa 9 Prozent der Bevölkerung gehören dem Christentum in Brunei an (unter anderem der katholischen Kirche von Brunei). Etwa 8,5 Prozent bekennen sich zum Buddhismus.Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1984 basiert das Strafgesetz von Brunei Darussalam auf dem islamischen Scharia-Gesetz und dem britischen Common Law. Im April 2014 wurden die Gesetze dahingehend geändert, dass die Todesstrafe durch Steinigung wieder regelmäßig durchgeführt werden kann. Die neuen Rechtsnormen könnten bereits 2018 erstmals Anwendung finden. Mit dem Tode bestrafbar sind demnach Mord, Raub, Vergewaltigung, Ehebruch sowie außereheliche sexuelle Beziehungen zwischen Muslimen, aber auch Schmähung des Korans und öffentlicher Abfall vom Islam sowie Homosexualität. Der Sultan des Landes äußerte dazu: „Brunei als ein von Allah gesegnetes Land braucht keine Genehmigung von wem auch immer, um den Islam als nationale Religion zu wollen. Genauso wenig fragen wir, wenn wir die Scharia als Grundlage des Rechtes einführen. Allah weist uns den richtigen Weg.“[21] Die Strafen würden auch Nichtmuslime treffen. Beobachter werten dies als Zugeständnis an die islamistischen Kräfte des Landes.

Vereinigte Arabische Emirate 1,82

Von den 9.157.000 Einwohnern sind 1.062.000 Staatsbürger der VAE und 8.095.000 ausländische Arbeitsmigranten, was einer Ausländerquote von fast 90 % entspricht (Stand 2015). Von den inländischen Staatsbürgern sind wiederum 70 % Araber, darunter 10 % Nomaden. Die übrigen 30 % verteilen sich auf ethnische Iraner, Inder, Bangladescher, Pakistaner und Philippinos. Von der gesamten Bevölkerung kamen 2015 knapp 60 % aus Südasien. 20,9 % der Bevölkerung waren 2016 jünger als 15 Jahre. Dadurch, dass die meisten Arbeitsmigranten Männer sind, haben die VAE eine der unausgeglichensten Geschlechterverhältnisse weltweit. 2016 kamen auf 100 Frauen 218 Männer. – 76 % der Gesamtbevölkerung (Staatsbürger und Einwanderer zusammen) sind Muslime, 9 % der Bevölkerung sind Christen und die übrigen 15 % vor allem Hindus und Buddhisten. Anderen Angaben zufolge soll der Anteil der Christen vor allem unter den Ausländern deutlich höher liegen. Unter den Staatsbürgern liegt der Anteil der Muslime bei 96 %.

Iran 1,75

Trotz Modernisierung und einer 50 Jahre dauernden Säkularisierung unter den Pahlavi ist der Iran heute ein Staat, in dem die Religion fast jeden Aspekt des sozialen Lebens durchdringt. Die Volkszählung des Jahres 2011 ergab, dass 99,4 % der Bürger des Iran Muslime sind. Es wird geschätzt, dass sich 89 % bis 95 % der Iraner zur Staatsreligion der Zwölferschia und die verbleibenden 4 % bis 10 % zum sunnitischen Islam bekennen.[