Die Existenzkrise der SPD

Partei ohne Erzählung [?]

„Man kann dieser Tage den Eindruck bekommen, dass die Sozialdemokraten davon überzeugt sind, ihren dramatischen Niedergang strikt formal und bürokratisch aufhalten zu können: Da wird mit Blick auf den wieder einmal neu zu bestimmenden Parteivorsitz voller Eifer über Doppelspitzen und Einzelbewerber diskutiert, über vorgezogene Parteitage und was diese wohl kosten werden, über Online-Abstimmungen, Regionalkonferenzen und Halbzeitbilanzen. Die Krise der Partei ist historisch – und vielen Mitgliedern ist dies durchaus bewusst –, die Reaktionen aber sind auf fast schon beängstigende Weise normal: keine Richtungsdebatten, kein Grundsatzstreit, nicht einmal ein Wutausbruch. Es herrscht, vornehm gesprochen, eine „narrative Leere“ in der Partei. Die Sozialdemokraten wissen ganz offensichtlich nicht mehr, was sie wollen, und auch nicht mehr, was sie wollen sollen.“ (…)

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2019/august/partei-ohne-erzaehlung-die-existenzkrise-der-spd

Kommentar GB:

Dieser Artikel offenbart die ganze intellektuelle Hilflosigkeit derjenigen, die immer noch nicht begriffen haben, warum es mit der SPD abwärts geht. In postmoderner Manier wird falsch diagnostiziert, es liege angeblich an „einer fehlenden Erzählung“ (akademisch aufgehübscht: einem fehlenden Narrativ), also dem Märchenkram, dem mutmaßlich in evangelischen Stuhlkreisen gerne gelauscht wird, anstatt eine sozioökonomische, soziopolitische und soziokulturelle Lageanalyse vorzulegen, was dringend geboten wäre. Aber ist in der SPD irgend jemand zu einer solchen Analyse überhaupt in der Lage? Wohl kaum …