Dreistellige Millionenbeträge für Gender-„Forschung“

Was sich mit Wettbewerb und Freiheit der Forschung alles begründen lässt. Bislang wurde Genderforschung mit rund 200 Millionen Euro gefördert, allein 2018 gab es 19,5 Millionen für 267 Projekte; 2017 waren es für 220 Projekte 16,8 Millionen.

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/dreistellige-millionenbetraege-fuer-gender-forschung/

was den Grünen noch nicht reicht:

https://www.fr.de/wissen/gruene-wollen-genderforschung-staerker-foerdern-12882057.html

ergänzt durch

https://www.mvbz.org/docs/tabellarische-darstellungen.pdf

Kommentar GB:

Günter Buchholz

Gender Studies – Die Niedersächsische Forschungsevaluation und ihre offenen Fragen

(…) [Unter (a) – hier ausgelassen – findet sich die kritische Analyse der Verfassungsrechtsnorm; Art. 3 GG]

b) Die Hochschulen „tragen zur Förderung der Frauen- und Geschlechterforschung bei.
Damit ist die die Frauen- und Geschlechterforschung, die Gender – Studies (kurz: GS), normativ als Aufgabe des Landes Niedersachsen und seiner Hochschulen im Niedersächsischen Hochschulgesetz (NHG) verankert worden. Das ist deshalb ungewöhnlich, weil wissenschaftliche Forschung sowieso eine Hochschulaufgabe darstellt:
Art. 5 GG (3) lautet: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der
Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“ Und Art 20 (4) ergänzt: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“
Deshalb stellt die besondere Erwähnung der Frauen- und Geschlechterforschung eine juristisch und möglicherweise auch faktische Hervorhebung dar, die schon deshalb rechtlich problematisch sein könnte – was noch zu prüfen wäre.
Ein weiterer Grund für Zweifel besteht darin, dass im NHG unterstellt worden ist, dass die Gender – Studies wissenschaftlich sind. Aber sind sie das?
Wenn es sich bei den Gender – Studies lediglich um Bündel von bisher unberücksichtigten
Forschungsfragen handelte, dann könnten diese ohne weiteres und ohne ein spezifisches
Vorverständnis innerhalb der bestehenden Wissenschaften mit ihrer jeweiligen bekannten Methoden bearbeitet werden, indem entsprechende Forschungsvorhaben aufgesetzt und abgewickelt werden.
Diejenigen Hypothesen, die zu Forschungsfragen würden, könnten im Forschungsprozess
methodisch einwandfrei und nachvollziehbar überprüft, d. h. bestätigt oder widerlegt werden.
Wenn die Frauen- und Geschlechterforschung demgegenüber als besonderer wissenschaftspolitischer Zusammenhang gesehen wird und als solcher existiert, dann erscheint das nur sinnvoll im Hinblick auf ein unausgesprochenes Vorverständnis, auf eine Leitideologie, die aus wissenschaftlicher Sicht jedoch gerade keine Rolle spielen dürfte.

Für diese wissenschaftspolitische Besonderung der Gender Studies muss es in Absetzung zu den
bekannten Wissenschaften Gründe und spezifische Unterschiede geben. Aber welche sind das? Und wird der beanspruchte Wissenschaftscharakter der Gender – Studies davon berührt? Kann die beanspruchte Wissenschaftlichkeit der Gender – Studies jenseits bloßer Behauptungen erwiesen werden oder nicht, und zwar insbesondere im Hinblick auf Wissenschaftstheorie und Methodik?
Sollte sich herausstellen, dass die Gender – Studies nicht wissenschaftlich sind, dann würde daraus folgen, dass sie von den Hochschulen nicht gefördert werden dürften, weil die Aufgaben der Hochschulen nach Art. 5 GG auf Forschung und Lehre im wissenschaftlichen Sinn beschränkt sind. Daraus ergibt sich auch, dass sie nicht fördern dürfen, was nicht wissenschaftlich ist. Selbst der Gesetzgeber des Landes ist nicht dazu befugt, an Hochschulen etwas anderes zu betreiben als eben: Wissenschaft – also wissenschaftliche Forschung und wissenschaftsbasierte Lehre. Was hierzu nicht gehört, das gehört nicht an die Hochschulen.
Beispielsweise mag man der Auffassung sein, bestimmte Fragen und Aspekte seien im Kontext der Ökonomik oder bestimmter ökonomischer Paradigmen bisher unberücksichtigt geblieben oder fragwürdig beantwortet worden. Dann spricht nichts dagegen, diese als neue Forschungsfragen in den Forschungsprozess einzubringen und zu bearbeiten, und zwar nach den methodischen Standards der Forschung, die innerhalb der Wissenschaft Anerkennung gefunden haben.

Selbst wenn es hier innerhalb einer Wissenschaften Differenzen gibt, wie sie sich z. B. in der
kritischen Koexistenz verschiedener Paradigmen (oder Denkschulen) zeigen, so gibt es trotz
wechselseitiger Kritik doch auch große Schnittmengen im Hinblick auf die verwendeten Methoden. Eine rationale Auseinandersetzung bleibt so, Motivation und guten Willen vorausgesetzt, jederzeit möglich, und sie ist selbstverständlich immer wünschenswert, denn durch sie konstituiert sich die scientific community jenseits aller paradigmatischen Differenzen.
Um nun die Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Gender Studies auszuräumen, wäre eine entsprechende öffentliche Prüfung, eine Forschungsevaluation notwendig; für Lehrangebote im Feld der Gender – Studies würden dem offizielle und öffentlich zugängliche Akkreditierungen der jeweiligen Studiengänge entsprechen. Man sollte nun, wenn die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies in Forschung und Lehre unproblematisch wäre, so wie das angesichts ihres positiven Selbstbildes eigentlich zu erwarten wäre, vermuten, dass es Evaluationen der Forschung und Akkreditierungen der Lehre nach mittlerweile drei Jahrzehnten geben müsste, und dass diese öffentlich zugänglich seien. Das ist jedoch bemerkenswerterweise nicht der Fall. Und deshalb fragt man sich sofort, warum das so ist.“ (…)

https://serwiss.bib.hs-hannover.de/frontdoor/index/index/docId/405