Jeffrey Epstein. Neid, Mißgunst und die armen Opfer

12. August 2019

Dr. Gudrun Eussner

 

Liebe Freunde!

Lange habt Ihr kein Geblöke mehr von mir vernommen, meine Herrin hat alles an sich gerissen und mich nicht für würdig befunden, mit meinen Klauen in die Tasten zu hauen. Möhren und anderes Gemüse, Wasser und frisches Heu, habe ich aber immer erhalten. „Man weiß ja nie,“ seufzte sie, „ob ich dich nicht nochmal brauche. Dann solltest du wohlgenährt sein.“ Ich durfte auch immer von meinem Pferch vorm Ferni aus teilnehmen an den Weltereignissen, so daß sie mich nicht groß einweihen mußte in den Sachverhalt, der ihr die Sprache verschlägt, in den Fall des Jeffrey Epstein.

„Herrin, was ist denn nicht zu verstehen an Was Epstein ’suicided?“ wage ich zu blöken.

„Nimm nur einmal den Artikel der WELT, vom 11. August 2019, 14:22 Uhr. FBI untersucht den Tod von Multimillionär Epstein, lautet die Überschrift. Unter dem Video (1:45) steht, daß es um den ‚wegen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagte US-Milliardär Jeffrey Epstein‘ geht, der ‚tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden‘ wurde. Er war ‚Hedgefonds-Manager‘. Das Kampfblatt der Demokraten New York Times ‚und andere Medien berichteten nun, er habe sich schlussendlich erhängt‘. Derweil verbreite Donald Trump Verschwörungstheorien über Jeffrey Epstein und die Clintons.“

Die Sächsische Zeitung ist noch reißerischer aufgemacht; sie titelt: Inhaftierter Milliardär Jeffrey Epstein ist tot. Dort ist er unterm Foto nur Millionär. In der Alpen-Prawda ist er Multimillionär: „Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt worden. Epstein drohten bis zu 45 Jahre Haft. Er plädierte auf nicht schuldig.“

In meinem Lokalblatt L’Indépendant, vom 11. August 2019, ist Jeffrey Epstein im Untertitel zum Artikel Milliardär, im Text Millionär: Jeffrey Epstein se suicide. Jeffrey Epstein begeht Selbstmord. „Jeffrey Epstein se suicide“ bringt bei Google 11 800 Ergebnisse in 0,26 Sekunden. In den meisten Überschriften ist er Millionär, vor allem aber Banker, financierIn der Daily Mail ist er Milliardär.

Aus allen Artikeln springt einen der Neid der Mitarbeiter der Nachrichtenagenturen und der Medienschaffenden an: So sind sie die Reichen! Mehr an Nachrichten haben sie für uns nicht übrig.“

„Selbstverständlich läßt kein Medium aus, daß auch Donald Trump den Verbrecher kannte,“ blöke ich. „DIE WELT bringt es im Video, ab 1:05, wo es sich um Aufnahmen aus den Jahren 1992 und 2000 handelt, und den Vogel schießt einmal mehr die FAZ ab, die das Foto als Anreißer bringt.“

Meine Herrin kommentiert: „Da weiß man sofort, worum es geht, nicht um den Sex-Skandal des Jeffrey Epstein, sondern darum, Donald Trump stellvertretend anzuklagen: Ein Mann mit den besten Verbindungen, nämlich des Jeffrey Epstein zu Donald Trump. Der Angeklagte im FAZ-Artikel ist Donald Trump.  Der war seinerzeit Immobilienmakler.

Der FOCUS legt, Jeffrey Epstein sagt eh nichts mehr, den Lesern den tatsächlich Schuldigen nahe, in dem er den viel zitierten Spruch bringt: ‚Trump bezeichnete Epstein 2002 im New York Magazine als ‚großartigen Typen‘, von dem es heiße, ‚dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind jünger‘.“ Ungefähr 60 Ergebnisse (0,36 Sekunden).

„Er ‚verbreitet Verschwörungstheorie über Epstein und Bill Clinton‚,“ blöke ich. „Du kennst doch die mißgünstigen Qualitätsjournalisten!“ Warum regt dich das auf?“ Sie schaut grübelnd in die Ferne: „Ja, stimmt, weiß ich auch nicht! Oder, warte mal, doch, es regt mich auf, weil so gar nicht die Aktivitäten der Opfer beleuchtet werden. Das sind etwa 80 junge Mädchen, die jüngsten 13 Jahre alt. Wie kommen die dorthin, auf die Insel, in die Clubs und die sonstigen in den USA verstreuten Puffs des Jeffrey Epstein?“

„Herrin, frag mal den Analysten Klaus Brinkbäumer, blök! Auf ZeitOnline, 11. August 2019, weiß der besonders gut Bescheid über die Täter und über ‚konspiratives Gestrüpp‘. MehdiDegirmenci hat dazu das passende Foto von Donald und seinem Freund Jeffrey. Wie aber ging das konkret, das Zuführen von Mädchen? Darüber schweigt der Analyst.“

Umgehend folgt mir meine Herrin: „Ich habe jetzt eine Frage, sehr geehrter Analyst: Muß man annehmen, daß diese Kinder im Haus, auf dem Anwesen, auf dem Grundstück des Jeffrey Epstein gefangen gehalten wurden? Sie durften tagelang nicht weg? Es gab keine Gelegenheit abzuhauen? Die Eltern der Kinder haben diese nicht vermißt? Wie ist das tatsächlich abgelaufen? Die gefangen gehaltenen Sex-Sklavinnen mußten in Verliesen mit den genannten Männern schlafen?“
„Ich weiß ebenfalls nicht, was das soll,“ blöke ich. „Frag ihn doch, ob er weiß, wie das konkret ging, daß die Kupplerin Ghislaine Maxwell ihm jahrelang immer neue Mädchen zuführte. Hat sie die entführt? Hat sie hohe Summen geboten? Angeblich suchte sie nach Arbeitskräften.“
„Hilfäää,“ kreischt meine Herrin, „Hilfäää, ‚Massage‘ war das Codewort.“

Meine Herrin kriegt sich nicht ein vor Lachen. „Arbeitskräfte für ‚Massage‘? Und die Mädchen haben nichts gemerkt? Oder wußten sie, was abgehen sollte und waren stolz, dazu zu gehören? Jetzt packen sie aus, klagen an, und der Analyst findet sie mutig? ‚Sie wurden in einen Raum geleitet, wo sie Epstein nackt oder halbnackt massierten.‘ Ich kann nicht mehr! Es ist ja wie bei Brett Kavanaugh!

‚Als Sexsklavin sei sie gehalten worden, sagt Virginia [Roberts] Giuffre, eine von vielen mutigen Aussagewilligen. … Virginia Giuffre sagte aus, sie habe mit Tom Pritzker, dem Hyatt-Chef, und Jean-Luc Brunel, Gründer der Modelagentur MC2, schlafen müssen,‘ weiß ZeitOnline. Wo sind die Eltern der Virginia Roberts? Fällt ihnen nicht auf, daß ihr Kind nicht zu Hause ist? Jeffrey Epstein beginnt, sie zu mißbrauchen, als sie 16 Jahre alt ist. Er und seine damalige Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell führen ihr, irgendwann im Jahr 2001, als ersten mächtigen Freier den Hedgefonds-Milliardär Glenn Dubin zu. Wie muß ich mir das vorstellen?“
Meine Herrin versinkt in Erinnerungen: „Schon Ende der 50er Jahre wußte ich, was ‚Massage‘ bedeuten kann, weil nämlich echte Masseurinnen und Masseure, die ich kannte, das immer dazu sagten: Also richtig, auf Krankenschein! Dabei grinsten sie.

1959  lernte ich einen Bildhauer kennen, genauer gesagt, ‚den‘ Herforder Bildhauer. Ich war 17, er 36 Jahre alt, ein ‚alter Mann‘. Eines Tages erzählte er mir von nächtlichen Zusammenkünften in privaten Kreisen. Eine bestimmte Clique, aus der ich einige Herren als seriöse, reiche Geschäftsleute kannte, schickten jeweils einen aus ihren Reihen aus ins nächtliche Herford. Vorher wurde gewettet, ob der entsandte mit einem jungen Mädchen, gar mit einer Jungfrau wieder käme. Letzteres erhöhte den Wetteinsatz und den Gewinn. Als ich meinte, das wollte ich doch auch einmal erleben, wurde er sehr streng. Er war mein Mentor, las meine Gedichte von Tod und Trauerweiden, sah meine Begabung und vermittelte mich an die Westfälische Zeitung, wo ich als freie Mitarbeiterin gute Honorare einfuhr.

Schaf, ich versichere dir, keines der Mädchen hätte auf Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein eingehen müssen. Und wo waren die Eltern? Erst recht bei 13-jährigen?  Wie konnten die zur ‚Massage‘ angeworben werden? In meinem Fall hätte ich einfach nicht um 21 Uhr nach Hause kommen können. Ob ich um 23 Uhr oder um 2 Uhr angekommen wäre, die Prügel wären die gleichen gewesen. Ich hätte das gemacht, und die Verantwortung hätte bei mir gelegen. Aber der Bildhauer hat mich davor bewahrt: ‚Das ist nichts für dich,‘ sagte er wie damals meine Oma, ‚du gehe deinen Weg‘!“

Ich weiß, daß meine Herrin und ich jetzt Schelte kriegen, aber wir sehen es trotzdem so!

Kommentar GB:

Die Nachdenkseiten schreiben zu diesem Thema:

Jeffrey Epstein stirbt an „Selbstmord“

Ein Artikel von: Redaktion

Wer es sich mit Blick auf den Prozess gegen den Millionär, Mädchenhändler und Minderjährigen-Vergewaltiger Jeffrey Epstein schon mit Bier und Chips vor der Glotze bequem machen wollte in der Hoffnung, bald pikante Details über die Verbrechen der politischen, gesellschaftlichen und Finanz-Elite zu erfahren, muss ernüchtert sein. Epstein, der im Verdacht steht, prominenten Bekannten minderjährige Mädchen zugeführt zu haben, hat sich offenbar in seiner Gefängniszelle das Leben genommen. Ein Streiflicht der australischen Journalistin und Bloggerin Caitlin Johnstone, übersetzt von Susanne Hofmann.

Jeffrey Epstein stirbt an „Selbstmord“

und die NZZ schreibt:

https://www.nzz.ch/international/usa-der-tod-von-jeffrey-epstein-wirft-viele-fragen-auf-ld.1501220

sowie

https://www.nzz.ch/panorama/weshalb-der-fall-epstein-der-trump-regierung-probleme-macht-ld.1494770

https://www.nzz.ch/panorama/fall-epstein-politiker-stuenden-in-verbindung-mit-sexhandelsring-ld.1501061