Medienspiegel

Mus­lima darf in Bade­be­k­lei­dung duschen

VG Halle zur Religionsfreiheit

21.08.2019

Eigentlich sieht die Badeordnung eines Schwimmbades in Sachsen-Anhalt vor, ohne Bekleidung zu duschen. Das gelte aber nicht für eine gläubige Muslimin vor dem Schwimmunterricht, die sich nur vor ihrer Familie nackt zeigen dürfe, so das VG Halle.

„Eine muslimische Grundschulschülerin darf beim Schwimmunterricht in ihrem Badeanzug duschen. Das geht aus einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts (VG) Halle hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Glaubensfreiheit umfasse auch das Tragen bestimmter Kleidung und stehe bereits Kindern zu, selbst wenn die Haus- und Badeordnung andere Regelungen treffe (Beschl. v. 15.08.2019, Az. 6 B 243/19 HAL).“ (…)

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/vg-halle-6-b-243-19-hal-muslima-darf-in-badekleidung-duschen-religionsfreiheit-schwimmunterricht-schule/?utm_medium=email&utm_source=WKDE_LEG_NSL_LTO_Daily_EM&utm_campaign=wkde_leg_mp_lto_daily_ab13.05.2019

Kommentar GB:

Welchen Religionsbegriff hat das Gericht zugrunde gelegt? Woher weiß das Gericht überhaupt, was „Religion“ ist? Aus dem normativ-juristischen Wissen ergeben sich dazu keinerlei Kenntnisse. Woher also? Aus den Religionswissenschaften? Aus der Orientalistik? Aus der Sozialwissenschaft?

Wie kommt eigentlich die Rechtswissenschaft dazu, ontologische Urteile zu fällen, Urteile über außerjuristische Realitäten also, von denen die Rechtswissenschaft als Rechtswissenschaft – und  abgesehen vom Alltagswissen der einzelnen Juristen – garnichts wissen kann, weil sie fachlich auf das juristische Normgefüge und seine methodische Anwendung beschränkt ist?

Kommt dieser Anspruch vielleicht aus dem juristisch-gesellschaftlichen und möglicherweise konsensualem Vorurteil von Juristen über das, was das Vorurteil meint, Religion heißen zu dürfen oder müssen? Oder hat sich das Gericht diesbezüglich fachwissenschaftlich mit dem state of the art  – hier bezüglich des Islam – auseinandergesetzt? Wenn nun bezweifelt werden darf, daß das, wenn überhaupt, in der gebotenen Gründlichkeit geschehen ist, dann ist die Vermutung eines gewissen Dilettantismus naheliegend, der aber weniger Einzelpersonen als der Disziplin insgesamt vorzuhalten wäre. – Hierzu:

Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung

Feindbild Islamkritik