Brexit. Die spinnen, die Londinier!

12. September 2019

Dr. Gudrun Eussner

Brexit. Die spinnen, die Londinier!

Wer die Entwicklungen in Großbritannien und in der EU seit dem Ergebnis des Referendums, vom 23. Juni 2016, verfolgte, der war angenehm überrascht, daß es anders als in Deutschland und Frankreich neben Medien wie BBC, Channel 4, TIMES, Medien gab, die fest an der Seite der Brexiteers standen, aufklärten über die Tricks der Remainer-Regierung unter Theresa May und sie mit Tatsachen und Argumenten ermutigten weiterzumachen im Kampf um die Durchsetzung des Wählerwillens.

Am 24. Juli 2019 löste der Brexiteer Boris Johnson, gewählt von den Mitgliedern seiner Partei, Theresa May als Premierminister ab.

Unter den Remainer-Abgeordneten des Unterhauses breitete sich Entsetzen aus: Was würde aus ihren Geschäften, die sie mit und innerhalb der EU über Jahre aufgebaut hatten? Was wäre jetzt mit ihren Intrigen, genannt Withdrawal Agreement alias Deal, den Theresa Mays Brexit-Unterhändler Olly Robbins mit dem Trio Martin Selmayr – Sabine Weyand – Elmar Brok so verfaßt hatte, daß nicht nur die Brexiteers, sondern überhaupt niemand im Unterhaus ihm trotz dreimaligen Versuches zustimmen konnte? Die Absicht war, das Austrittsverfahren so lange hinzuziehen, bis es wirklich alle Briten leid wären und der Austrittsantrag nach Artikel 50 des Lissabon-Vertrages zurückgezogen würde.

Das geschah in Absprache mit der EU-Kommission. „Verräterische Worte  vom [EU-Unterhändler] Michel Barnier, 2016: „‚Ich werde meine Aufgabe erfolgreich ausgeführt haben, wenn am Ende der Vertrag für die Briten so hart ist, daß sie es vorziehen, in der EU zu bleiben‘.“

Olly Robbins ist inzwischen als Managing Director engagiert von der US-Bank Goldman Sachs, und zum Ritterstand hat ihn Theresa May auch noch verholfen.

Mit solchem Theater ist seit Boris Johnsons Amtsantritt Schluß, und die Remainer haben nur noch eine Chance: Sie müssen es schaffen, den allgemeinen Wunsch der Briten nach einem durch Vertrag geregelten Austritt aus der EU für sich zu nutzen, um zunächst den Austrittstermin, 31. Oktober 2019, 23 Uhr, zu verschieben und damit Boris Johnson zum Rücktritt zu zwingen, da er „lieber im Graben stirbt“. Dies geschafft, wird eine Allparteienregierung aus den Remainern des Unterhauses gebildet, irgend einer – Jeremy Corbyn bildet sich ein, er wäre das – wird zum Premierminister gekürt, schreibt den im Hilary-Benn-Gesetz festgelegten Bittbrief an Brüssel, und die nächsten endlosen Verhandlungen beginnen, wobei „endlos“ hier heißt, daß innerhalb kürzester Frist der Antrag auf EU-Austritt zurückgezogen wird. Uff! Et hätt noch emmal joot jejange!

Am 18. August 2019 aber veröffentlicht die Remainer-freundliche TIMES die von Regierungsbeamten ihr zugespielte Operation Yellowhammer, ein zu Theresa Mays Zeit erarbeitetes Worst Case Scenario dazu, was geschehen kann, wenn beim No Deal alles schief geht, was nur schiefgehen kann. Das Papier ist vom 2. August 2019, es kann nicht von Boris Johnson und seinen Brexiteer-Kollegen stammen. In der letzten Parlamentssitzung vor der Vertagung, am 9. September 2019, will Remainer Dominic Grieve alle Unterlagen über die Folgen eines No Deal sehen, vor allem den Yellowhammer.

Die Remainer erklären den Bürgern nicht, wozu Worst Case Scenarios dienen. Jedes Unternehmen erstellt solche: In der Planungsphase eines Projektes werden alle negativen Bedingungen, und möglichen Entwicklungen aufgelistet, die das Projekt gefährden bis nicht durchführbar machen können: Was ist, wenn …? Mit Sicherheit haben auch die Brexiteers um Boris Johnson und Dominic Cummings solche Szenarien ausgearbeitet. Sie werden weder von Unternehmen noch von Regierungen in der Öffentlichkeit diskutiert. Im einen Fall würde es die Konkurrenz freuen, im anderen Fall den politischen Gegner. Darum hat auch Theresa May das Papier nicht veröffentlicht.

Jetzt freuen sich die Remainer. Die Regierung sagt doch selbst, daß nichts funktionieren wird!

Es versteht sich, daß deutsche Medien den Yellowhammer nicht als Planungsannahme eines Worst Case Scenario, sondern als Analyse der tatsächlich eintretenden Zustände bei No Deal darstellen:

„Dokument zeigt schlimmste Folgen eines No-Deal-Brexit“ (Video 1:42), WELT, 12. September 2019. Die FAZ erwähnt immerhin, daß es sich um eines von drei Szenarien handelt: „Streit über den No-Deal-Bericht“, FAZ, 12. September 2019. Man kann davon ausgehen, daß die Remainer in der Beamtenschaft die beiden anderen Szenarien nicht an die britischen Medien „durchgestochen“ haben.

BILD übertrifft einmal mehr alle: „Knallhart-Warnung vor dem Chaos-Brexit!“ Das Blatt mit den sinkenden Auflagenzahlen kriegt sich nicht ein vor Entsetzen. „’Operation Yellowhammer‘ (‚Goldammer‘) ist der Code-Name für die No-Deal-Planung der britischen Regierung.“ „‚Yellowhammer‘: Schock-Bericht warnt vor Chaos-Brexit“, BILD, 12. September 2019, „… passieren dürfte … würden … könnte … könnten … dürften … könnten …“

„An den Grenzen Großbritanniens werden außerdem Auseinandersetzungen zwischen Brexit-Befürwortern und -Gegnern erwartet.“

Nein, BILD, das ist das Worst Case Scenario der Remainer-Regierung der Theresa May. Nein, BILD, die werden nicht erwartet, sondern ein Worst Case Scenario spielt durch, was einem Projekt im schlimmsten Fall [!] passieren könnte. Beispiel: Wenn die BILD weiter Halbwahrheiten und unbewiesene Tatsachen verkauft, könnte sie eines Tages pleite sein. Das wäre aber nur ein Worst Case Scenario für den Axel-Springer-Verlag, für die Öffentlichkeit wäre es eine Erleichterung.

The Telegraph kommentiert, am 12. September 2019: „Des von Downing Street nach Kämpfen mit Abgeordneten letzte Nacht veröffentlichten Dokuments haben sich zum Beleg einer anstehenden Katastrophe umgehend diejenigen bemächtigt, die dagegen sind, daß Großbritannien die EU ohne einen Vertrag verläßt.“

THE Sun, eine Art BILD für Briten, berichtet, am 12. September 2019, ausführlich und in schlimmsten Farben über das Dokument, ohne mitzuteilen, daß es sich um ein Worst Case Scenario handelt, das von Remainer-Beamten der Theresa May erarbeitet wurde. Zu erwarteten Verspätungen des Eurostar und der Fähren von und nach Dover sowie im Flugverkehr für Reisende habe ich eben auf Sky News zwei Verantwortliche gehört, die erklärten, solche Holliday Nightmares, solche „Urlaubs-Albträume“ seien nicht zu erwarten.

Das Ergebnis des Referendums, vom 23. Juni 2016 –>

THE Sun wendet sich an die gleiche Leserschaft wie die BILD: „Es wird eingeräumt, daß Niedriglohn-Gruppen ‚überproportional betroffen‘ sein werden durch Preisanstiege für Nahrungsmittel und Benzin.“ Ich wünsche, daß die Auflagenzahlen von THE Sun den gleichen Weg nehmen wie die der BILD: If I had a hammer, I hammered in the morning, I hammered in the evening, all over this land!

Auch der Mirror von heute weiß nichts anderes, als daß ein No Deal Brexit das Chaos bedeutet.

Express berichtet, daß die Remainer vom Dokument „enttäuscht“ seien. „Das Dossier der Regierung scheint nichts Neues zu offenbaren, und das Volk fragt, warum das Dokument, das von einem ‚Schlimmstfall-Szanarium‘ berichtet, so kurz ist.“ Einer frage: „Das ist’s?“ Ein anderer: „Ich habe schon mehr Prüfung der Folgen gesehen für den Umbau eines Dachbodens.“ „Weltbürger, weit gereist“ @JimMBuzz, auf Twitter: „‚Ein gereinigter Yellowhammer, meine ich. Tatsächlich, die Regierungsplanung, die größte Katastrophe seit WKII zu verhindern, ist FÜNF SEITEN LANG???'“

Es sei typisch für durchgesickertes Material. An einigen Stellen zeige sich, daß es mindestens 12 Monate alt ist, meint ein Beamter, der mit dem Dossier befaßt war, gegenüber Sky-News-Korrespondent @LewisGoodall.

MailOnline berichtet in zwei Artikeln ausgewogen: Toilettenpapier werde es geben, aber einiges Frischobst und Gemüse könnte rar und teurer werden.

Eines ist sicher: Einen Deal wird Boris Johnson nicht durchs Unterhaus bringen können. Entweder gibt’s den No Deal auf Grund von parlamentarischen Finessen, oder aus Erbarmen des Regierungschefs eines EU-Mitgliedsstaates, oder Boris Johnson wird abgewählt/tritt zurück, ein Remainer aus der bunten Labour-LibDem-Tory-SNP-Allparteienregierung wird Premierminister, katzbuckelt in Brüssel und bittet um weitere Verlängerung des Austrittstermins mit dem Ziel, den Austrittsantrag rückgängig zu machen.

Dann nimmt von Großbritannien kein Hund mehr ’n Stück Brot!

Der letzte Stand des Betruges an den britischen Wählern immer hier: