Judenhass digital

Eine neue Studie aus Berlin

Judenhass boomt im Internet wie im analogen Alltag. Worin besteht der Unterschied zwischen beiden Welten? Was macht den alten Judenhass neu? Wie kann man sich dagegen wehren? Seit über einem Jahrzehnt analysiert die Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel den Judenhass in der digitalen Welt. Kürzlich hat sie die Ergebnisse des von ihr geleiteten fünfjährigen Forschungsprojekts an der Technischen Universität Berlin im Buch „Judenhass im Internet“ veröffentlicht.

von Sylke Kirschnick

(…) „Im Hass auf den Staat Israel, der als kollektiver Jude aufgefasst wird, bündeln sich jahrhundertalte judenfeindliche Stereotype. Unabhängig vom Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern – über den viele User wenig konkretes Wissen, dafür um so stärkere Meinungen haben – und trotz des Zivilisationsbruchs, den die Shoah darstellt, kommen uralte Vorstellungen vom Jüdischen zum Vorschein. Oft wird gerade die Shoah zum Anlass genommen, Vergleiche zwischen Israel und Deutschland zu ziehen, die den 1948 gegründeten demokratischen jüdischen Staat implizit mit der deutschen NS-Diktatur gleichsetzen. Die Opfer-Täter-Umkehr und die Palästinasolidarität ist eine Entlastungsstrategie, die psychologisch leicht erklärbar ist, politisch und gesellschaftlich jedoch verheerende Wirkungen entfaltet. Schwarz-Friesels Studie hat ihre Stärken in der Entschlüsselung und Freilegung dieser Rhetoriken, „Sprachgebrauchsmuster“ und Strategien. Die Sprachwissenschaftlerin weist schlüssig nach, dass und wie die jahrhundertelang tradierten judenfeindlichen Vorstellungs- und Deutungsmuster auch das Reden und Denken über Israel leiten. Es handelt sich nicht um privat und individuell entwickelte Aversionen, sondern um kollektiv empfundene Hassgefühle gegen Juden und Jüdisches.“ (…) (Hervorhebung GB)

„Wer Judenhass aber ernsthaft bekämpfen will, muss ihn in seiner Besonderheit wahrnehmen, verurteilen und vor allem sanktionieren: der klassische, zweitausend Jahre alte Judenhass bildet die Basis von Israelhass. Rechter Judenhass, vor allem der Rasseantisemitismus ist ein heute glücklicherweise randständiges Phänomen, das gesellschaftlich keine Akzeptanz geniesst. Linker und islamischer Judenhass werden dagegen verkannt, bagatellisiert oder geleugnet, obwohl gerade diese Formen von vielen Usern verbreitet und geteilt werden.“ (…) (Hervorhebung GB)

Judenhass digital – Eine neue Studie aus Berlin