„Fridays for Future“ und der „Kinderkreuzzug“ zur Rettung des Erdklimas: Ersatzrituale für Statusniedrige

von Dr. habil. Heike Diefenbach

„Zugegeben, dieser Titel mag einigermaßen despektierlich klingen. Aber hier geht es nicht um Despektierlichkeit, sondern darum, zu überlegen, warum die Teilnahme an den „Fridays for Future“ für viele Kinder und Jugendliche attraktiv gewesen ist oder noch immer ist. Wichtige Gründe hierfür sind entwicklungspsychologische Faktoren – wie z.B. die Tatsache, dass Kinder erst in ihren Teenager-Jahren den Unterschied zwischen deterministischen und probabilistischen Zusammenhängen zu erkennen lernen und auch dies zunächst nur in Abhängigkeit von der Komplexität der in Frage stehenden Zusammenhänge (Rapp & Wilkening 2005) –, die zur Folge haben, dass Kinder auf die umfassende ideologische Indoktrination in den sogenannten Bildungseinrichtungen nicht angemessen (kritisch) reagieren können (s. hierzu z.B. Betsch et al. 2016; Charry & Pecheux 2011; Lang & Betsch 2018; Reyna et al. 2012; Van Duivenvoorde et al. 2012; Yurgelun-Todd 2007).

Die im Folgenden beschriebenen Überlegungen bauen aber nicht auf entwicklungspsychologischen Faktoren oder überhaupt irgendwelchen Merkmalen der Kinder und Jugendlichen auf, die an „Fridays for Future“ auf die Straße statt in die Schule gehen oder sich sonstwie beteiligen an dem, was man den Kinderkreuzzug zur Rettung des Erdklimas nennen könnte. Vielmehr haben die folgenden Überlegungen soziologischen Charakter, genauer: sie nehmen die Bedeutung von Kindheit und Jugend bzw. den Status von Kindern und Jugendlichen in unserer derzeitigen westlichen Gesellschaft zum Ausgangspunkt. Was Kindheit und Jugend bedeuten, ist keineswegs naturgegeben (und daher eingermaßen alternativlos), sondern war und ist zu anderen Zeiten oder anderen Orten verschieden. Die folgenden Überlegungen stehen aber nicht in Konkurrenz zu entwicklungspsychologisch orientierten Erklärungsvorschlägen oder der Erklärung durch Indoktrination, sondern fügen diesen Erklärungen sozusagen den soziologischen Blick hinzu, der u.E. (d.h. nach Meinung der ScienceFiles-Redaktion) wichtig ist, schon deshalb, weil die Bedeutung von Kindheit und Jugend mit gesellschaftlichen Bedingungen variiert.

Die folgenden Überlegungen schließen zum einen an das an, was der Soziologe Randall Collins, den wir früher schon als einen Klassiker der Soziologie vorgestellt haben.“ (…)

„Fridays for Future“ und der „Kinderkreuzzug“ zur Rettung des Erdklimas: Ersatzrituale für Statusniedrige