Medienspiegel

So werde ich nie ein Gutbürger!

Veröffentlicht
Robert von Loewenstern / 08.10.2019 /

„Anfang des Jahres nahm ich mir vor, ein besserer Mensch zu werden. „Vom Wutbürger zum Gutbürger in 100 Tagen“, lautete mein Vorsatz, genau wie bereits 2018. Und erneut muss ich gestehen: Mit der Umsetzung läuft es relativ medium.

Immer noch werde ich von schlimmen Vorurteilen geplagt. Worte wie „ein Mann“, „eine Gruppe von“ oder „Messer“ rufen spontane Assoziationen in mir hervor. Ähnlich verhält es sich mit „Massenschlägerei“, „Hochzeitskorso“ und „Großfamilie“. Die Gedanken kommen mir einfach so in den Sinn. Und sie drehen sich nicht um Japaner, Buddhisten oder Elektriker, ich sag’s ganz ehrlich.

Das Schlechte sitzt tief in mir. Nicht einmal bei einem harmlosen Spaziergang in der Natur verschont es mich. Unvermittelt schießen mir Ungeheuerlichkeiten durch den Kopf. Ich denke Dinge wie „Wald“. „Wald“! Einfach so, aus heiterem Himmel. Und was ist „Wald“? Genau, der Prototyp von Generalverdacht. Jeder Baum ist schließlich ein Einzelfall und verdient individuelle Zuwendung und Anerkennung. Wer weiß, vielleicht hat er sogar psychische Probleme. So wie ich zum Beispiel. Aus einer Reihe von Einzelfällen auf die Gesamtheit zu schließen, ist Pauschalisierung und der Beweis, dass ich Schwierigkeiten mit Differenzierung habe. Ja, ich weiß das alles, aber was soll ich machen? Mein Fleisch ist willig, mein Geist ist schwach.“ (…)

Kommentar GB:
Lesenswert!
Humor ist, wenn man trotzdem lacht, ja, mir aber bleibt das Lachen im Halse stecken ..