Historische Verantwortung

Ist die historische Verantwortung für alle Deutschen gleich hoch?

Oder machen Abstammung und Migrationsgeschichte einen Unterschied? Eine Deutschiranerin, ein jüdischer Deutscher und ein Enkel von Nazigroßvätern streiten über ihre Pflicht, an den Holocaust zu erinnern – und über ihr Verhältnis zu Israel.

https://www.zeit.de/2019/46/erinnerungskultur-holocaust-verantwortung-abstammung/komplettansicht

Kommentar Hartmut Krauss:

Diese einseitige Erinnerungskultur ist angesichts der „postmigrantischen“  Niedergangsphase der deutschen Gesellschaft mit einer wachsenden muslimischen Teilpopulation längst überholt.

Das Gleiche gilt für den Kampf gegen Rechtsextremismus, wenn damit nur der einheimische, aber nicht der quantitativ und qualitativ gewichtigere orientalisch-islamische Rechtsextremismus mit ins Visier genommen wird.

Ist der Islam faschistisch?

Oder ist er aus sich selbst heraus ohne europäische Begriffsanleihe genügend negativ bestimmt?

(…) Halten wir also fest: Der Islam war bereits seit seiner frühmittelalterlichen Gründung und damit lange vor der Herausbildung und vergleichsweise sehr kurzen Herrschaftsphase des europäischen Faschismus imperialistisch, kriegerisch, unterwerfend, versklavend, judenfeindlich, repressiv gegen Anders- und Ungläubige, Frauen, Abtrünnige und Abweichler etc.

Genau genommen repräsentiert er eine kulturspezifisch-religiöse Legitimationsideologie, die ein besonderes zwischenmenschliches System vormoderner Herrschaft vorschreibt, göttlich überhöht und raum-zeitlich verabsolutiert.

Somit trägt der Islam selbst die Verantwortung für seine selbsttätig hervorgebrachten Wesenszüge und kann seine Eigenschaftsmerkmale nachträglich weder objektiv-real noch semantisch auf den Faschismus abschieben bzw. auf einen externen herrschaftskulturellen Kontext abwälzen.

Die Diktion „Der Islam/Islamismus ist faschistisch“ bzw. „Der islamische Faschismus“(5) ist somit bei näherer Betrachtung unscharf und ein Stück weit pseudoradikal – gewissermaßen eine Form der Selbstentlastung, indem man die reaktionär-absolutistische und repressive Wesensart des Islam über einen europäischen Begriff ausdrückt und damit entorientalisiert, d. h. aus der eigenkulturellen Verantwortung herausnimmt. (…)