Medienspiegel

Die Wiederkehr der „entarteten Kunst“ im Zeitalter postmoderner Identitätspolitik

«Zwei Zigeunerinnen mit Katze» heisst dieses Gemälde. Und ja, es ist rassistisch – aber es ist halt auch ein wichtiges Kunstwerk. Was soll ein Museum da tun?

Ob ein Bild jemanden diskriminiert, wird gegenwärtig fast so heftig diskutiert wie der Klimawandel. Ein Museum in Köln geht nun neue Wege. Und erntet viel Kritik.

Antje Stahl, Köln 04.12.2019

https://www.nzz.ch/feuilleton/rassismus-im-museum-ld.1522720

Kommentar GB:

Richtig ist, daß die mit dem Sammelbegriff „Zigeuner“ bezeichneten Volksgruppen durch den Nationalsozialismus in Deutschland und Europa rassisch schwer verfolgt wurden. Allerdings kann niemand die Geschichte ungeschehen machen, und eine Symbolpolitik von Museen ändert an der oft immer noch schlechten sozioökonomischen und soziokulturellen Lage der „Zigeuner“ gar nichts. Dabei gibt es diesbezüglich Handlungsbedarf, nämlich seitens der EU, weil diese Minderheit vorwiegend in etlichen südosteuropäische Ländern lebt, jedenfalls bisher. Ich habe dazu im Januar 2015 angemerkt:

“ (…)

Europäische Minderheitenpolitik

Ein besonderes Thema ist in diesem Zusammenhang die innereuropäische Minderheitenpolitik, speziell mit Blick auf die traditionell als Zigeuner bezeichneten und zeitweilig auf das Schwerste verfolgten Bevölkerungsgruppen. Denn diese müssten vielfach erst einmal sozial integriert und dafür aus ihrer bereits langfristig bestehenden sozialen Isolation und den damit verbundenen unwürdigen Lebensverhältnissen geholt werden. Und das ist aus historischen Gründen ein sehr schwieriges Problem. Die EU wäre bei dieser großen Aufgabe wirklich gefordert, es mit langem Atem in enger Kooperation mit den den hauptsächlich betroffenen Ländern Südosteuropas vor Ort zu lösen, und zwar in einer Entwicklungsperspektive, die mehrere Generationen, vermutlich 3 – 4, übergreifen müsste und die zugleich die betroffenen Menschen als Akteure und Subjekte einbeziehen sollte: Sozialisation, Ausbildung, Bildung, Arbeit und Wohnung sind dabei die Stichworte.

Solange es seitens der europäischen Politik versäumt wird, dieses komplizierte und seit langem bestehende Integrationsproblem so anzugehen, dass wenigstens in der langfristigen Perspektive eine Lösung erwartet werden kann, braucht niemand sich darüber zu wundern, dass es in allen europäischen Ländern immer wieder zu Konflikten mit oder wegen dieser Minderheit kommt. Eine Fortsetzung der Ausgrenzung dieser Minderheit aber wäre inhuman.“ (…)

https://le-bohemien.net/2015/01/09/immigration-aufklaerung-statt-diffamierung/

https://le-bohemien.net/author/guenter-buchholz/