Perle der Bildungsforschung: PISA und die “unbewusste” soziale Herkunft

Was politische Korrektheit aus Personen macht, von denen man – ohne politische Korrektheit und aufgrund eines guten Willens, den man allen, na ja, den meisten Positionsinhabern an Hochschulen entgegen bringt, für mehr oder weniger intelligent gehalten hätte, zeigt die folgende Passage, die wir gerade in einer Pressemeldung des IDW entdeckt haben:

„Dabei wird selten ein empirischer Befund wahrgenommen: Die Spreizung der Leistungen abhängig von der Herkunft nimmt erst nach der Grundschule richtig Fahrt auf“, erklärt Prof. Dr. Krassimir Stojanov, Inhaber des Lehrstuhls für Bildungsphilosophie und Systematische Pädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU)….

Die Unterschiede im Bildungserfolg führt der Wissenschaftler insbesondere auf das dreigliedrige Schulsystem mit Haupt- bzw. Mittelschule, Realschule und Gymnasium zurück. „Aus empirischen Untersuchungen wissen wir, dass insbesondere Gymnasien die elterliche Unterstützung voraussetzen. Zudem wird bei Übertrittsempfehlungen unbewusst auch nach Herkunft selektiert, nicht nur nach Leistungen“, so Stojanov. Dies erfolge nicht aufgrund bestimmter Vorurteile, sondern weil man wohl davon ausgehe, dass ein Kind mit guten Leistungen in der Grundschule nicht erfolgreich in der weiterführenden Schule sein werde, wenn geringe elterliche Unterstützung vermeintlich absehbar scheine. „Einige Bildungsforscher sprechen in diesem Zusammenhang mittlerweile von einer ,Parentokratie‘ im deutschen Bildungssystem, in dem die Rolle der Eltern in vielerlei Hinsicht immer stärker wird.“”

  • Wenn in der Grundschule soziale Herkunft keinen besonderen Zusammenhang mit der Leistung von Schülern aufweist.
  • Wenn nach der Grundschule die soziale Herkunft plötzlich einen starken Zusammenhang mit der Leistung von Schülern aufweist, weil die Schüler, deren Familien sozial unten verortet werden, auf Hauptschulen und Realschulen abgeschoben werden, während die, deren Familien sich für soziale High Society halten, auf Gymnasien gehen und das Leistungsniveau zwischen Hauptschulen und Gymnasien eben differiert (Bremen und Berlin )einmal ausgenommen);
  • Wenn die Tatsache, dass Kinder aus Herkunftsfamilien, die als sozial unten angesehen werden, auf Haupt- und bestenfalls Realschulen landen, im Wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dass Lehrer Grundschulempfehlungen und sonstige Mittel anwenden, um zu verhindern, dass die nämlichen Kinder auf Gymnasien auftauchen und dort in direkte Konkurrenz zu Kindern aus der sich selbst oben verortenden Mittelschicht treten.
  • Wenn diese Lehrer ihre Handlung mit dem Mythos begründen, dass man am Gymnasium nur erfolgreich sein kann, wenn die Eltern stark unterstützen, was natürlich dem Zweck dient, den entsprechenden Eltern eine kognitive Kompetenz zuzuweisen, die die meisten nicht einmal entfernt mitbringen.

Was ist dann, so lautet die Frage, das gebräuchliche Wort, um die Handlungen zu beschreiben, die Mittelschichtslehrer in der Mittelschichtsinstitution Schule ausführen, um die Mittelschichtskinder gegen die Konkurrenz aus Arbeiterfamilien abzuschirmen?

Richtig. Diskriminierung.

Und wie erklärt Prof. Dr. Krassimir Stojanov, Inhaber des Lehrstuhls für Bildungsphilosophie und Systematische Pädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) den Umstand?; als unbewusste Selektion nach Herkunft. Dass die Selektion unbewusst ist, muss der Professor behaupten, um sich nicht den Zorn der Gutmenschen zuzuziehen, die durch die moralische Hoheit, die sie für sich beanspruchen, ihre schamlose Diskriminierung anderer und ihren schamlosen Griff nach gesellschaftlichen Ressourcen rechtfertigen wollen. Wie man sich eine “unbewusste Selektion nach Herkunft” vorzustellen hat, bei der der Mythos in Rechnung gestellt wird, dass Kinder, die ein Gymnasium besuchen, dort nur erfolgreich seien, wenn sie Unterstützung von ihren Eltern hätten, so als wären auch nur 15% der Mittelschichtseltern in der Lage, ihren Kindern Nachhilfe in Trigonometrie oder der Avogadro Konstante zu geben, das ist ein Geheimnis, das nur unser Herr Professor lösen kann.

Vielleicht fragt ihn ja jemand, wie man sich eine unbewusste Diskriminierung, die dem angesprochenen Kalkül folgt, vorzustellen hat. Aber selbst wenn man ihm folgt, vermutet, was ja nicht wirklich unbegründet ist, dass seine Aussagen in der Presseabteilung von Eichstätt-Ingolstadt etwas verzerrt wurden, dann muss man doch feststellen, dass Lehrer, die im Jahre 50+ nach dem Beginn der Diskussion über die soziale Selektion im deutschen Bildungssystem immer noch “unbewusst” oder “ignorant” derselben gegenüberstehen, ihren Beruf verfehlt haben.

Die Ergebnisse der neuesten PISA-Studie sehen im Internationalen Vergleich übrigens wie folgt aus – scheinbar leben in Singapur kompetentere Eltern als in Deutschland, die ihre Kinder viel besser zu unterstützen in der Lage sind oder die Lehrer dort sind weniger unbewusst ihren Schülern gegenüber:


Quelle:

Perle der Bildungsforschung: PISA und die “unbewusste” soziale Herkunft