Medienspiegel

Interview mit Thilo Sarrazin

„Ich habe mich nicht geändert, die SPD hat sich geändert“

Thilo Sarrazin will nicht nur vor der Bundesschiedskommission seinen Parteiausschluss revidieren. Der einstige Finanzsenator spricht über seine Motivation, eine Debatte mit Lars Klingbeil, die nicht stattfand, und eine SPD „in den Händen fundamental orientierter Muslime“. –

Thilo Sarrazin: „Ich habe mich nicht geändert, die SPD hat sich geändert“

Kommentar GB:

Sehr dringende Leseempfehlung!

Ein besonders bemerkenswertes Zitat lautet:

„Ich bin seit 1973 Mitglied der SPD. Damals hatte diese Partei 43 Prozent Stimmenanteil, stellte den Bundeskanzler, wirkte weit in die Mitte der Gesellschaft und hatte gut eine Million Mitglieder. Leider hat sich die Partei aus der Mitte der Gesellschaft zurückgezogen. Sie wird geführt von Leuten, die nicht das breite Spektrum vertreten und sie ist in Gefahr, ihre Eigenschaft als Volkspartei der linken Mitte zu verlieren. Ich habe mich nicht geändert, die Partei hat sich geändert. Die SPD wäre niemals auf die Idee gekommen in den 70er, 80er, 90er oder auch noch frühen 2000er Jahren jemanden wegen eines Buches, welches religionskritisch ist, aus der Partei auszuschließen. Im Gegenteil, die SPD war durch ihre marxistischen Wurzeln eine durchaus religionskritische Partei. „Religion ist Opium für das Volk“, hat Karl Marx gesagt. Ich wäre auch garantiert nicht aus der SPD ausgeschlossen worden, wenn ich ein kritisches Buch nicht über den Islam sondern über die katholische Kirche geschrieben hätte. Hier laufen ganz andere Dinge ab: Die gegenwärtige SPD-Führung ist offenbar teilweise in den Händen fundamental orientierter Muslime, die eine kritische Diskussion des Islam in Deutschland grundsätzlich verhindern wollen.“ (Hervorhebung GB)

Das wirft nun weitere Fragen auf …

Anmerkung von R. I. bezüglich der Gutachterin, auf sich Lars Klingbeil stützte:

*Dr.. Sarah Albrecht studierte Islamwissenschaft, Religions- und Politikwissenschaft in Berlin. Studien- und Forschungsaufenthalte führten sie in den Nahen Osten, nach Nordafrika und in die USA. An der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies wurde sie mit einer Arbeit zu zeitgenössischen Debatten um die Auslegung islamischer Normen promoviert. Sie lehrte und forschte als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin und unterrichtete als Lehrbeauftragte an der Evangelischen Hochschule Berlin. In ihren Publikationen beschäftigt sie sich mit Fragen rund um das Leben von Muslim*innen in mehrheitlich nichtmuslimischen Gesellschaften, insbesondere mit der Interpretation der Scharia für Muslim*innen im Westen. Seit vielen Jahren ist es Dr. Sarah Albrecht ein besonderes Anliegen, Brücken zu bauen zwischen akademischen und öffentlichen Diskursen um die Herausforderungen unserer religiös pluralen Gesellschaft. Daher war sie neben ihrer universitären Tätigkeit langjährig als Referentin in der Erwachsenenbildung für kirchliche und andere Institutionen tätig und ist zudem Gründungsvorständin des Kompetenznetzes Islam und Gesellschaft e.V.

https://www.eaberlin.de/akademie/studienleitung/dr-sarah-albrecht/

In Zeiten, in denen öffentliche Debatten über das Zusammenleben in unserer religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaft oft von schrillen Tönen dominiert werden, stellt uns der interreligiöse Dialog vor besondere Chancen und Herausforderungen: Er ermutigt uns dazu, über den Tellerrand eigener Glaubenssätze hinauszublicken und uns auf andere Perspektiven einzulassen.

Erstgutachterin: Prof. Dr. Dr. h.c. Gudrun Krämer

Zweitgutachterin: Prof. Dr. Birgit Krawietz

Drittgutachter: Prof. Dr. Mathias Rohe

Dissertationsprojekt (2009 – 2014):

Dār al-Islām Revisited. Territoriality in Contemporary Islamic Legal Discourse on Muslims in the West.

The idea of fiqh al-aqallīyāt, a specific interpretation of Islamic law for Muslims living as minorities in Western societies, is a subject of great controversy among Islamic scholars. As a result of the migration of so-called ‘guest workers’ and refugees from predominantly Muslim countries to Europe and North America from the 1950s onwards, millions of Muslims today live in non-Muslim societies. Since the 1970s, the prevailing idea of a temporary stay has been superseded by the fact that the vast majority of these Muslims live permanently in non-Muslim countries. Consequently, there has been growing consciousness of a need for religious institutions and counselling, addressing the evolving circumstances of the communities concerned. Responding to these developments, Islamic scholars in Muslim as well as in Western countries have been developing concepts of an Islamic jurisprudence aimed specifically at these Muslim minorities since the 1990s.

Advocates for fiqh al-aqallīyāt argue that it is designed to ease and facilitate the lives of Muslims living in minority contexts and thereby to promote a positive image of Islam in the West. On the contrary, critics often disapprove of Muslims residing permanently in non-Muslim societies and thus reject the idea of a jurisprudence specifically catering to the needs of Muslim minorities. These scholars claim that Islamic law is universal and cannot therefore be interpreted differently according to geographic boundaries, whether embodied in topography or in political consciousness.

Taking into consideration both the proponents as well the critics of a jurisprudence for Muslim minorities, this PhD project aims to analyse the significance of territoriality in the context of the discourse relating to fiqh al-aqallīyāt. The research will explore the contours of the relevant debates and how they reflect the worldviews of the scholars concerned – e.g. dichotomising the world into dār al-islām vs. dār al-ḥarb or conceptualising it as an all-embracing dār aṣ-ṣulḥ or dār al-ʿahd. By analysing these debates, this thesis will elaborate on how these disparate conceptions of the world posited by both the advocates for and critics of fiqh al-aqallīyāt affect the manner in which the Muslim minority context is understood. In doing so, this research project will provide insights into the growing body of discourse among Islamic scholars about the (de-)territorialisation of the applicability and interpretation of Islamic law in the context of increasing numbers of Muslims living in predominantly non-Muslim societies.