Die schönste Selbstverstümmelung seit Vincent van Gogh

Thilo Schneider / 08.02.2020 /

“ „Plötzlich Hitler. Tja. So schnell kann es gehen. Gestern noch Ministerpräsident, heute Adolf Hitler. Und ich wurde über Nacht vom Liberalen zum Faschisten, der, wenn er nicht gestoppt wird, am Montag um 5.45 Uhr Polen überfällt. Die ewigen Hüter und Bollwerker des Antifaschismus waren auch nicht faul und haben sofort der hitlerhelfenden FDP beispielsweise die Büros in Vreden, Halle, Düsseldorf, Köln und Duisburg mit „antifaschistischen Parolen“ beschmiert. Die FDP ist die neue AfD, die ja angeblich die neue NSDAP ist. Verurteilende Kommentare von SPD, Grünen oder CDU/CSU? Habe ich keine gelesen oder gefunden.

Kemmerich ist der neue Hitler, da gibt es gar kein Vertun und Kramp-Karrenbauer, Merkel und Söder tun so, als hätten sie irgendwie so gar nichts mehr mit der CDU Thüringen zu tun. Grüne und Sozialdemokraten ziehen marodierend durch die sozialen Medien und brüllen „Brandstifter“, während sie virtuell jeden FDPler auf den Scheiterhaufen stellen, der nicht schnell genug „ich distanziere mich“ schreiben kann. Und die Dummen und Schwachen unter den Liberalen lassen sich das auch noch gefallen.

Die FDP steckt in einem Dilemma und in einer Zerreißprobe. Alleine in meinem wahrlich nicht großen Ortsverband gab es bisher zwei Austritte, auch andere Orts- und Kreisverbände zeigen fast panische Parteiausweiszusendungen. Einige Liberale haben regelrecht Angst um ihre Gesundheit, andere haben Angst, sich als Liberale öffentlich zu outen. Kemmerichs Familie braucht mittlerweile Polizeischutz, denn im „Kampf gegen die faschistische FDP“, die irgendwie „Hitler in den Steigbügel“ geholfen hat, ist jedes undemokratische Mittel recht, befeuert von impertinenten Forderungen diverser SPD- und Grünen-Abgeordneter.

Einer verlogenen linken Koalition, die ständig „Hass und Hetze im Netz“ bei jedem bejammert, der nicht sofort vor ihnen einknickt oder ihnen mit Gegenargumenten kommt, ist jedes Mittel recht, um die FDP in eine rechtsextreme Ecke zu rücken. Die Farce in Erfurt wird zum Lackmustest des Demokratieverständnisses von rot-grün.“ (…)

https://www.achgut.com/artikel/die_schoenste_selbstverstuemmelung_seit_vincent_van_gogh

und ergänzend:

https://www.achgut.com/artikel/das_grosse_thueringen_raetsel_machen_sie_mit

Kommentar GB:

Sehr lesenswert, insbesondere wegen der Fokussierung auf die FDP.

Objektiv ging und geht es in Erfurt um die politische Dekonstruktion des Parteienkartells, dem die FDP als 6. Rad am Wagen – als bloßes Reserverad – allerdings selbst angehört. Aber dazu hätte die Entschlossenheit gehört, den Stoß nicht nur kraftvoll auszuführen, sondern danach den Kurs zu halten. Aber dazu brauchte die FDP den politischen Mumm, den sie leider nicht hat. (Das ist das eine. Das andere, noch wichtigere ist die Inkonsequenz der thüringischen CDU, die ebenfalls hätte Kurs halten müssen – mit den entsprechenden Folgen in Berlin; daher die Aufregung von Pohlenz und anderen Merkelisten).

Und es fehlt – vermutlich nicht bei Christian Lindner, und auch nicht bei Wolfgang Kubicki, wohl aber bei etlichen anderen Ämterträumerinnen und -träumern an der nötigen Einsicht. Liberalität verlangt aber heute vor allem durchgesetzte Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der Regeln der formalen Demokratie, und eben nicht Libertinage, die in der FDP seit Jahrzehnten emphatisch begleitet und gefördert wird.