Die neue feministische Welle

Brücken bauen, Kämpfe verbinden

https://www.blaetter.de/ausgabe/2020/maerz/die-neue-feministische-welle-bruecken-bauen-kaempfe-verbinden

Kommentar GB:

So ticken sie. Daher: lesenswert!

Durchaus ermutigend klingt die folgende Passage:

(…) „Das Erstarken von gleichstellungsfeindlichen und homophoben Strömungen im vergangenen Jahrzehnt hat sogar zur Entscheidung geführt, keine 5. Weltfrauenkonferenz abzuhalten. Zu groß ist die Furcht, dass wegen des massiven Backlashs die Ergebnisse hinter die der Peking-Konferenz von 1995 zurückfallen könnten. Zuletzt hat der UN-„Bevölkerungsgipfel“, der im November 2019 in Nairobi 25 Jahre nach der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo stattfand, diese Befürchtungen bestätigt. Elf Regierungen von den USA über Brasilien bis Polen meldeten vorab Vorbehalte an: Sie lehnen das 1994 in Kairo beschlossene Konzept sexueller und reproduktiver Rechte ab, weil es Abtreibung und Sexualaufklärung für Kinder fördere und LGBTIQ-Personen anerkenne. Aus ihrer Sicht zerstört das die patriarchale Familie als ordnungspolitische Keimzelle der Gesellschaft. Ultrakonservative Regierungen und der Vatikan kamen erst gar nicht nach Nairobi.“ (…)

Hierzu paßt:

https://koordination-gender.uni-graz.at/de/fellowship/vorhaben/anti-genderismus/

Und hier noch eine weitere Perle; viel Spaß beim Lesen:

Gender revisited. Verhandlungen von Geschlecht im Zeitalter des Posthumanismus

Grazer Kooperationspartnerin: Assoz. Prof.in Dr.in Hildegard Kernmayer, Institut für Germanistik
Junior Fellow: Marietta Schmutz

Incoming Senior Fellow: Assoz. Prof.in Dr.in Anna Babka, Institut für Germanistik, Universität Wien
Incoming Junior Fellows: tba

Zeitraum: Oktober 2019 bis September 2020
Symposium: voraussichtlich Juni 2020

Inhalt:

Die feministische Theorietradition der zweiten Frauenbewegung der 60er- und 70er-Jahre mit ihrer tendenziell binär-hierarchischen Konzeption von Geschlecht problematisierte zum einen den konkreten Ausschluss von Frauen aus der Sphäre der Öffentlichkeit, zum anderen machte sie den symbolischen Ausschluss einer ‚weiblichen Alterität‘ in der patriarchalen Gesellschaftsordnung zum Thema. Diese Konzeption spiegelt(e) sich mitunter im politischen Bestreben, weibliche Agentinnen in Kunst und Gesellschaft als Repräsentantinnen von (Handlungs-)Macht aufzufinden bzw. diese mit (Handlungs-)Macht auszustatten. An der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert wurde die binäre Konzeption von Geschlecht von mehreren kultur- und gendertheoretischen Positionen verabschiedet: Der feministische Dekonstruktivismus und die aus ihm resultierenden Postcolonial Studies, die jegliche Subjektpositionen aufzulösen suchen, begreifen selbst das biologische Geschlecht als spracherzeugte Konstruktion, die in performativen Akten ständig neu hervorgebracht wird (Butler). Für den Neomaterialismus hingegen erweisen sich solche Diskurstheorien nunmehr als unzureichend, um das Zusammenspiel sinnhaft-symbolischer Prozesse und materieller Ordnungen zu erklären. Angesichts von global-wirtschaftlichen Prozessen, technologischer Innovation und digitaler Vernetzung im Informations- und Kommunikationszeitalter wird das Konzept eines posthumanen Subjekts (Braidotti) vorgeschlagen, das mit anderen Subjekten (menschlichen und nichtmenschlichen Akteur*innen) – Menschen, Tieren, Dingen – in enthierarchisierten Netzwerken intraagiert (Haraway, Latour, Barad). Posthumanistische Theorien stellen im Allgemeinen nicht nur die Stabilität des individuierten, liberalen Ichs in Frage, sondern lenken die Aufmerksamkeit auch auf Materialisierungsweisen des späten Kapitalismus wie etwa den Klimawandel oder die Digitalisierung. Im Projekt wird die Frage gestellt, wie die Kategorie Geschlecht unter ‚posthumanistischen‘ Bedingungen neu verhandelt wird. Gegenstand der Untersuchung sind dabei

  1. der gendertheoretische Diskurs selbst: So sollen die (vermeintlich) konkurrierendenTheoriemodelle des Dekonstruktivismus bzw. der Postcolonial Studies auf der einen und dieZugänge des New Materialism auf der anderen Seite einer Revision unterzogen werden undein analytisches Instrumentarium entwickelt werden, das geeignet ist, ‚Geschlecht‘ imZusammenspiel von Zusammenspiel sinnhaft-symbolischen Prozessen und materiellenOrdnungen zu erfassen;
  2. jene Repräsentationen von Geschlecht, die unter Bedingungen des Posthumanismus inliterarisch-künstlerischen und (alltags-)kulturellen Hervorbringungen entstehen. Dabei wirdgerade Kunst als eine Erkenntnisform begriffen, die wissenschaftliche oder alltäglicheErkenntnis überbietet.“

Bitte bedenken Sie:

Schwulst und Unverständlichkeit sind kein Garant für Sinn. Es kann sich durchaus um Unsinn handeln. Oder um das, was ich einen Wissenschaftsbluff nenne. Siehe hierzu:

http://www.gender-diskurs.de/2020/02/offener-brief-evaluation-gender-studies/

 

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