Kein deutscher Politiker hat den Auftrag, die Welt zu retten

Rainer Grell / 04.03.2020 /

„Mal ganz ehrlich, was haben Sie gedacht, als Sie diesen Satz im Regierungsprogramm 2017 – 2021 von CDU/CSU „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ gelesen haben:

„Eine Situation wie im Jahre 2015 soll und darf sich nicht wiederholen, da alle Beteiligten aus dieser Situation gelernt haben“ (Seite 63). Oder als DER SPIEGEL am 06.12.2016 meldete: „Kanzlerin Angela Merkel hat versichert, dass die Lage von 2015 mit einem Ansturm von Flüchtlingen an Deutschlands Grenzen nicht noch einmal vorkommen soll. ‚Eine Situation wie die des Sommers 2015 kann, soll und darf sich nicht wiederholen‘, sagte Merkel bei ihrer Rede vor dem CDU-Parteitag in Essen. ‚Das war und ist unser und mein erklärtes politisches Ziel.’“

Was ich gedacht habe? Ganz ehrlich? Also mein erster Gedanke bei dem Satz „da alle Beteiligten aus dieser Situation gelernt haben“ war ein doppelter. Zuerst fiel mir eine Erkenntnis des arabischen Historikers Mas’udi (895-956) ein: „Aus der Geschichte können wir lernen, dass noch nie aus der Geschichte gelernt wurde.“ Und dann eine Beobachtung von Hans Magnus Enzensberger, dessen Herr Z folgenden Brosamen fallen lässt: „Kollektive … lernen äußerst ungern. Sie kapieren erst dann etwas, wenn der Druck derart zunimmt, daß ihnen kein anderer Ausweg mehr übrigbleibt“ (Seite 199). Und hier war klar: Mit der Veröffentlichung des Regierungsprogramms und der Bundestagswahl vom 24. September 2017 war der Druck erst mal raus, so dass kein Grund zum Lernen bestand.“ (…)

https://www.achgut.com/artikel/kein_deutscher_politiker_hat_den_auftrag_die_welt_zu_retten

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