Klassischer Internationalismus, postmoderner Multikulturalismus und „neuer Mensch“

Hartmut Krauss

 

Die Schaffung multiethnischer/-kultureller Mischgesellschaften mit heterogenen bis antagonistischen Norm- und Wertorientierengen ist gegenüber virulenten Klischees kein „linkes“, sondern ein globalkapitalistisches Projekt. Dieses Projekt wird nun aktuell durch die umfassende und tiefenwirksame Corona-Krise mit ihrer ätzenden „Zerstörung des Sozialen an sich“ nachhaltig beschädigt werden. D.h.: Der postcoronale Kapitalismus wird als langjähriger gesamtgesellschaftlicher (ökonomischer, politischer, soziokultureller und psychologischer) Reha-Patient ein deutlich anderer (geschwächter) sein als der bisherige neoliberale Globalkapitalismus mit seinen Leitparolen und Konzepten wie Open society, No borders, no nations, unregulierte Arbeitsmärkte, Diversity als Gral, vernetzte Abhängigkeit als Glaubensartikel, ungezügelter Marktfetischismus, globale Migration als Heilsgeschehen etc. Kurzum: Dieser Kapitalismus wird weniger bunt und mehr kreidebleich sein.

Das klassisch-linke Konzept des Internationalismus war im Gegensatz zum globalkapitalistisch-multikulturalistischen Projekt auf die Schaffung länderübergreifender kapitalismuskritischer und antireaktionärer (also tendenziell homogener!) Gesinnungs- und politischer Handlungsgemeinschaften gerichtet. Dessen „antinationalistische“ Leitlinie lautete: Der ausländische klassenbewußte Arbeiter steht mir näher als der einheimische Kapitalist oder Reaktionär. („Proletarier aller Länder vereinigt euch!“) Das beinhaltete aber gerade nicht eine Fraternisierung mit ausländischen Trägern kulturspezifischer reaktionärer Ideologien oder mit antisäkularen/antiaufklärerischen Glaubensgemeinschaften. Ganz im Gegenteil: Proislamische Haltungen und ein apologetischer „Promuslimismus“ waren und sind in dieser Perspektive eindeutig Positionen des Verrats.

Zudem war der klassisch-linke Internationalismus nicht gegen „nationale Souveränität“, sondern gegen nationalistische Ideologien gerichtet, die a) die eigene Nation herrschaftlich überhöhen, b) die gesellschaftsinternen Klassengegensätze verwischen, um c) eine autoritär-hierarchische „Volksgemeinschaft“ zu generieren und repressiv abzusichern sowie ideologisch zu kontrollieren.

Die heutige postmodern-pseudolinke (tendenziell antideutsche) Einstellung des Multikulturalismus/Kulturrelativismus folgt dagegen der „revisionistischen“ Leitlinie: Der Andere/Fremde/Migrant/Ausländer ist per se der „Freund“ und muss vor den einheimischen Kritikern („Rassisten“) aller Couleur verteidigt werden; auch dann, wenn dieser ein überzeugter Anhänger und Reproduzent reaktionär-antiemanzipatorischer (religiös-irrationaler) Weltanschauungen und Normorientierungen und/oder Beweihräucherer prämodern-antihumanistischer Traditionen ist.

Die rechten „Populisten“ bringen diese Sachverhalte gemäß ihres pauschal antilinken Hassbildes „natürlich“ demagogisch durcheinander und schaffen auch bezüglich dieser Thematik Verwirrung:

Das klassisch-linke Konzept intendiert/e im Gegensatz zu herrschaftsverteidigenden pessimistischen Gesellschafts- und Menschenbildern auf eine neue postantagonistische Zivilisation („klassenlose Gesellschaft“), in deren Rahmen sich die menschliche Subjektivität sukzessive humanisieren kann.

Der „neue Mensch“ ist hingegen ein ultrarechtes (Nazi-)Konzept, das auf die Züchtung einer neuen reinrassigen arischen Spezies von „Herrenmenschen“ abzielt. Auch der Islam ist mit seinem Gesamtnormativ auf die Heranzüchtung eines „neuen Menschen“ in Form des Allah unterworfenen Gottesknechts ausgerichtet.

Siehe:

http://www.gam-online.de/text-Der%20Islam%20als%20religi%C3%B6se%20Herrschaftsideologie.html