London – Eine Stadt ohne Bürger?

19.03.2020  –   Brendan O’Neill

John Cleese hat Recht mit seiner Kritik, dass die Stadt London keine wirklich englische mehr ist. Als globales Symbol verliert sie gemeinsam geteilte Werte des Zusammenlebens.

https://www.novo-argumente.com/artikel/london_eine_stadt_ohne_buerger

Kommentar GB:

Was hier kurz und knapp beschrieben und analysiert wird, das ist der Konflikt zwischen den „anywheres“ – das sind Khan etc. – und den „somewheres“; hier sind das die weißen Briten. Dieser soziokulturelle Konflikt ist durch die ökonomische Globalisierung bedingt und deren aktuell beobachtbares Scheitern wird die Kräfteverhältnisse dieses Konflikts verändern, und zwar zu Ungunsten der „anywheres“. Und auch soziopolitisch sind Veränderungen zu erwarten, neben dem Wiedererstarken von Demokratie und Nationalstaat vor allem im Hinblick auf die Migrationspolitik; das Realitätsprinzip tritt diesbezüglich als Corona-Virus in Erscheinung. Die Ära des Multilateralismus hat ihren Höhepunkt bereits hinter sich: eine neue Balance, nicht im Sinne einer Zentralisierung von Politik, sondern im Sinne einer Koordination muß erst noch gefunden werden, und das wird zu Lasten der UN- und der EU-Bürokratie gehen.

(…) „Khans PR-Maschine feiert die Globalisierung und die Tatsache, dass die Stadt weniger die Hauptstadt Großbritanniens ist, sondern eine weltweite Drehscheibe für Kapitalströme, Arbeit und Güter. Seit vielen Jahren bemühen sich der Londoner Bürgermeister und verschiedene New-Labour-Technokraten, die Fragen der Einwanderung und der Vielfalt zu nutzen, um London umzugestalten. Die Stadt wird sozial verändert und soll keine Stadt der Menschen und ihrer Werte mehr sein, sondern ein Paradebeispiel für Vielfalt: weg von der nationalen Hauptstadt – hin zu einem Symbol der Ideologie von Post-Nationalität, Post-Grenzen, jenseits gemeinsamer Werte. Das begeistert die neuen, global mobilen Eliten. Die Mehrheit aber lässt dies kalt. Sie fühlen sich, wie die Frau, von der ich eingangs erzählt habe, zunehmend einsam und isoliert.“ (…)

„Menschen, die sich mit dem Kult der Vielfalt nicht identifizieren, sind keine Nostalgiker und sie sehnen sich nicht nach einer weißen Vergangenheit. Sie sind auch keine Rassisten. Was sie wollen, ist Verbundenheit. Eine gemeinsame Sprache und ein grundlegendes, gemeinsames Verständnis. Sie sehnen sich nach Solidarität. Und es wird immer deutlicher, dass der von oben aufgestülpte Kult der Vielfalt eine autoritäre Unterbindung ihres Wunsches nach Solidarität darstellt. Die Institutionalisierung der Vielfalt, als Ziel und Prinzip an sich, ist nicht positiv. Sie steht im Widerspruch zu den Idealen eines gemeinsamen, gesellschaftlichen Erbes. Sie unterbindet die gesellschaftliche Solidarität, die gemeinsame Sprache, die Entwicklung gemeinsamer Werte und das nationale Staatsbürgertum.

Ist London eine post-englische Stadt?

Die Debatte überlasse ich anderen.

Für mich ist jedoch klar, dass sich London wie eine Stadt ohne Bürger anfühlt. Und während dies den Eliten zugutekommt, die ihre Bevölkerung gerne passiv und aufgeteilt sehen, ist es eine Katastrophe für die Menschen in dieser großen Stadt.“