Medienspiegel

Klimakrise und gesellschaftliche Transformation in Zeiten von Corona

28. April 2020

(…) „Was vielmehr ansteht, ist die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und der öffentlichen Versorgung im Rahmen einer allgemeinen und freien, gesellschaftlichen Selbstorganisation jenseits von Warenproduktion und staatlicher Verwaltungs- und Herrschaftslogik. Natürlich geht das nicht auf einen Schlag, sondern nur im Zuge eines längeren gesellschaftlichen Transformationsprozesses. Was das im Einzelnen bedeutet, lässt sich heute nicht vorhersagen. (Hervorhebung GB)

Klar ist aber, dass dieser Prozess gekennzeichnet sein wird von konfliktreichen politischen Auseinandersetzungen um die Ressourcen und Potentiale der Reichtumsproduktion sowie um die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von neuen Formen gesellschaftlicher Kooperation, Kommunikation und Planung.“ (…) (Hervorhebung GB)

Norbert Trenkle ist freier Autor und Redakteur der Zeitschrift Krisis. Kritik der Warengesellschaft. Die meisten seiner Texte sind frei zugänglich auf www.krisis.org.

Eine erweiterte Fassung des vorliegenden Textes erscheint im Herbst im Buch Shutdown. Klimacrash, Corona-Krise und die notwendige Aufhebung des Kapitalismus (Unrast Verlag), das der Autor zusammen mit Ernst Lohoff herausgibt.

https://www.heise.de/tp/features/Klimakrise-und-gesellschaftliche-Transformation-in-Zeiten-von-Corona-4708238.html?seite=all

Kommentar GB:

Auffällig ist zunächst, daß sich der Autor in klimapolitischer Hinsicht auf der Linie des IPCC (also des „Weltklimarats“) bewegt; eine kritische Auseinandersetzung ist zumindest im Artikel nicht erkennbar. Noch ein Klimaretter also …

Kern der Kritik ist aber die Regulation der Gesellschaft durch die abstrakte „Selbstverwertung des Werts“, wie sie von Karl Marx in seinem Hauptwerk aufgezeigt und analytisch dargestellt worden ist. Diese soll nach Vorstellung des Autors überwunden werden, aber die theoretisch-konzeptionellen Vorstellungen über eine real funktionsfähige zukünftige Alternative bleiben hier sehr vage.

Daher wären m. E. die oben hervorgehobenen „gesellschaftlichen Transformationsprozesse“, die mit Blick auf die Zukunft selbstverständlich immer unbekannt sind, mit Blick auf die Vergangenheit zu untersuchen, und zwar in (selbst-)kritischer Absicht.

Es wäre also allererst ausführlich einzugehen auf die vorliegenden Erfahrungen mit derartigen „gesellschaftlichen Transformationsprozessen“ (SU, China, etc.), um sich zumindest der Risiken und Nebenwirkungen bewußt zu werden; und die sind, wie bereits ein oberflächlicher Blick zeigt, doch sehr, sehr erheblich …