Birgit Kelle

5. Mai 2020

Meine Damen, meine Herren, liebe Gebärende und Geboren-Habende

ich hoffe, damit haben wir allegeschlechtsneutralen Mütter gendersensibel eingeschlossen. Man kann ja heutzutage noch mehr falsch machen, als man meint, ich komme weiter unten in diesem Brief noch einmal darauf zurück.
Der Muttertag naht und die Debatte um die Frau am Herd verschärft sich. Ich hatte ja bereits im Newsletter vergangene Woche darauf hingewiesen, dass die Corona-Krise und die damit verbundene Rückkehr vieler Mütter an Heim und Herd, dem versammelten Feminismus allerlei Kopfzerbrechen bereitet. Dabei hatte man sich doch bereits geeinigt, dass der Mythos der ersetzbaren Mutter,  die jederzeit durch eine Erzieherin, einen Mann, zwei Männer oder auch einen 1-Euro-Jobber in der Ganztagsbetreuung ersetzt werden könne, nicht angekratzt werden darf.

Am Sonntagabend hat in der Talksendung Anne Will nun meine Lieblings-Soziologin Jutta Allmendinger zum Thema nachgelegt. Die Frauen in Deutschland würden durch Corona und Homeschooling gerade eine „entsetzliche Retraditionalisierung“ erfahren, die uns um 30 Jahre (!) zurückwirft. Mal davon abgesehen, dass Sie damit über die 90er-Jahre spricht, und ich nicht weiß, wie dramatisch genau meine Unterdrückungserfahrung damals als Frau so war, warum nicht gleich 100 oder 200 Jahre habe ich mich gefragt? Das Jutta-Orakel wusste auch, dass Kinder, die vier oder gar sechs Wochen zu Hause sind und nicht zur Schule können, damit quasi verloren sind, das würde sich leider erst viele Jahre später zeigen. 4-6 Wochen, das heißt also, jede Sommerferien ruinieren unseren Kindern sich einmal ohne Chance auf Besserung erneut den Verstand?
Nun kennen Jutta Allmendinger und ich uns bereits, wir hatten das zweifelhafte Vergnügen einer gemeinsamen Veranstaltung vor über 10 Jahren. Deswegen habe ich hier unter dem Link ein paar Gedanken aufgeschrieben, zu „Tante Juttas Gespür für Frauen“.

Ein Ausschnitt: „Jutta Allmendinger, die auch so schöne Sätze sagen kann wie ‚Ich bin stolz, eine Quotenfrau zu sein‘, beharrt nun auf das umfassende Wissen um das, was Frauen wollen und was für Frauen gut ist, als auch, wie es zu erreichen sei. Mit dieser Einstellung ist sie eine wirklich gute, jahrelange Beraterin im SPD-Familienministerium, wo die staatlich geprüften Supernannys uns seit Jahren erklären, was wir armen Mütter-Dummchen nicht wissen. Die Antwort ist der Systemwechsel. Auch mir hatte die Jutta das einst persönlich bei einer Veranstaltung, bei der ich in ihrem schönen WZB aus Versehen eingeladen war (wie konnte das nur passieren?) vor Publikum mitgeteilt. Ich hatte gewagt auszusprechen, dass ich mein Leben als Hausfrau mit damals erst drei Kindern frei gewählt hatte, dass mich niemand gezwungen hat und ich das gerne tue, obwohl ich eine Ausbildung habe und auch berufstätig sein könnte. Das ließ sie nicht gelten und erklärte mir auf offener Bühne, ich würde das nicht freiwillig tun, ich würde nur glauben, dass ich das freiwillig täte, denn „das System“ habe mich in diese Rolle hineingedrängt. Und deswegen müsse das System erst verändert werden und erst dann könnte ich frei sein und frei entscheiden. Jede Hausfrau also nur ein Opfer des Stockholm-Syndroms? Wir heiraten dann auch noch unsere Peiniger und ziehen ihre Kinder groß, weil wir uns von den Vertretern des Patriarchats gefangen nehmen und blenden lassen. Merke: Frauen können alles, aber jedenfalls nicht selbst entscheiden, was gut für sie ist. Auf jede ambitionierte junge Frau, die glaubt, ihr stehe die Welt offen, kommen mindestens zwei ältere Frauen, die ihr erklären, was sie alles nicht kann, nicht weiß und nicht soll.“

Herzliche Grüße

Ihre
Birgit Kelle
Vorsitzende Frau 2000plus e.V.

Kommentar GB:

Jutta Allmendinger und die Rückkehr des Patriarchats

https://de.wikipedia.org/wiki/Jutta_Allmendinger

Interessante Person. SPD. Ausweislich Wikipedia ohne Familie.

Auffallend umfangreiche Wikipedia-Darstellung. Auffallend steile Karriere.

WZB-Leitung  und Mitherausgeberin der ZEIT.

Also: SPD-„Obristin“, aus der noch mehr werden kann.

Dafür wird das Feminat sorgen.

Jedenfalls, wenn die SPD nicht auf unter 10% oder gar auf unter 5% fällt.

Da auf die Genossin Trend Verlaß ist, kann man das gelassen abwarten.