Medienspiegel

Coronakrise: Mediziner fordern komplette Öffnung von Schulen und Kitas

Hartmut Krauss

Coronakrise:

Mediziner fordern komplette Öffnung von Schulen und Kitas

 

Keine Einschränkungen mehr, alle Kinder zurück in die Schulen und Kitas: Das fordern vier medizinische Fachgesellschaften. Begründet wird das mit gravierenden sozialen und gesundheitlichen Folgen der Schließungen.

Die Forderung ist spektakulär – und sie richtet sich gegen die klare Empfehlung von Christian Drosten und anderen Virologen: Vier medizinische Fachgesellschaften haben dazu aufgerufen, Kindergärten und Schulen trotz der Corona-Pandemie umgehend und vollständig zu öffnen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme heißt es: „Insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren sprechen die aktuellen Daten sowohl für eine geringere Infektions- als auch für eine deutlich geringere Ansteckungsrate.“ Im Gegensatz dazu seien die sozialen und gesundheitlichen Folgen der Schließung gravierend.“

https://www.spiegel.de/panorama/bildung/corona-krise-mediziner-fordern-komplette-schul-und-kita-oeffnung-a-4d1a0336-680d-4259-818e-7a263732f811

https://dgpi.de/wp-content/uploads/2020/05/Covid-19_Kinder_Stellungnahme_DGKH_18_05_2020_final_3b.pdf

Für die pauschalen Lockdownbefürworter ist Schweden das aktuelle Bashing-Objekt schlechthin. Für die „Corona-Leugner“ hingegen das Musterland. Beides dürfte nicht stimmen.

Tatsächlich hat Schweden verhältnismäßig viele „Corona-Tote“ zu beklagen. Das liegt aber primär nicht am vergleichsweise moderaten schwedischen Vorgehen in der Pandemiebekämpfung, sondern vielmehr an der eklatanten Vernachlässigung von Schutzmaßnahmen für die einschlägigen Risikogruppen (Vorerkrankte/insbesondere Bewohner von Alten- und Pflegeheimen). „Im März traten vor allem in Alters- und Pflegeheimen sowie in der häuslichen Altenpflege Fälle von Corona-Infektionen auf. Hier starben besonders viele Menschen – Schätzungen gehen inzwischen von bis zu 50 Prozent der Todesfälle in der Alten- und Pflegebranche aus. Vermutlich gab es zu wenig Know-how und zu wenig Schutzkleidung. Diese Versäumnisse hat die Regierung inzwischen eingestanden.“

https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/wie-sinnvoll-ist-der-schwedische-corona-sonderweg/

Aber auch in Ländern mit undifferenzierten Lockdown-Maßnahmen gab es ähnlich hohe Fallzahlen in Alten- und Pflegeheimen. (Das gilt auch für Deutschland mit seiner Minderausrüstung von Schutzkleidung in profitlogisch dominierten Pflegeeinrichtungen.) Zudem liegt Schweden in der offiziellen  Sterbestatistik hinter vergleichbaren Lockdown-Ländern wie Belgien oder den Niederlanden.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1103785/umfrage/mortalitaetsrate-des-coronavirus-nach-laendern/

https://www.worldometers.info/coronavirus/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1111794/umfrage/todesfaelle-mit-coronavirus-covid-19-je-millionen-einwohner-in-ausgewaehlten-laendern/

https://www.n-tv.de/infografik/Coronavirus-Pandemie-in-Karten-und-Daten-article21718074.html

 

Kommentar GB:

Auf den Nachdenkseiten wird heute zur Corona-Lage folgendes angemerkt:

 

Aus meiner persönlichen Sicht ist weiterhin Vorsicht geboten, jedoch ist zugleich die umsichtige und zügige Wiederbelebung des gesellschaftlichen und ökonomischen Lebens ebenso wichtig wie dringlich. Und sie ist hierzulande – zumindest jetzt – wohl auch möglich. Von der Pandemie besonders gefährdete Menschen brauchen weiterhin entsprechenden Schutz, und zugleich ist es sehr dringlich, für die – wissenschaftlich gesehen – offenen Fragen mit Blick auf die Pandemie Antworten zu finden; das ist aber im Gange. Ungewiß aber möglich bleibt eine zweite Welle der Pandemie; siehe ihr Wiederaufflackern in China. Falls sie kommen sollte, ist im Verlauf des Herbstes und des Winters damit zu rechnen, also in einem Zeitraum, in dem zugleich mit der saisonalen Grippe (Influenza) zu rechnen ist. Die Risiken bleiben also bestehen, auch wenn die aktuellen Zahlen sich erfreulich günstig entwickeln. Und daher sollte auch das Risikoverhalten aufrechterhalten bleiben, und zwar zumindest solange, wie sich mit Blick auf Medikamente oder Impfstoffe nichts ändert. Und das dürfte wahrscheinlich erst im nächsten Jahr zu erwarten sein.