Medienspiegel

Vor 13 Jahren: Hexenjagd auf Eva Herman

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(…) „Herman begann das Sakrileg, wie später Kelle, dem herrschenden, feministischen Narrativ zu widersprechen, wonach der Frau von heute ihre Karriere das höchste zu sein hat, und dass sie ihre Kinder so früh wie möglich in Krippen und Kitas abschieben soll, um sich diesem höheren Ziel zu widmen. Gleichzeitig aber bejahen eine leichte Mehrheit der Frauen eine konservative Rolle in der Familie(32), während sie erleben, dass sie diese Rolle weniger und weniger ausfüllen können aus harten finanziellen und strukturellen Zwängen heraus. Dass die Menschen immer weniger verdienen, und sich so auch die Frauen zunehmend von ihren Kindern entfernen müssen, wenn sie für sie sorgen wollen (und damit das alte Schicksal der Väter teilen), führte Herman zur Frage, was das für die Kinder bedeutet, die in die Fremdbetreuung entsorgt werden – diese sei für den Nachwuchs eh besser als Betreuung zuhause unter unfähigen Müttern, so der Tenor. Sie beschäftigte sich hierzu mit der Bindungsforschung  und problematisierte, dass das frühe Abschieben des Nachwuchses für ihn nachteilhaft sei, da es ihn hindere, die für eine gesunde psychische Entwicklung so wichtige Urbindung aufzubauen (was übrigens Väter genauso leisten können – Anmerkung yx). Das Ziel (wie auf der wegweisenden Frauenkonferenz Peking 1995 festgelegt), alle Frauen in die Erwerbsarbeit zu pressen, schadet nicht zuletzt den Kindern, die vor allem einen verlässlichen Elternteil brauchen. Weiterhin sei Mutterschaft kein Übel, sondern ein Glück (in kinderfeindlichen Diskursen, in denen ständig von „Arbeit“ gesprochen wird, wenn Mütter Zeit mit ihren Kindern verbringen, ein außergewöhnlicher Gedanke).

Dass man mit Familie vielleicht glücklicher ist als mit Karriere (sofern man eine hat und nicht einfach nur malocht) scheint ein wunder Punkt zu sein bei den tonangebenden Journalistinnen, die in Interviews mit Eva Herman die Contenance verloren und vor Wut brüllten, aggressiv wurden. (35)

Ist dieses Verlieren der Selbstbeherrschung vielleicht der Ahnung geschuldet, dass zum Lebensabend liebende Kinder mehr wert sind als dass man eine hohe Sprosse der Karriereleiter erklommen hat?

Das war die Todsünde die Herman begangen hatte. Nicht weil sie eine Nazi war, wurde sie niedergemacht, sondern weil ihre Kritik den feministischen Lebensentwurf für Frauen in Frage stellte.“ (…)

Vor 13 Jahren: Hexenjagd auf Eva Herman