FreitagsbriefMedienspiegel

Gegen den neuen Bildersturm

David Engels

Der Althistoriker David Engels kritisiert die laufende Kampagne gegen europäisches Kulturgut, die von Gewalt gegen Kulturdenkmäler in weiten Teilen der westlichen Welt begleitet ist und sich zunehmend weiter radikalisiert. Laut Engels habe man es mit einem beispiellosen „bilderstürmerischen Angriff auf Statuen, Büsten, Kirchen, Bücher, Filme oder Gemälde“ zu tun, der orwellsche Züge aufweise, und dessen eigentliches Ziel das kulturelle Gedächtnis der westlichen Zivilisation darstelle.
  • „Das Motiv hinter dieser Kampagne sei der Selbsthass einer jungen Generation von Aktivisten bzw. deren Hass auf das eigene kulturelle Erbe. Dieser Hass sei das Produkt des langjährigen Wirkens von Akteuren in Politik, Schulen, Universitäten und Medien und zugleich Ausdruck der Zurückweisung der Tatsache, dass der Mensch sich nicht selbst definiere, sondern im Guten wie im Schlechten von dem abhängig sei, was frühere Generationen geschaffen hätten.
  • Die Aktivisten hofften, sich durch ihre nihilistischen Werke der Zerstörung von einer Last zu befreien, würden sich und die Gesellschaft, in der sie leben, dadurch aber ebenso zerstören wie man einen Baum zerstöre, wenn man dessen Wurzeln kappt.
  • Es gehe den verantwortlichen Akteuren offensichtlich nicht darum, historische Misstände zu diskutieren oder gegenwärtige Übel zu korrigieren, was sich daran zeige, dass Vandalismus sich auch gegen Statuen von Persönlichkeiten wie Winston Churchill richte, der einen entscheidende Rolle im Kampf gegen den Nationalsozialismus gespielt hatte.
  • Die Auseinandersetzung mit der Geschichte drohe zu einem Wettbewerb darum zu werden, wer das größere Opfer des historischen Geschehens sei und wer die stärksten Gefühle von Gekränktheit ausdrücken könne.

Das Zurückweichen vor dieser Kampagne durch staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure sei ein „Symptom einer bedrückenden Feigheit“ und werde „früher oder später die gleichen Folgen haben wie alle anderen Formen der Beschwichtigung, d. h. eine Verschärfung des Problems“.1 “ (…)

David Engels: Gegen den neuen Bildersturm