„Weißer“ Auto-Rassismus

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus, Bildungs- und Bundeswehrexperte

„Seit Tagen demonstrieren weltweit Millionen gegen Rassismus. Allein wenn man die Teilnehmerzahlen des vergangenen Wochenendes in deutschen Städten aufsummiert, kommt man auf Hunderttausende. Nachvollziehbar: Viele der Demonstranten wollen schlicht und einfach ihren Zorn, ja ihre Wut über das zum Ausdruck bringen, was sie zusammen mit Millionen anderen in einem 8 Minuten und 46 Sekunden dauernden Video gesehen haben: die brutale Festsetzung des am Boden liegenden farbigen George Floyd durch einen weißen Polizisten sowie Floyds letzte Worte „I can’t breathe„, bevor er das Bewusstsein verlor und unmittelbar danach starb.“ (…)

„Da ist er also wieder, der westliche Masochismus. Er hat namhafte Väter. Aus der Sicht von Jean Paul Sartre (1905 – 1980) habe sich der Europäer nur dadurch zum Menschen machen können, dass er Sklaven und Monstren hervorbrachte. Solche Betrachtungsweisen gehen durch alle Kreise von Intellektuellen. Gemein ist ihnen fast allen der Hass auf die westliche Moderne und die Parteinahme für die Feinde des „weißen“ Westens.

Unterlegt ist all dies mit einem permanenten Schuldkomplex. „Die ganze Welt hasst uns, und wir haben es verdient: Dies ist die feste Überzeugung der meisten Europäer, zumindest im Westen.“ Diesen provokanten Satz schreibt der französische Philosoph Pascal Bruckner in seinem 2008 auf deutsch erschienenen Buch „Der Schuldkomplex – Vom Nutzen und Nachteil der Geschichte für Europa“. (Die französische Originalausgabe ist 2006 übrigens anders überschrieben, nämlich mit „La tyrannie de la pénitance. Essay sur le masochisme occidental“; auf deutsch also: „Die Tyrannei der Buße. Essay über den westlichen Masochismus“.)

Eine weitere Aussage aus Pascal Bruckners Buch macht es noch deutlicher, auch wenn Bruckner hier von Europa spricht; er hätte auch von der „weißen Rasse“ sprechen können: Die Paradoxie des ewig sich schuldig fühlenden Europa bestehe darin, dass es genauso arrogant sei wie das einstige imperiale Europa, da es sich auf kindische Weise rühme, für alle Leiden der Menschheit verantwortlich zu sein. Europa, so Bruckner, sei geprägt von der „Eitelkeit des Selbsthasses“. Mit anderen Worten: Die „weiße“ Rasse pflegt einen eitlen, hypermoralischen Selbsthass.“ (…)

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