Medienspiegel

Bassam Tibi widerlegt sich selbst

Ohne Leitkultur kann Europa muslimische Einwanderer nicht integrieren
Ein friedliches Europa kann es ohne einen Wertekonsens, ohne eine Europäisierung des Islam nicht geben. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis des Primats der Vernunft vor jeder religiösen Offenbarung.
 
Bassam Tibi 173 Kommentare 23.07.2020,

http://archive.is/YyICu

Kommentar

Hartmut Krauss

https://www.derwesten.de/politik/islam-experte-bassam-tibi-der-euro-islam-ist-gescheitert-id12069234.html

5.8.2016

(…) Was Sie sagen, klingt alles nicht gerade optimistisch für jemanden, der vor mehr als 20 Jahren den Begriff vom reformierten Euro-Islam geprägt hat.

Tibi: „Es stimmt, diesen Begriff habe ich geprägt. Aber heute muss ich sagen: Ich kapituliere. Den Euro-Islam wird es nicht geben. Er war eine schöne Hoffnung, aber die Realität ist leider eine andere. Das deutsche Modell, in dem die organisierte Religion von der Institution Amtskirche getragen wird, lässt sich nicht auf den Islam übertragen. Das wird nie gelingen.“

Eine säkular-demokratische „Leitkultur“ gemäß der Prinzipen der religions- und herrschaftskritischen (Radikal-)Aufklärung, wie in „Säkulare Demokratie“ beschrieben, würde einen vollständigen politischen Machtwechsel inklusive ideologischer Säuberung voraussetzen, in dem auch kein Platz für eine reformillusionäre „Islamkritik light“ übrig bliebe. Die Einwanderung von gläubigen Muslimen würde gestoppt und eine Re-Migration antiaufklärerischer-antisäkulare Zuwanderer durch vielschichtige Maßnahmen „gefördert“, d.h. die proislamische „Willkommenskultur“ durch eine reparierende „Rückführungskultur“ ersetzt  etc.

Meine  „islamtheoretische“ Gegenposition (Es gibt weder einen Gegensatz  zwischen Islam und Islamismus noch einen unpolitischen Islam) , übrigens im Einklang mit Nagel, der mittlerweile nach seiner Emeritierung „nachgezogen“  hat , zum Vergleich:

„Das herausragende Statusmerkmal des Islam ist dessen Auftreten als autoritär-normativer Vorschriftenkatalog, der Regeln, Gebote, Verbote, Handlungsanweisungen für nahezu sämtliche Lebensbereiche bereithält, denen der muslimische Gläubige als treu ergebener Gottesknecht bedingungslos zu folgen hat. Die alltagspraktische Befolgung des islamischen Regelkanons ist der wahre Gottesdienst und bildet den grundlegenden Kern des gesamten Islam = Hingabe an Gott. Aus diesem Grund ist auch eine Trennung von Staat, Religion, Recht und Privatsphäre grundsätzlich ausgeschlossen. Religiöse Praxis ist zugleich immer auch politische Praxis (und umgekehrt); religiöse Gemeinschaft ist zugleich immer auch politische Gemeinschaft. „Das Staatsvolk ist Gottesvolk, das religiöse Gesetz (shari’a) Staatsgesetz“ (Hagemann 1999, S. 402).

Für den Islam in seiner beurteilungslogisch ausschlaggebenden orthodoxen Grundgestalt4, also jenseits von angeblich möglicher subjektivistischer Auslegungswillkür, gilt deshalb das Prinzip „al-islam din wa daula“: Der Islam ist Religion und Staat. D.h.: Der Islam kennt keine Trennung von „reinem rituellen Gottesdienst“ einerseits und normativer Regelung weltlicher Handlungen und intersubjektiver Beziehungen andererseits; er ist in seiner lehrdogmatischen Gesamtheit (Koran, Sunna, Scharia) per se „politisch“. Es gibt also keinen „unpolitischen Islam“, wohl aber eine religiöse „Ausnüchterung“ von Muslimen analog zu „Weihnachtschristen“. Die triviale Tatsache, dass es auch eine Minderheit von „ausgenüchterten“ Muslimen gibt, kann aber nicht – als Unterabteilung der Verwechslung von „Islam“ und „Muslimen“ – dahingehend fehlinterpretiert werden, es gebe einen „unpolitischen Islam“. Umfragen in islamischen Ländern zeigen immer wieder, wie tief das antisäkulare Prinzip der Einheit von Islam, Staat und Politik im subjektiven Überzeugungssystem der dort lebenden Menschen verankert ist. So fordern dort klare Mehrheiten einen strengen bis prinzipiellen Einfluss des Korans auf die Gesetze ihrer Länder.5

Betrachten wir nun den Inhalt der islamischen Weltanschauung, so zeigt sich ein absoluter und universeller (modern gesagt: totalitärer) Herrschaftsanspruch als alles durchdringender und zusammenhangsstiftender Grundzug. Der Islam fungiert damit als Drehbuch bzw. religiös verbrämte Programmiersprache eines kulturspezifischen Systems zwischenmenschlicher Herrschaftsverhältnisse.“

http://www.gam-online.de/text-patriarchalischen%20Normenordnung.html

Siehe auch:

http://www.gam-online.de/text-den%20Islam%20gibt.html

Woran ich nicht glaube: Anmerkungen zum Tranquilizer-Islam