FreitagsbriefMedienspiegel

Sprachzerstörung als Akt der Kulturvernichtung

Veröffentlicht

Ulla Hahn  –  30. Juni 2020

„Die Schriftstellerin Ulla Hahn gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen der Gegenwart. In einem heute veröffentlichten Aufsatz warnt sie vor der Zerstörung der Sprache durch linksliberale Aktivisten. Außerdem kritisiert sie vor dem Hintergrund der Debatte um die Äußerungen der Feministin Hengameh Yaghoobifarah die zunehmende Verrohung der Sprache in Teilen des linksliberalen Spektrums.

Dolf Sternberger habe in seinem Buch „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ gewarnt: „Der Verderb der Sprache ist der Verderb des Menschen“. Sprache sei die Voraussetzung für soziale und politische Kommunikation, weshalb die Pflege der Sprache „eine ganz besondere Verantwortung für jeden Demokraten“ sei.“ (…)

„Um totalitären Tendenzen entgegenzuwirken empfehle es sich laut Hahn, auf Rat aus alter Zeit zu hören:

„Als ein Schüler Konfuzius fragte, was dieser tun würde, hätte er morgen die Leitung des Staates inne, antwortete der: ‚Ich würde zuerst die Bedeutung der Worte festlegen. Wenn die Bedeutungen nicht klar sind, stimmen die Worte nicht. Stimmen die Worte nicht, so kommen die rechten Werke nicht zustande. Kommen die rechten Werke nicht zustande, so gedeihen Kunst und Moral nicht. Darum sorge der Edle, dass er seine klaren Begriffe zu Worten und seine Worte zu Taten werden lasse, und dulde nicht, dass in seinen Worten irgendetwas in Unordnung ist.’“1

Auch die jüdische Tradition betonte die Bedeutung der Sprachpflege, wenn sie fordere, dass man auf seine Worte achten solle, da aus ihnen Handlungen folgten, die zu Gewohnheiten würden, die wiederum den Charakter prägten, der schließlich zum eigenen Schicksal würde.“ (…)

Ulla Hahn: Sprachzerstörung als Akt der Kulturvernichtung