Medienspiegel

Welchen Einfluss hat Ölreichtum auf Eigentumsrechte?

„Öleliten“ haben ein geringes Interesse an starken Eigentumsrechten, freie Märkte bedrohen ihre wirtschaftliche und politische Macht. Dieser Beitrag legt dar, wie sich Ölreichtum auf die Eigentumsrechte auswirkt und zeigt, dass Ölreichtum mit Klientelismus, Korruption, Repression und der Verfolgung der freien Presse einhergeht.

von: Indra de Soysa, Tim Krieger, Daniel Meierrieks

https://www.oekonomenstimme.org/artikel/2020/07/welchen-einfluss-hat-oelreichtum-auf-eigentumsrechte/

Kommentar GB:

Ein allerdings wohl erst langfristiger Effekt der angelaufenen Decarbonisierungspolitik, deren vordergründig klimapolitische Relevanz zweifelhaft bleibt, dürfte im relativen Reichtums- und Machtverlust der ölfördernden und -exportierenden Länder bestehen. Damit würde dann auch das antagonistische Kernbündnis zwischen des USA und Saudi-Arabien nach und nach auf sein historisches Ende zugehen. Die Phase des ökonomischen und politischen Aufstiegs der Ölländer seit der Gründung der OPEC und den folgenden Ölpreiskrisen während der 70er Jahre des 20. Jh. liefe in dieser Perspektive also in dem Maße allmählich aus, in dem die Abkehr von der Ölressource praktisch vollzogen wird, zum Beispiel durch zunehmenden Einsatz von Wasserstofftechnologien.

Die Autoren schreiben abschließend folgendes:

(…) „So hat der Klimawandel durchaus das Potenzial, das Gesellschaftsmodell der Herrschenden in den Ölstaaten zu untergraben. (Hervorhebung GB)

Andererseits ist der Klimawandel ein Prozess, den diese Gruppen antizipieren können.

Viele autokratische ölreiche Länder versuchen sich gerade an einer – natürlich streng kontrollierten – Diversifikation ihrer Volkswirtschaften, bei der die Herrschenden und ihre Günstlinge ihre de facto Macht bewahren.“

Mit „Klimawandel“ ist die o. g. Decarbonisierungspolitik gemeint; die allerdings nur dazu führen wird, das Erdöl in seiner basalen ökonomischen Bedeutung mehr oder weniger zu relativieren, nicht aber dazu, es überflüssig zu machen. Da eine durch diesen technologischen Wandel bedingte langfristig verringerte Nachfrage seitens der entwickelten Industrieländer aber mit zusätzlicher Nachfrage aus jetzt erst stattfindenden Industrialisierungsprozessen zusammentreffen wird, bleibt das Ergebnis offen: aus Sicht der ölfördernden Länder bedeutet das eine politische Umorientierung in Richtung auf maßgebliche in Industrialisierung befindliche Länder wie – vor allem – China und Indien, so wie sie vom Iran bereits vollzogen worden ist.