Die es nicht wissen wollen

Felix Perrefort / 24.08.2020 /

„Einmal mehr hat sich Angela Merkel in merkwürdigen Metaphern verirrt. „Man muss die Zügel anziehen, um bei Corona nicht in ein Desaster reinzulaufen“, sprach die Reiterin im Kanzleramt, die sich die Bevölkerung nun also nicht mehr als etwas vorstellt, dem es nach gefährlichen Diskussions-„Orgien“ gelüstet, sondern als ein Pferd, das mit straffer Hand durch schwere Zeit geritten werden muss. Wer vier Monate nach Ende der Epidemie nichts dabei findet, dass seine Grundrechte noch immer eingeschränkt sind, der fühlt sich wohl auch nicht von der Kanzlerin totalitärer Sprache erniedrigt. Der Weg vom Bürger zum Untertanen war stets nur eine Grippe-(ähnliche) Welle entfernt.

Einen Realitätsbezug im Sinne einer tatsächlichen Gefahrenlage hat das ganze Corona-Spektakel nicht. Bedenkt man, dass derzeit gerade einmal 244 Corona-Patienten auf Intensivbetten legen (siehe zur aktuellen Datenlage auch hier), seit Mitte Mai der Anteil der positiven Testergebnisse an der Gesamtmenge der Tests unter 2 Prozent liegt (Wikipedia), die Sterblichkeit in allen Altersgruppen der einer Grippe entspricht und man den Viren-Befall von anderen Organen auch bei Influenza kennt, muss man wohl mit Adorno zu dem Schluss kommen, dass das Corona-„Wahnsystem zur vernünftigen Norm in der Welt, die Abweichung zur Neurose gemacht“ worden ist.

Offenbar befinden wir uns nun vollends im postfaktischen Zeitalter. Mit der Corona-Politik haben sich die Herrschenden – noch deutlicher als in Sachen Migration und Klima erkennbar – von jeder Objektivität verabschiedet. Was postmoderne Theoretiker noch als philosophische Zeichen- und Medien-Theorie ausgaben – zum Beispiel Baudrillard mit seiner „Hyperrealität“ als „Generierung eines Realen ohne Ursprung in der Realität“ –, ist Modus Operandi einer Politik geworden, die Grundrechte einschränkt und die zwischenmenschlichen Beziehungen existenziell neuordnet. “ (…)

„Alles, was man benötigt, um die derzeitige Lage und die vergangenen Monate realitätsgerecht zu beurteilen, ist für Laien zugänglich und verständlich: Es gibt ausreichend renommierte Wissenschaftler, deren plausible Argumentationen man nachvollziehen kann, „Laien-Texte“, die beweisen, dass man von Anfang an zu triftigen Urteilen kommen konnte, und die Sitzungen des Corona-Ausschusses: Juristen, die hochprofessionell Woche für Woche durch Interviews unterschiedlichster Experten die letzten Monate aufarbeiten, wobei kaum eine Frage offen bleibt. Es ist kein Hexenwerk: Auch die Generation Pisa hat es geschnallt. Der Irrsinn ist so offenkundig, man könnte ihn sich per Podcast beim Einschlafen begreiflich machen. Vielleicht passt nicht jedes der hier verlinkten Puzzlestücke zu allen anderen, doch das Bild, das sie ergeben, ist klar erkennbar.

Wer sich immer noch in falscher Bescheidenheit kein Urteil anmaßt oder die Regierungslinie gutheißt, der will es eben nicht besser wissen. „Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen“, meinte bekanntlich Kant. Oder muss man mit Hannah Arendt und mit Verweis auf die katastrophalen Folgen der Politik und die „neue Normalität“ noch pathetischer werden? „Kein Mensch hat das Recht, zu gehorchen.“ Die Verantwortung für Fragen, die Grundrechte betreffen, ist niemals an eine Experten-Elite auszulagern. Es ist eine staatsbürgerliche Pflicht, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen und Farbe zu bekennen. Wie das aussehen kann, macht der Lehrer, Autor, Video-Blogger und Ehrenmann Gunnar Kaiser vor. “ (…)

„Der Faschismus kommt dann, wenn der Ausnahmezustand nicht mehr zurückgenommen wird.“

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