Medienspiegel

Gutmensch: eine Definition

Gnosis

Bernhard Lassahn

Do 06.08.2020

Mir ist etwas aufgefallen zum Stichwort »Gnosis«:

Das Wesen des gnostischen Denkens besteht in der Verdrängung der Unterscheidung zwischen „wahr“ und „falsch“ durch die starre und gedankenlose Gegenüberstellung von „gut“ und „böse“, „Helldeutschland“ und „Dunkeldeutschland“ beziehungsweise „halal“ und „haram“ oder auch „erneuerbar“ und „fossil“. Es kommt dem Gnostiker nicht darauf an, ob und inwieweit etwas wahr ist, sondern, dass es als gut gilt.

Nach Eric Voegelin, der den Begriff „politische Religion“ geprägt hat, zeichnet sich der Gnostiker durch sechs Merkmale aus:

Er ist erstens unzufrieden mit seiner Lage.

Er hält zweitens die Welt für schlecht, den Menschen an sich aber für gut.

Er glaubt drittens an die Möglichkeit innerweltlicher Erlösung und

viertens an die Veränderbarkeit der natürlichen Seinsordnung im historischen Prozess des Fortschritts.

Er muss deshalb die Vergangenheit schlechtmachen.

Er glaubt fünftens an die Möglichkeit der Selbsterlösung durch eigene Anstrengung.

Schließlich glaubt er sich im Besitz des dafür nötigen Erlösungswissens.

Die beste deutsche Übersetzung für den bei uns wenig gebräuchlichen Begriff „Gnostiker“ ist übrigens „Gutmensch“. Insofern haben sich die freiheitsliebenden Menschen nicht geirrt, als sie darin spontan ihren Feind erkannten.

Ein weiteres Beispiel für Gnostiker sind Feministen. Wie heißt es bei Georg Kreisler: »Befasse dich einmal mit Gnosis, gleich wirst du merken, was los is’. Nämlich dass diese Welt einfach zu groß is’!“

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