Medienspiegel

Perpignan. Jüdische Studenten wollen Bürgermeister Louis Aliot überwachen

Veröffentlicht

7. August 2020

Dr. Gudrun Eussner

Perpignan. Jüdische Studenten wollen Bürgermeister Louis Aliot überwachen

(Photo)
„Die Jüdischen Studenten Frankreichs wollen die Schaffung eines Komitees der Wachsamkeit
gegenüber der Stadtverwaltung von Aliot“
Les Étudiants Juifs de France veulent la création d’un comité de vigilance
face à la municipalité d‘ Aliot. Par Diane Sabouraud, L’Indépendant, 6 août 2020 [abonnés]

Die Unternehmerin Laurence Martin, seit 28. Juni 2020 als Nr. 6 Abgeordnete der Républicains (LR) in der Opposition im Perpignaner Gemeinderat und im Parlament des Städteverbandes, kann sich mit der Niederlage gegen die von Louis Aliot angeführte Liste Perpignan – L’Avenir en Grand nicht abfinden, und so mobilisiert sie gegen ihn Juden. Unser Lokalblatt L’Indépendant berichtet darüber.

Während es im Internet gegen die Institution der  Stadtverwaltung geht, richtet sich der Kampf in der Zeitung, am folgenden Tag, gegen die Person des Louis Aliot, den von den Perpignaner Bürgern mit komfortabler Mehrheit gewählten Bürgermeister.

„Die Jüdischen Studenten Frankreichs für ein Komitee der Wachsamkeit gegen Louis Aliot“
Les Étudiants Juifs de France pour un comité de vigilance face à Louis Aliot.
Par Diane Sabouraud, L’Indépendant, 7 août 2020, p. 2

Die Union des Étudiants Juifs de France (UEJF) hält in Perpignan ihre Sommeruniversität ab, und an die 40 Mitglieder schwärmen am Donnerstagnachmittag, 6. August 2020, aus ins Stadtzentrum, um die Bürger und Touristen über die Gefährlichkeit des Louis Aliot und der neuen Gemeindeverwaltung aufzuklären. Aus Perpignan ist keiner von ihnen, c’est papa, c’est parisien.

Präsidentin der UEJF ist, seit 16. Juni 2019, Noémie Madar. Schon bei ihrer Wahl ist sie keine Studentin mehr, sondern sie besitzt Diplome der Universitäten Sorbonne und Paris-Dauphine, gute Voraussetzungen für eine Karriere als Funktionärin der unter dem seit vielen Jahren bewährten Motto „Gegen Rassismus und Antisemitismus“ mit der Regierung Frankreichs und ihren Behörden zusammenarbeitenden offiziellen jüdischen Organisationen.

Frankreich. Alle Jahre wieder Dîner du CRIF. 20. Februar 2019

In Perpignan gibt Noémie Madar eine Pressekonferenz über die Absicht, in unserer Stadt ein Komitee zur Überwachung der Entscheidungen der von Louis Aliot, „Kader des Rassemblement National“, geführten Gemeinde einzurichten.  Solche Komitees gebe es hier und da in den vom FN [sic] geführten Städten. Bis zur UEJF-Funktionärin ist es entweder noch nicht vorgedrungen, daß die Partei sich nicht nur in Perpignan Rassemblement National nennt, oder aber mit der Bezeichnung FN, Front National, soll dokumentiert werden, daß es sich um immer dieselbe Partei handelt.

Im Anschluß wird die „Untersuchung/Ermittlung“ von Jonathan Hayoun und Judith Cohen Solal von den Autoren vorgestellt; sie ist, am 30. Januar 2019, bei Grasset erschienen und trägt den Titel „Die Hand des Teufels. Wie die extreme Rechte die Juden Frankreichs verführen wollte“. Schon im Titel wird deutlich, daß es sich um keine wissenschaftliche Untersuchung, sondern um eine Propagandaschrift handelt. Die Autoren „berichten aus den Kulissen dieses Versuchs des ideologischen Überfalls“, bewirbt Grasset die 198 Seiten. Die Partei des Louis Aliot ist die „Personifizierung des Bösen“. Louis Aliot ist demnach der „Junker mit Pferdefuß“.

L’Indépendant stellt fest, daß Vertreter der Juden Perpignans nicht anwesend sind, „weil die UEJF sie nicht eigens angesprochen hat“.

Wahrscheinlich ist ihnen gesteckt worden, daß die Ansicht der Juden, die hier leben, sich von ihrer unterscheidet. In drei Wahlbezirken von Moulin-à-Vent, in dem eine hohe Prozentzahl Anfang der 60er Jahre aus Algerien vertriebener Juden mit ihren Familien wohnt, bekam die Liste von Louis Aliot   60,67 %, 58,21 % und 57,40 % der Stimmen. Es mag sich auch herumgesprochen haben, daß Louis Aliot mütterlicherseits von einem sephardischen Großvater abstammt. Am 30. Juli 2020 wurde Maurice Halimi auf Vorschlag von Louis Aliot zum Präsidenten des Théatre de l’Archipel gewählt.

Zwei Vertreter von „Vereinigungen der Bürgerwachsamkeit“ sind anwesend. Einer von ihnen, ein Student im Rentenalter, tut sich besonders hervor; er trägt den typisch jüdischen Namen Francis José-Maria, kommt aus Cogolin, einem Ort in der Provence. Bürgermeister dort ist Marc-Étienne Lansade, von 2012 bis 2017 Mitglied des Front National. Francis José-Maria leitet das Collectif Place Publique von Cogolin, das sich als ökologische Bewegung versteht und mit dem Ziel arbeitet, das Handeln der mehrheitlich aus „FN-Abgeordneten“ bestehenden Gemeindeverwaltung zu überwachen. Er bezichtigt den Bürgermeister, aus Opportunimus und im Einvernehmen mit dem RN aus der Partei ausgetreten zu sein, um sich zum Bürgermeister wählen zu lassen. L’Indépendant verschweigt, daß Francis José-Maria in Cogolin Kandidat der „Diversen Linken“ war, candidat divers gauche, und parteipolitische Interessen vertritt.

„Nicht wenige Handlungen der Stadtverwaltung [von Cogolin] wurden dank unserer Überwachung abgesagt. Wenn das nicht reicht, zögern wir nicht, zum Verwaltungsgericht zu gehen.“ Da liefert das Internet einige Beispiele, wie Place Publique sich einsetzt für noch mehr Einwanderer, SOS Racisme hilft, wie das Kollektiv den Bürgermeister mit Klagen eindeckt. Von rechtskräftigen Urteilen erfährt man nichts. Die Zeitung Var Matin, im Mehrheitsbesitz ihrer Mitarbeiter und unterstützt von Sozialisten wie Bernard Tapie, ist Mitkämpfer gegen den Bürgermeister Marc-Étienne Lansade.

Die Bürgermeister von Fréjus und Cogolin bezeichnet Francis José-Maria als „Figuren/Gestalten“ der extremen Rechten. Die „Gestalt“ des RN in Fréjus heißt David Rachline; er ist von Vaters Seite Jude, also nach der Halacha ist er keiner, was er auch betont. Seit 2002 ist er Mitglied im FN, ab 2014 Bürgermeister von Fréjus und 2020 im ersten Wahlgang, am 15. März 2020, wiedergewählt.

Auf die UEJF trifft wie auf Gérald Darmanin zu, daß sie niemals die Lösung des Problems finden wird, weil sie nicht weiß, was sie will, weil sie sich mit Personen und Vereinigungen zusammentut, die ihre eigenen Interessen mittels der UEJF durchsetzen, angefangen bei Laurence Martin, von den Républicains, über Francis José-Maria, von den Ökologen, bis hin zur Zeitung L’Indépendant der Gruppe La Dépèche des Mitbegründers der „Bewegung der radikalen Linken“, des Mouvement des radicaux de gauche (MRG), Jean-Michel Baylet, eines Freundes von François Mitterrand.

Celui qui ne peut pas décrire le problème ne trouvera jamais la solution. „Derjenige, der das Problem nicht beschreiben kann, wird niemals die Lösung finden.“

Die Ähnlichkeit mit deutschen jüdischen Vereinigungen wäre zufällig. 😁😁😁